Gefürchteter Wurzelparasit aus Fernost: Der Chinesische Fadenwurm

Der kleine Schädling verursacht starke Wurzelverdickungen und hohe Ernteverluste

Unter den tropischen Wurzelgallennematoden ist der Chinesische Fadenwurm eine der aggressivsten Arten: Er vermehrt sich sehr schnell und löst bei vielen wirtschaftlich wichtigen Nutzpflanzen wie Tomaten und Gurken starke Wurzelverdickungen aus. Dabei schädigt er auch Pflanzen, die gegen andere Fadenwurm-Arten widerstandsfähig sind. Die Ernteverluste sind hoch und die Bekämpfung des Nematoden schwierig. Daher ist die Sorge groß, dass sich der Schädling auch in Europa ausbreiten könnte.

Winziger Wurzelschädling mit artenreichem Speiseplan

Die Fadenwürmer oder auch Nematoden bilden einen der artenreichsten Stämme des Tierreichs. Der Chinesische Fadenwurm (Meloidogyne enterolobii) wurde erstmals 1983 in China beschrieben. Er gehört zu den Wurzelgallennematoden (Meloidogyne), der weltweit bedeutendsten Gattung der Wurzelparasiten. Davon gibt es über 50 bekannte Arten, die meist in der oberen Bodenschicht leben. Die fädigen „Älchen“ sind zumeist mikroskopisch klein, weiß bis durchsichtig und bewegen sich schlängelnd fort.

Der Chinesische Fadenwurm fühlt sich an und in vielen Wurzeln wohl: In Europa befällt er gern ökonomisch wichtige Anbaukulturen wie zum Beispiel Rose, Gurke, Tomate, Aubergine, Bohne und Brokkoli. Außerhalb Europas schädigt der Parasit Pfeffer, Wassermelone, Kaffee, Sojabohne, Süßkartoffel, Tabak, Guave und sogar einige Zier- und Wildpflanzen. 

Reiseroute, Lieblingsorte und Transportmittel

Der Schädling aus China konnte sich Ende der 80er Jahre über Südamerika bis in die USA ausbreiten, wo er 2002 erstmals in Florida nachgewiesen wurde. 2008 trat er an Gemüse in Schweizer Gewächshäusern auf. Nach heutigem Wissen benötigt der Fadenwurm relativ hohe Temperaturen. Er könnte in ganz Europa den Anbau bedeutender Kulturpflanzen gefährden. Eine Expertengruppe aus verschiedenen Ländern beschreibt mögliche Einfuhrwege: Am wahrscheinlichsten ist die Einreise des Schädlings in Topfpflanzen mit Wurzeln oder in Erde, die an Pflanzen oder an Geräten haftet. Er kann aber auch durch Reisende verbreitet werden. Ab 2012 ist eine Einstufung als Quarantäneorganismus und somit eine Einfuhrkontrolle möglich.

Lebenslauf eines Wurzelparasiten

In Pflanzenresten und im Boden können die Eier von Wurzelgallennematoden längere Zeit überdauern. Sobald die Larven geschlüpft sind, suchen sie nach Wurzeln. Mithilfe ihres Mundstachels dringen sie in das Gewebe ein und beginnen, in ihren Speicheldrüsen ein komplexes Enzym-Gemisch herzustellen, das die Wurzel verändert: Einige Zellen vergrößern sich stark. Es sind runde Anschwellungen, so genannte Gallen, zu erkennen. In ihnen wachsen die Nematoden, die sich von dem Wurzelgewebe ernähren. Nach ein paar Wochen sprengen die Körper der adulten Weibchen die Wurzeln. Im Boden produzieren sie dann eine große Anzahl Eier. Der Nachwuchs durchläuft im Ei zwei Häutungszyklen, bevor er ausschlüpft und sich geeignete Wurzeln sucht. Je nach Temperatur sind drei bis sechs Generationen pro Jahr möglich.

Im Vergleich zu den anderen Wurzelgallennematoden produziert der Chinesische Fadenwurm mehr und größere Wurzelgallen, die höhere Ernteverluste zur Folge haben. Eine türkische Studie aus dem Jahr 2007 verglich den Chinesischen Fadenwurm mit vier etablierten Fadenwurmarten an Tomaten im Hinblick auf ihr pathogenes* und ihr Vermehrungspotenzial. Demnach verursachte die Chinesische Art einen Ernteverlust von 65 Prozent, andere Arten „nur“ von 42 bis 46 Prozent. 

Chinesischer Fadenwurm trickst Resistenzgene aus      

Resistenzgene machen Tomaten, Sojabohnen, Süßkartoffeln, Paprika, Tabak und Baumwolle widerstandsfähig gegen die drei weltweit bedeutendsten tropisch-subtropischen Fadenwürmer (Meloidogyne incognita, javanica und arenaria). Wenn die Larven der Nematoden in eine Wurzel eindringen, bilden sich die oben beschriebenen Riesenzellen. Resistente Pflanzen erkennen allerdings den Eindringling frühzeitig und lösen eine Abwehrreaktion der betroffenen Wurzelzellen aus: Sie sterben schnell ab, womit die Bildung der Riesenzellen und die Entwicklung der Nematodenweibchen samt Eiablage verhindert wird.

Topfversuche in der Schweiz zeigen jedoch, dass auch Nematoden-resistente Tomaten- und Paprikasorten den Chinesischen Fadenwurm nicht abwehren können. In zwei Schweizer Gewächshäusern kam es bei Tomatensorten, die das Resistenzgen enthielten, zu Ernteverlusten von bis zu 50 Prozent. Wie der Wurm es schafft, die Resistenz zu umgehen, ist noch nicht bekannt.   

Kontrolle und Bekämpfung des Schädlings

Pflanzenparasitäre Fadenwürmer sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Das erschwert die Kontrollen. Um die Einfuhr zu unterbinden, entwickeln europäische Experten Diagnoseverfahren auf Basis des genetischen Fingerabdrucks. Die Bekämpfung mit dem Wirkstoff Dazomet ist möglich, aber außer in der Schweiz in den meisten europäischen Ländern nicht oder nur in Notfallsituationen zugelassen. Das Aushungern durch eine Schwarzbrache ist unwirtschaftlich: Die befallene Fläche müsste über einen längeren Zeitraum völlig pflanzenfrei gehalten werden. Bei der Bodendämpfung werden die Schädlinge durch Hitze vernichtet. Dieses Verfahren ist jedoch teuer und wirkt nur in den oberen Bodenschichten. Auch verschiedene Methoden zur biologischen Bodenentseuchung werden getestet.

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