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Umwelt & Verbraucher
04.11.2014

Mäuseinvasion trifft Landwirtschaft

Landwirt Jörg Klingenmaier hat trotz der beträchtlichen Schäden seinen Humor nicht verloren. Foto: Matthias Wiedenau

Mäuse vermehren sich in günstigen Jahren massenhaft, effiziente Gegenmaßnahmen sind Mangelware

Schäden in einer Höhe bis zu 400 Millionen Euro können Feldmäuse auf deutschen Äckern und Weiden nach Schätzungen des Gießener Zoologen Prof. Dr. Gerhard Lauenstein jährlich verursachen. Typisch ist der wellenförmige Verlauf der Populationsentwicklung: Nach einem oder mehreren Jahren mit geringem Besatz folgen befallsstarke Jahre. 2014 entwickelten sich die kleinen Nager in vielen Regionen wieder zur Plage. So auch im Rheinland. Landwirt Jörg Klingenmaier aus Blatzheim bei Kerpen baut dort überwiegend Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln an und berichtet von seinen Erfahrungen.

Herr Klingenmaier, haben Ihnen die Feldmäuse in diesem Jahr viele Sorgen bereitet?

Ja, auf einigen Feldern gibt es sehr viele Feldmäuse. Ihre Fresslust macht mir zu schaffen. Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps oder Möhren – keine landwirtschaftliche Kultur ist vor ihnen sicher. Jede Menge abgebissene Getreidehalme, angenagte Rüben oder Knollen und ein von Löchern durchsiebter Boden sind sichere Hinweise auf hohe Besatzzahlen. Im Herbst und Winter sind Mäuseschäden besonders gut auf jungen Getreide- oder Rapsflächen zu erkennen. Rund um die Bauten sind die Pflanzen abgefressen und der Boden ist kahl.

Können Sie die diesjährigen Schäden beziffern?

Ich schätze, dass im Winterweizen auf stärker befallenen Flächen rund zehn Prozent meiner Ernte vernichtet wurden. Die Tiere haben außerdem zehn bis 15 Prozent der Kartoffelknollen angenagt. Die haben wir alle aussortiert, weil Speisekartoffeln frei von solchen Mängeln sein müssen. Genauso ist es bei Möhren, die in der Nachbarschaft angebaut werden. Zu den direkten Verlusten kommen der größere Aufwand für die Bekämpfung der Tiere und die zeitaufwändigere Aufbereitung unserer Produkte. In diesem Jahr macht das alles zusammen für meinen Betrieb mehrere tausend Euro aus.

Worauf führen Sie die aktuelle Situation zurück?

Vor dem Jahreswechsel 2013 / 2014 gab es noch keine Probleme. Aber dank des milden und trockenen Winters haben sich die Tiere offensichtlich sehr intensiv vermehrt. Zwei Wochen nach der Geburt sind Mäuse geschlechtsreif, und nach weiteren drei oder vier Wochen gibt es den ersten Nachwuchs. Kein Wunder, dass die Populationen regelrecht explodieren können. Genauso schnell brechen die Bestände aber auch wieder ein. Ob das aber schon 2015 der Fall sein wird, kann ich nicht vorhersagen.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Vermehrung von Feldmäusen zu stoppen?

Auf Flächen mit vielen Mäusen setze ich den Pflug oder einen tief eingestellten Grubber zur Bodenbearbeitung ein. Damit kann ich zumindest einen Teil der Bauten zerstören. Nachdem ich auf diesen Flächen Wintergetreide oder Raps ausgesät habe, kontrolliere ich die Flächen auf neue Löcher. Dann kommt es darauf an, möglichst früh Giftköder dort abzulegen. Haben sich die Tiere in ihren Höhlen erst einmal einen Wintervorrat angelegt, sind die Köder nach meinen Beobachtungen eher unattraktiv. Momentan gibt es nur noch einen zugelassenen Wirkstoff, und die damit behandelten Köder müssen zudem verdeckt ausgebracht werden.

Was heißt das konkret für Sie?

Die Köder dürfen nicht breitwürfig, zum Beispiel mit einem Düngerstreuer, abgestreut werden. Stattdessen nutze ich eine sogenannte Legeflinte. Die befülle ich mit Ködern und lege jeweils einige in jedem Loch ab. Auf einem stark befallenen zehn Hektar großen Acker mit einigen tausend Löchern benötige ich dafür etwa zehn Stunden. Das wiederhole ich, bis keine frischen Löcher mehr zu sehen sind. Diese zeitaufwändige Maßnahme bringt zwar lange keinen hundertprozentigen Erfolg, aber sie ist momentan die einzige Möglichkeit, die Ernten wenigstens einigermaßen vor den gefräßigen Mäusen zu schützen.

Gibt es auch vorbeugende Maßnahmen?

Die gibt es. Es empfiehlt sich, Feldränder regelmäßig abzumulchen. Wenig Aufwuchs bedeutet wenig Futter und damit weniger Mäuse, die von den Rändern her wieder in frisch gepflügte Felder einwandern können. Ich habe auch schon einmal Sitzstangen für Greifvögel aufgestellt. Die Wirkung hält sich aber in Grenzen, weil die Vögel nach meiner Erfahrung überwiegend alte und kranke Mäuse erwischen. Mein Fazit: Solange keine anderen wirkungsvolleren Maßnahmen gefunden werden, müssen wir mit den wiederkehrenden Mäuseplagen leben und können die Schäden lediglich begrenzen.

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