Schnellkäfer sind unberechenbar und kaum zu stoppen

Monitorings sollen Gegenmaßnahmen erleichtern – Klimawandel begünstigt Ausbreitung

Sie heißen Schnellkäfer, nicht weil sie schnell laufen können, sondern weil sie mit einem „Klick“ in die Höhe schnellen, wenn Gefahr droht. Ihr Nachwuchs sind die mittlerweile überall bekannten, aber nicht gerade beliebten Drahtwürmer. Diese Larven putzen nämlich auf Äckern und in Gärten so ziemlich alles weg, was ihnen vor die Fresswerkzeuge kommt. Mit umfangreichen Monitorings versuchen Wissenschaftler, Berater und Pflanzenschutzmittelhersteller mehr über die Lebenszyklen der Schädlinge zu erfahren. Damit soll eine gezieltere Bekämpfung möglich werden.

Tendenz zunehmend

In den letzten Jahren haben Schäden durch Schnellkäferlarven bundesweit massiv zugenommen, so unter anderem 2010 in Baden-Württemberg und Niedersachsen. Betroffen sind nicht nur Ackerfrüchte wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben sowie Gemüse wie Salate und Tomaten. Auch Rasen- und Grünlandgräser werden befallen. Zahlreiche Behörden und auch Unternehmen der Pflanzenschutzindustrie beteiligen sich an bundesweiten Monitorings, die in Prognosemodelle münden sollen. Es gilt, mehr über Schäden, Entwicklungszyklen und Verbreitungsgebiete der verschiedenen Arten zu erfahren, um sie gezielt bekämpfen zu können. 

Pheromon- und Köderfallen

Ob tatsächlich eine Gefahr für Kulturpflanzen besteht, ist gar nicht so einfach zu beurteilen. Zwei Fallentypen sollen den Forschern einen Überblick über die Käferpopulation verschaffen. Pheromonfallen locken Käfermännchen an. Sie geben Aufschluss über Arten und Flugzeitpunkt. Köderfallen fangen Larven und ermitteln die Populationsdichte, wobei sich aber die Artenbestimmung als schwierig erweist, weil die Larven kaum Unterscheidungsmerkmale aufweisen. Beide Verfahren sind noch nicht ausgereift. Momentan versuchen Experten der Universität Göttingen und der Syngenta Agro, Rückschlüsse von Fängen in Pheromonfallen auf potenzielle Schäden zu ziehen. Wegen des mehrjährigen Entwicklungszyklus müssen Käfer und Larvenüber mehrere Jahre gefangen werden. Ebenso sind exaktere Kenntnisse über das Eiablageverhalten der Schnellkäfer für eine Prognose erforderlich. 

Unklarheiten noch lange nicht beseitigt

Mit fundierteren Kenntnissen können sich Experten an Schwellenwerte herantasten. Diese geben Hinweise, ab wann Bekämpfungsmaßnahmen sinnvoll sind. Doch auch hier steht man noch am Anfang. Es fehlen standardisierte Erhebungsmethoden. Zudem muss man zwischen Kulturen, Käferarten und Zeitpunkten differenzieren. 

Die Ursachen für massiven Larvenbefall sind häufig nicht eindeutig. Experten prüfen unter anderem, wie sich verschiedene Kulturen auswirken. So sollen Leguminosen, wie zum Beispiel Erbsen und Kreuzblütler wie Weißkohl und Senf, den Besatz reduzieren. Im aktuellen Monitoring der Universität Gießen und der Syngenta Agro wurden größere Käferpopulationen vor allem in Dauergrünland sowie nach Flächenstilllegungen und in Getreide gefunden. Häufige, schneidend-mischende Bodenbearbeitung setzt den bis zu drei Zentimeter langen Larven zu. Auch weil ein Teil dabei an die Bodenoberfläche befördert wird und dort austrocknet. Klar ist ebenfalls, dass der Klimawandel die Generationsfolge verkürzt und das Schadpotenzial vergrößert. Bei höheren Temperaturen fühlen sich zunehmend auch Schnellkäfer wie Agriotes sordidus bei uns wohl, obwohl diese Art in Südeuropa zuhause ist. 

Hohe Zulassungshürde

Es existieren zwar chemische Wirkstoffe für Saatgutbeizen, die zumindest Keimlinge und junge Pflanzen vor dem Schädling schützen. Ebenso Granulate, die bei der Saat in den Boden eingearbeitet werden. Doch während der Schädling stetig an Bedeutung gewinnt geht die Zahl der zugelassenen Mittel zur Drahtwurmbekämpfung zurück. Die Landwirte warten händeringend auf Mittel, die es erlauben, das Schädlingsaufkommen zu kontrollieren. 

Schwer zu packen

In Mitteleuropa kommen etwa 150 Schnellkäfer-Arten vor, davon sind fünf Arten der Gattung Agriotes als Schädlinge bekannt. Dazu zählen Saatschnellkäfer, Düsterer Humusschnellkäfer und Gelbbrauner Schnellkäfer. Deren Larven fressen bevorzugt an Wurzeln und Knollen und sind bei der Wahl ihrer Nahrungspflanzen wenig wählerisch. Sie hinterlassen Fraßgänge und damit Eintrittspforten für Krankheiten. Die betroffenen Pflanzen bleiben im Wachstum zurück, welken und sterben zum Teil ab. Die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer dauert drei bis fünf Jahre. Dabei durchläuft der Käfer bis zu 14 Larvenstadien und übersteht auch Trockenheit und Überflutungen problemlos, indem er in tiefere Bodenschichten abwandert und/oder sich in eine Ruhestarre rettet.

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