Vielseitiger Minzgeschmack für Arznei und Ernährung

Pfefferminze im gewerbsmäßigen Anbau

Ob als Pfefferminzöl bei Erkältungen, erfrischender Tee im Sommer oder als leckere Zutat für Quark und andere Süßspeisen, die Pfefferminze ist aus der pflanzlichen Hausapotheke und aus der Küche nicht wegzudenken. Auch als geschmacksgebende Komponente in Likör, Süßwaren oder in der Kosmetik findet sie Verwendung. Pfefferminze wird in Deutschland vor allem in Thüringen und in Bayern professionell angebaut. Für den gewerbsmäßigen Anbau spielen jedoch ganz andere Faktoren eine Rolle als für das Kräuterbeet im heimischen Garten.

Pfefferminze (Mentha × piperita) wird in vielen Ländern Europas und Nordamerikas angebaut und als Arznei, Teezubereitung und in der Küche verwendet. Die krautige, frostharte, bis zu 90 cm große Staude gehört zur Familie der Lippenblütler. Pfefferminze ist ein Bastard aus der Rossminze (Mentha longifolia), der Apfelminze (Mentha rotundifolia), der Grünen Minze (M. spicata) und der Bachminze (Mentha aquatica). Sie ist selber nicht mehr fruchtbar und muss deswegen vegetativ über Stecklinge vermehrt werden. Das ist allerdings recht einfach, da die Pfefferminze von Haus aus flach wurzelt und viele ober- und unterirdische Ausläufer bildet.

Tee oder Öl für verschiedene Zwecke

Ursprünglich kommt die Pfefferminze bei uns nicht wild vor. Inzwischen ist sie aber durch den Anbau im Hausgarten und durch den gewerbsmäßigen Heil- und Gewürzkräuteranbau auch ausgewildert. Für medizinische Zwecke werden die getrockneten ganzen oder geschnittenen Blätter verwendet, die als Pfefferminz-Tee in Arzneiqualität hohe Anforderungen erfüllen müssen. Im Verdauungstrakt wirkt Pfefferminze krampflösend und wird deswegen oft bei Magen-Darm- und Galle-Beschwerden, Völlegefühl, Brechreiz, Blähungen oder Sodbrennen eingenommen. Empfindlichen Menschen drohen bei zu häufigem Genuss aber Magenschmerzen.

Das ätherische Öl der Pfefferminze enthält neben Menthol auch Menthylacetat, Menthofuran, Rosmarinsäure und Flavonoide als wirksame Inhaltsstoffe. Der betörende Duft wirkt beim Einatmen erfrischend, hilft im Kaugummi gegen Mundgeruch und bringt auch so manchen Kopfschmerz zum Verschwinden. Das Öl wird zum Betäuben, Kühlen und gegen Juckreiz auf die Haut aufgetragen.

Strenge Anforderungen im Heilpflanzenanbau

Landwirte, die Heil- und Gewürzpflanzen anbauen, haben strenge Anforderungen zu erfüllen: Die Anbauflächen müssen regelmäßig auf Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Quecksilber untersucht werden. Pfefferminze wird in der Praxis ein- bis dreijährig angebaut. Der mehrjährige Anbau der Pfefferminze hilft Bodenverluste und Auswaschungen durch Erosion vermindern. Danach sollte eine mehrjährige Anbaupause für alle Lippenblütler wie Salbei, Thymian oder Zitronenmelisse folgen, damit sich keine Krankheitserreger und Schädlinge ansiedeln können. Als Vorfrüchte eignen sich Leguminosen, Kartoffeln oder Getreide, das auch gut als Folgekultur nach der Pfefferminze angebaut werden kann.

Beliebt auch bei Pilzen, Zikaden und Käfern

Im kommerziellen Anbau kommen zwei Formen von Pfefferminze vor.  Die „black mint“-Sorten der Rubescens-Form, auch Mitcham-Typ genannt, haben dunkelgrüne, eiförmige Blätter mit violett-rötlicher Nervatur. Hingegen weisen die „white mint“-Sorten der Pallescens-Form (Pfälzer Pfefferminz-Typ) hellgrüne, lanzettförmige Blätter auf. Die Landwirte bringen entweder bewurzelte Kopfstecklinge oder geteilte Stolonen aus, aus denen die neuen Pfefferminz-Pflanzen wachsen. Doch bis zur Ernte mit Spezialmaschinen und zur anschließenden Weiterverarbeitung ist es dann noch ein weiter Weg.

Die Minze ist nämlich von vielen Schadpilzen bedroht: Am bedeutendsten ist der Pfefferminzrost, eine pilzliche Erkrankung, die eine ganze Ernte mit beulenartigen, rötlich-gelben Wucherungen zunichtemachen kann. Bei feuchtwarmer Witterung können Krankheiten wie Fusarium-, Phoma- oder Alternaria-Schimmelpilze den Pfefferminzpflanzen den Garaus machen. Die Pfefferminzanthraknose ist eine durch Colletotrichum-Pilze hervorgerufene Krankheit, bei der die befallenen Pflanzen sich über die befallenen Stellen drehen, die Blätter kräuseln und schließlich absterben. Schließlich können Pfefferminz-Pflanzen auch an der Blattfleckenkrankheit und an Echtem Mehltau erkranken.

Als tierische Schädlinge treten vor allem Zikaden, der Minzenblattkäfer und der Grüne Schildkäfer auf, die die Blätter durch Saugen, Loch- und Blattrandfraß schädigen. Im Boden freuen sich Nematoden (Älchen) über die feinen Pfefferminzwurzeln, was zu Kümmerwuchs, Verfärbungen und Vermorschung führt. Die Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen hat zur Folge, dass die hohen Ansprüche der Verarbeiter an die Gesundheit der Pflanzen ohne sachgemäßen Fungizid- und Insektizideinsatz kaum zu gewährleisten sind. Vorbeugend arbeiten die Landwirte mit einer weiten Fruchtfolge und vermeiden ein Nebeneinander von alten und jungen Pfefferminzfeldern. Inzwischen werden auch neue „BLBP“-Herkünfte (BLBP = Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau) am Markt angeboten, die krankheitstoleranter sind.

Minz-Gaumenschmaus in der Küche

Nach der schonenden Ernte und Verarbeitung finden die Pfefferminze und ihre anderen Verwandten wie Wasserminze, Grüne Minze oder Speerminze ihren Weg nicht nur in die Apotheken und Drogerien, sondern auch in unsere Küchen: Minze ist ein wahres Allround-Talent, das Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst verfeinert. Die Engländer verfeinern damit ihre Suppen und Soßen – wer hat nicht schon einmal von der Minzsoße zum Lammbraten gehört? In Tunesien oder Marokko ist dagegen die Nanaminze die Grundlage des Nationalgetränks, und in Österreich verwendet man für die Kärntner Nudel die Braune oder Nudel-Minze. Bekannt sind auch die weißen Kaugummi-Streifen mit Spearmint- oder Speerminze-Aroma, die zartschmelzenden Bitterschokoladetafeln mit Minzfüllung oder der Holunderblüten-Limette-Minzsekt, der so mancher Feier zu einem spritzigen Genuss verhilft.

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