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Umwelt & Verbraucher
03.01.2007

„Wir haben ein Mäuseproblem“

Auch frisches Obst schmeckt der Maus. Quelle: frunol delicia

Mäuse sind ein Hygienerisiko, insbesondere im gewerblichen Bereich. Aber die Bekämpfungsmöglichkeiten sind begrenzt.

Unter den idealen Lebensbedingungen in den Innenstädten können sich Mäuse stark vermehren. Ein schier unbegrenztes Nahrungsangebot auf der Straße und gut beheizte Winterquartiere kommen ihnen entgegen. Anders als bei den gefürchteten Ratten, deren Bekämpfung das Bundesseuchengesetz regelt, halten viele Menschen die um einiges kleineren Nager für niedlich und harmlos. Welche Probleme Mäuse aber mit sich bringen, darüber sprach Profil online mit Rainer Gsell, dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Schädlingsbekämpferverbands e.V. (DSV).

Schädlingsbekämpfer geben heute Mäusealarm, ist das angesichts der kleinen Graupelze nicht etwas übertrieben?

Das große Problem mit Mäusen ist, dass viele Menschen in ihnen nur das „niedliche“ Tierchen sehen und nicht bedenken, wie unhygienisch ein Mäusebefall ist. Darüber hinaus übertragen Mäuse - genauso wie Ratten - gefährliche Krankheiten.

Welche Krankheiten können Mäuse übertragen?

Grundsätzlich können Mäuse alle infektiösen Krankheiten übertragen. Besonders gefürchtet ist die Ansteckung mit Salmonellen und mit den Erregern der so genannten Weilschen Krankheit, einer Erkrankung der Nieren. Die Krankheiterreger sind in den Ausscheidungen. Da Mäuse ständig koten und urinieren, besteht überall dort ein hygienisches Problem, wo ein Mäuseschwanz gesichtet wird.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach die größten Probleme?

Stark betroffen sind die Innenstädte, die den Mäusepopulationen einfach ideale Lebensbedingungen bieten. Besonders dramatisch ist natürlich ein Befall von Betrieben, in denen Lebensmittel hergestellt oder gelagert werden. Dazu zählt zum Beispiel auch ein Getränkelager, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so dramatisch erscheint. Aber stellen Sie sich nur einmal vor, Sie trinken aus einer Getränkedose, die mit Mäuseexkrementen Kontakt hatte. Darüber hinaus sind Mäuse natürlich auch in Krankenhäusern inakzeptabel, da hier ja peinlich auf Hygiene geachtet werden muss. Man kann sagen, dass die Mäuse das lang bekannte Rattenproblem nicht abgelöst, sondern ergänzt haben.

Was kann man gegen die Mäuseplage tun?

Für die erfolgreiche Bekämpfung sind gerade im gewerblichen Bereich oder in besonders betroffenen städtischen Arealen professionelle Maßnahmen erforderlich. Der Einzelne kann sich ja kaum noch selbst schützen, weil die Mäuse aus der Nachbarschaft immer wieder neu einwandern. Dem Schädlingsbekämpfer stehen heute aus Tierschutzgründen nicht mehr so viele Möglichkeiten zur Verfügung. Zum Beispiel sind Klebefallen nicht mehr erlaubt. Das begrüßen wir, weil sie nicht tierschutzgerecht sind. Zu den wenigen erlaubten Maßnahmen zählen Köderstationen - kleine Schachteln mit einem Loch, die einen Köder enthalten. Sie bieten den Vorteil, dass das Tier im geschützten Bereich fressen kann und verhindern natürlich auch, dass andere Tiere den Köder aufnehmen können. Das Problem ist allerdings, dass Mäuse sehr schlau sind und es mittlerweile Gebiete gibt, wo die Köderstationen nicht mehr angenommen werden.

Haben die Mäuse gelernt, dass die Köderstationen eine Falle sind?

Aus eigener Erfahrung würde ich dem zustimmen. Es muss sogar so sein, dass diese Kenntnisse von einer Generation an die nächste weiter gegeben werden.

Welche Möglichkeiten bleiben dann dem Schädlingsbekämpfer noch?

Wenn die Ratten oder Mäuse erst einmal gelernt haben, dass der Köder giftig ist, muss sich der Schädlingsbekämpfer etwas einfallen lassen. Eine Möglichkeit, mit der auch schon Erfolge erzielt wurden, sind zum Beispiel flüssige Köder. Die Anwendung ist allerdings viel schwieriger und es ist auch fraglich, ob dies immer hilft, da Mäuse eigentlich ihren Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung decken. Sehr oft werden auch verschiedene Maßnahmen kombiniert. Letztlich muss von Fall zu Fall entschieden werden, welche Methoden anzuwenden sind. Nur professionelle Schädlingsbekämpfer bringen dafür das notwendige Know-how mit.

Welche Strategie empfehlen Sie besonders gefährdeten Betrieben, und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?

Ganz wichtig ist die Prophylaxe. Wenn Mäuse erst einmal im Lager oder im Betrieb sind, ist es viel schwieriger, sie wieder los zu werden. Und es kostet mehr Geld, als wenn konsequent vorgebeugt wird. Leider wird bei uns das Problem lieber tot geschwiegen. Maßnahmen, die in anderen Ländern als Wettbewerbsvorteil herausgestellt werden, wie zum Beispiel ein Schild mit der Aufschrift „Dieser Betrieb wird von professionellen Schädlingsbekämpfern kontrolliert/betreut“, sind bei uns undenkbar. Hier ist ein Umdenken unbedingt erforderlich.

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