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Forschung & Technik
07.06.2011

Früherkennung schützt vor Erdbeer-Bakteriose

Leckere Erdbeeren. Mit einer neuen, hochsensiblen Methode kann der Erreger der gefürchteten Eckigen Blattfleckenkrankheit aufgespürt werden..... Foto: adpic

Mit DNA-Analysen spüren Pflanzenschutzämter den Erreger der Eckigen Blattfleckenkrankheit bei Erdbeeren auf.

Mit einem eigens für die Bekämpfung der Eckigen Blattfleckenerkrankung entwickelten Nachweisverfahren gelingt es den Pflanzenschutzämtern, kranke Erdbeerpflanzen rechtzeitig aufzuspüren. Die Diagnose und Vernichtung kranker Pflanzen ist die einzige Möglichkeit, die Ausbreitung der meldepflichtigen Krankheit zu verhindern. Ausgelöst wird sie vom Bakterium Xanthomonas fragariae, das chemisch nicht bekämpft werden kann. Seit Einführung des neuen Nachweisverfahrens hat die mittlerweile weltweit vorkommende Blattfleckenkrankheit in Deutschland an Schrecken verloren. 

Ursprung vermutlich in Nordamerika

Der Erreger Xanthomonas fragariae wurde 1962 in Nordamerika entdeckt und erstmalig in den 70er Jahren in Europa nachgewiesen. Nach Deutschland gelangte die Erdbeerkrankheit Ende der 90er Jahre – vermutlich über infizierte Jungpflanzen. Heute ist die Krankheit in einzelnen Ländern aller Kontinente verbreitet und hat in der EU Quarantänestatus. Befallene Pflanzen verkümmern; die Früchte werden zum Teil notreif oder trocknen ein. Findet das Bakterium optimale Bedingungen vor, kann es die Erdbeerernte um bis zu 30 Prozent schmälern. 

Keine eindeutigen Symptome bei Krankheitsbeginn

Die Eckige Blattfleckenkrankheit wird vom Bakterium Xanthomonas fragariae ausgelöst. Im frühen Stadium tauchen zunächst an der Unterseite der bodennahen Blätter helle eckige Flecken auf, die nur wenige Millimeter groß sind. Im fortgeschrittenen Stadium sind dunkle Flecken auf den Blattoberseiten zu beobachten. Manchmal überzieht silbrig-weißer Bakterienschleim die Unterseiten. Die ersten Symptome sind leicht mit einer Schädigung durch übermäßiges Gießen zu verwechseln. Eine verlässliche und schnelle Diagnose ist mit den herkömmlichen Analyseverfahren nicht möglich. Erst ein molekularbiologisches Nachweisverfahren, bei dem Teile des Erbguts des Erregers im Pflanzensaft nachgewiesen werden, brachte den Durchbruch. 

Hochsensible Methode spürt Bakterien-Erbgut auf

Die sogenannte NPCR-Methode (Nested Polymerase Chain Reaction) hat sich auch am Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) in Bonn bewährt. Nach der Untersuchung zahlreicher Proben steht für Dr. Monika Heupel, Leiterin des Fachbereichs Diagnostik Pflanzenkrankheiten des Pflanzenschutzdienstes der LWK NRW, fest, dass die Methode sichere und reproduzierbare Ergebnisse liefert. Für die Probenaufbereitung werden die kompletten Erdbeerpflanzen verarbeitet. So könne der Erreger auch dann schon nachgewiesen werden, wenn er sich noch nicht in der gesamten Pflanze verbreitet hat. „Die Methode ist so sensibel, dass wir den Erreger auch in einem frühen Befallsstadium in scheinbar noch gesunden Pflanzen nachweisen können“, sagt die Expertin. Allerdings müssten bei der Analyse qualitativ hochwertige Chemikalien eingesetzt werden und die Aufbereitung des Probenmaterials sei besonders aufwändig. 

Verbreitung über infizierte Jungpflanzen

Eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der Krankheit nimmt die Untersuchung von Jungpflanzen ein: Experten vermuten, dass der Handel von Pflanzgut eine der Hauptursachen für die Verbreitung der Erdbeerseuche ist. Neben offensichtlich erkrankten Pflanzen untersuchen die Pflanzenschutzämter deshalb auch regelmäßig symptomlose Jungpflanzen und beugen dadurch der Ausbreitung durch kranke Jungpflanzen in den Erdbeerbetrieben vor. 

Auch Balkonpflanzen erkranken

Erdbeeren wachsen nicht nur auf Äckern und in Gärten: Als sogenannte Ampelpflanze schmücken sie immer häufiger Balkone. Besitzer solcher Pflanzen können auch ihre zuständige Pflanzenschutzbehörde um Rat fragen. Erst Ende April untersuchte der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftkammer Nordrhein-Westfalen eine Erdbeer-Ampelpflanze mit hellen Flecken auf den Blättern. „Zum Glück handelte es sich nicht um die Quarantänekrankheit, die Symptome waren auch eher untypisch“, sagt Dr. Monika Heupel. Wäre der Befund positiv ausgefallen, hätte die Pflanze vernichtet werden müssen.

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