Lebensmittelsicherheit: Fakten statt Emotionen

Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung schaffen Transparenz durch Information

"Was kann ich denn überhaupt noch unbesorgt essen?“ Viele Verbraucher sind verunsichert. Sie zweifeln an der Sicherheit unserer Lebensmittel. Besonders wenn echte oder vermeintliche Skandale Schlagzeilen machen. Doch ist es wirklich so dramatisch um unsere Lebensmittelsicherheit bestellt? Und wo gibt es verlässliche Informationen? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) prüft die Fakten und informiert offen und sachlich auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen. Die neu gestaltete Website www.bfr.bund.de ist seit März 2011 im Netz.

Das BfR nimmt Lebensmittelzusatzstoffe, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Kontaminanten genau unter die Lupe. Auch die Hygiene über die gesamte Kette der Lebensmittelherstellung und -behandlung von der Urproduktion bis zum Endverbraucher gehört zu den Untersuchungsschwerpunkten. Bewertet wird zum Beispiel, ob durch Dioxine oder Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln Risiken für Verbraucher entstehen. Grundlage dafür ist immer der jeweilige internationale wissenschaftliche Kenntnisstand. 

Das Informationsangebot des BfR steht jederzeit allen offen.

Wenn ein „Lebensmittelskandal“ Schlagzeilen macht, lohnt sich ein Blick auf die Website des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Es ist eine der maßgebenden Organisationen, die sich in Deutschland um Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz kümmern. Die Berliner Behörde berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen arbeiten über die Fachgrenzen hinweg zusammen: Medizin, Tiermedizin, Pharmazie, Biologie, Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie und Ernährungswissenschaften sind beteiligt. Entsprechend fundiert sind die Informationen.

Neben der Risikoprüfung und -bewertung gehört die Risikokommunikation zu den Hauptaufgaben der Behörde. Die neu gestaltete Website und eine intensive Pressearbeit machen die Informationen direkt oder über die Medien allen interessierten Verbrauchern zugänglich. 

Risiken ermitteln und ausschalten

Damit etwaige Risiken durch Pflanzenschutzmittelrückstände gar nicht erst entstehen, ist das BfR zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem Julius Kühn-Institut bereits an der Zulassung neuer Mittel beteiligt. Auf Basis der Stellungnahmen der Behörden entscheidet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) über die Zulassung. Denn Mittel gegen lästige Unkräuter, giftige Getreidepilze oder ewig hungrige Schnecken werden erst nach jahrelangen Prüfungen zugelassen. Die Anforderungen sind hoch: Sie müssen bei sachgemäßer Anwendung sicher für Gewässer, Umwelt und die Gesundheit der Personen sein, die mit ihnen oder ihren Rückständen in Kontakt kommen. Die Experten bewerten die Wirkstoffe toxikologisch und leiten Grenzwerte ab. Sie schlagen Rückstandshöchstgehalte in Lebensmitteln vor, die gesundheitliche Risiken für Verbraucher ausschließen. Ferner legt das BfR, gemeinsam mit dem für das Risikomanagement zuständigen BVL, Sicherheitsmaßnahmen für Anwender und indirekt Betroffene beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln fest. 

Gefühltes Risiko und tatsächliches Risiko – hier kann man leicht daneben liegen

Das BfR stuft Gesundheitsgefahren durch Pilzgifte oder Zoonosen wesentlich höher ein als Risiken durch Spuren von Chemikalien. Zoonosen sind von Tieren über Lebensmittel auf Menschen übertragbare Krankheiten, wie zum Beispiel Darmentzündungen, ausgelöst durch die Bakterienart Campylobacter. Viren und Salmonellen führen immer wieder zu Todesfällen. Diese akuten Risiken werden jedoch in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Das gefühlte Risiko weicht also deutlich vom tatsächlichen Risiko ab. 

Woher kommen Fehleinschätzungen?

Mit einer Studie hat das BfR 2010 versucht, den Gründen für die Verunsicherung der Verbraucher und für die unterschiedliche Risikowahrnehmung auf die Spur zu kommen. Ein Ergebnis war, dass 70 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass keinerlei Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln erlaubt sind. Insofern ist die Besorgnis nachvollziehbar. Geht man von falschen Voraussetzungen aus, bleibt die Besorgnis auch dann, wenn die gemessenen Werte deutlich unterhalb der gesetzlich zulässigen Höchstgehalte liegen. 75 Prozent der Befragten gaben an, sich für die Thematik zu interessieren, fühlen sich aber überwiegend schlecht informiert. Als wichtigste Informationsquellen nannten sie Zeitungen, Fernsehen und Internet. Das breite Informationsangebot der Behörden wie des BfR, der Wissenschaft und der Hersteller wird kaum zur Kenntnis genommen. Das möchte das BfR nun mit der verbesserten Internetpräsenz ändern.

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