Erdraupen und Drahtwürmer sind kaum zu stoppen

Massenhafte Vermehrung und Beizmittelverbot – südbadische Saatgutvermehrer bangen um Existenz

Erdraupen und Drahtwürmer haben in der Saatmaisvermehrung in Südbaden schwere Schäden angerichtet. Die Saatgutvermehrer fordern die Wiederzulassung der bewährten Neonicotinoid-Beizmittel. Die Fehler, die 2008 zum Bienensterben am Oberrhein und zum Ruhen der Zulassung geführt hatten, sind längst behoben, aber die Wiederzulassung lässt auf sich warten.

Erdraupen und Drahtwürmer machen den Saatmais-Vermehrern im oberen Rheintal massiv zu schaffen. Die Schädlinge haben in einzelnen Betrieben Verluste von mehreren zehntausend Euro verursacht. Bis in den Juli hinein schien sich der Mais normal zu entwickeln. Doch dann fraßen die Schädlinge massiv an Wurzeln und Stängeln. Immer mehr Maispflanzen fallen jetzt einfach um – ein Totalverlust für die Anbauer.

Keine Bekämpfung möglich

Betroffen sind allein in Südbaden rund 240 landwirtschaftliche Vermehrungsbetriebe sowie ihre Zulieferer und Abnehmer. Im Sommer können die Schädlinge nicht mehr bekämpft werden. Würden die Landwirte mit ihren Pflanzenschutzgeräten durch die über zwei Meter großen Maispflanzen fahren, würden sie noch mehr zerstören. Hinzu kommt, dass die Schädlinge überwiegend im Boden und in den Pflanzen zu finden und dort von der Spritzbrühe kaum zu erreichen sind. Als großes Handicap erweist sich für die Betroffenen das Verbot wirksamer Neonicotinoid- Beizmittel . Die Beize umgibt das Saatkorn und schützt die Pflanze von der Aussaat an. Die Zulassungen ruhen seit zwei Jahren. Damals hatten fehlerhafte Beizung und veraltete Saattechnik einen Teil des Mittels als Staub in die Luft gelangen lassen – zum Schaden der Bienen. Die technischen Fehler von damals sind heute behoben. Die Wiederzulassung jedoch lässt auf sich warten.

Wirksame Beizmittel dringend erwünscht

Die Ursachen des ungewöhnlich massiven Befalls mit Erdraupen und Drahtwürmern sind teilweise unklar. Für den Drahtwurm gibt es ein bundesweites Monitoring an über 100 Standorten. Es soll neue Erkenntnisse über die Biologie der gefräßigen Larven des Schnellkäfers, die neben Mais auch Zuckerrüben und Kartoffeln befallen, bringen. Hier sind keine kurzfristigen Erfolge zu erwarten. Also hoffen die Saatgutvermehrer, dass für den Anbau im Jahr 2011 neue wirksame Beizmittel zugelassen werden. Weil die Schädlinge in diesem Jahr nicht bekämpft werden können, rechnen Experten damit, dass die Population weiterwächst und die Schäden im nächsten Jahr noch dramatischer ausfallen.

Beliebte Beiträge