Fast unsichtbar: Nematoden im Gemüsegarten

22.06.2011 Haus & Garten

Möhren und Zwiebeln besonders betroffen, Bekämpfung nur indirekt möglich

Von der Tiefsee bis ins Hochgebirge: Nematoden fühlen sich fast überall auf der Erde wohl. Einige Arten bevorzugen auch unsere heimischen Gemüsegärten und verursachen hier erhebliche Schäden. Wie die kleinen Parasiten erkannt und ob sie bekämpft werden können, verrät Dr. Johannes Hallmann. Er ist Nematologe am Julius Kühn-Institut in Münster.  

Dr. Hallmann, was sind überhaupt Nematoden?

Nematoden, auch Fadenwürmer genannt, sind mikroskopisch kleineWürmer, die in feuchten Umgebungen, sogenannten Medien, leben. Sie sind extrem individuenreich und machen rund 80 Prozent aller auf der Erde lebenden mehrzelligen Tiere aus. Dementsprechend vielseitig ist ihre Lebensweise. Unter ihnen gibt es Pflanzen-, Tier- und Humanparasiten. Doch Nematoden können auch nützlich sein. Vertreter der Gattung Heterorhabditis oder Steinernema befallen unter anderem Dickmaulrüssel- und Gartenlaubkäferlarven. Diese Schaderreger können im Haus- und Kleingarten mit Hilfe spezialisierter Nematoden biologisch bekämpft werden. Bei anderen Nematoden stehen Bakterien und Pilze auf dem Speiseplan. Diese sind wichtig, um den Nährstoffkreislauf im Boden in Schwung zu halten. So unterschiedlich wie die Lebensweise, ist auch die Größe der Fadenwürmer: Die meisten Tiere sind kleiner als einen Millimeter, die größte Art kann aber bis zu acht Metern lang werden. Sie tritt als Parasit in Walen auf. 

Nematoden im Gemüsegarten – wie aktuell ist dieses Thema für den Hobbygärtner?

Nematoden sind auch in Gemüsegärten weit verbreitet und verursachen dort größere Schäden als landläufig vermutet. Sie saugen an Wurzelzellen, wandern in die Wurzel ein und schaffen so Eintrittspforten für Schadpilze wie Verticillium, Rhizoctonia und Fusarien . Nach meinen Erfahrungen sind je nach Befall Ertragsverluste von rund 20 Prozent an Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Tomaten durchaus möglich. Weil die Schadbilder aber oft unspezifisch ausfallen und die Nematoden mit bloßem Auge nicht erkennbar sind, ist es schwierig, befallene Pflanzen auf Anhieb sicher zu erkennen. Übrigens, vom Verzehr frischen Gemüses sollte man sich in keinem Falle abschrecken lassen. Sollte doch mal eine Nematode mitgegessen werden, ist dies völlig unbedenklich. 

Welche Symptome deuten denn auf Nematodenbefall hin?

Bei Möhren welkt das Laub oder es verfärbt sich gelblich. Die Wurzeln werden beinig und bilden zum Teil viele kleine Seitenwurzeln, teils werden auch Wurzelgallen gebildet. Nematodenbefall verursacht Kümmerwuchs und Keimlinge sterben frühzeitig ab. Bei Zwiebeln verbräunen die Triebspitzen, die Wurzelzahl ist deutlich reduziert. Bei Kartoffeln deuten Herde mit schwach wachsenden Pflanzen auf Fadenwürmer hin. An den Wurzeln befinden sich rundliche ein Millimeter große Zysten. Da viele Symptome auch Nährstoffmangel anzeigen könnten, liefert nur die mikroskopische Untersuchung der betroffenen Pflanzenwurzeln bei mindestens 100facher Vergrößerung eine klare Diagnose

Wer macht diese Untersuchungen?

Die Pflanzenschutzämter in den Bundesländern bieten entsprechende Boden- oder Pflanzenuntersuchungen gegen Gebühr an. Manche Ämter halten auch Sprechstunden ab. Hobbygärtner bringen ihre befallenen Pflanzen mit und können sich hier vom Pflanzendoktor beraten lassen. Wer zunächst aber einmal prüfen möchte, ob überhaupt Nematoden in Frage kommen, kann sich im Internet informieren. Zum Beispiel bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, die ein Merkblatt anbietet.

Wie können Nematoden bekämpft werden?

Es gibt keine direkte Bekämpfungsmöglichkeit. Chemische Mittel sind in Deutschland nicht zugelassen. Es ist aber wichtig, befallene Pflanzen aus dem Gemüsebeet zu entfernen und zu vernichten. Also keinesfalls kompostieren und nachher wieder als Dünger in die Gartenerde einbringen. 

Gibt es denn vorbeugenden Maßnahmen, um die Vermehrung der Parasiten zu stoppen?

Ich kann nur appellieren, eine vielseitige Fruchtfolge im Garten einzuhalten – mit jeweils mehreren Jahren Anbaupause zwischen den gleichen Kulturen. Ein intaktes Bodenleben mit regelmäßigem Komposteinsatz fördert auch die natürlichen Gegenspieler der Nematoden im Boden, wie nematodenfangende Pilze oder verschiedene Nematodenparasiten. Bei besonders starkem Befall ist eine mehrmonatige Schwarzbrache sinnvoll. Die parasitären Nematoden verhungern dann regelrecht, weil sie keine Wurzeln vorfinden. Hilfreich ist es auch, die Studentenblume (Tagetes patula) als Zwischenfrucht anzusäen. Sie lockt die Fadenwürmer an und tötet sie ab, sobald sie in die Wurzeln eindringen. Um die Kartoffelzystennematoden unschädlich zu machen, bieten die Kartoffelzüchter resistente Sorten an.  

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