Emscher – Grünes Licht für Weißwein aus dem Ruhrrevier

Es ist alles da, sowohl die Rebsorte, sonnige, kalkhaltige Südhänge als auch ein Fluss

Funkelnder Weißwein im Glas ausgerechnet an dieser Stelle, die im öffentlichen Bewusstsein aufs engste mit harter Maloche in der Schwerindustrie, belasteten Böden, Bier und Fußball verbunden ist? Noch steht die Emscher nicht in Konkurrenz zur Mosel, aber sie knüpft an mittelalterliche Zeiten an, in denen es einmal so gewesen ist.

Natürlich musste einer die Idee haben. Das war in diesem Fall Willi Garth vom Dortmund-Hörder Heimatverein. Warum sollte im Zeichen des Klimawandels heute nicht daran angeknüpft werden, dass just an dieser Stelle vor vielen Jahrhunderten bereits Weinanbau betrieben wurde? Damals hatte die mildtätige Antonius-Bruderschaft einen Weinberg angelegt. Im Zuge der Industrialisierung wurde an Ort und Stelle jahrzehntelang Stahl gekocht, und als das vorbei war, standen Strukturwandel und die Anlage des Phoenix-Sees auf dem Programm.

Weinanbau wie Phoenix aus der Asche

Helmut Herter, Projektleiter beim Bau des Phoenix-Sees, erkannte „die perfekte Lage für einen Weinberg an den Hängen des See-Ufers“ und erwärmte die Emschergenossenschaft für das Vorhaben „Emscher-Weinberg“. Deren Chef Jochen Stemplewski gab grünes Licht und organisierte wissenschaftlichen Beistand. Die Auskünfte konzentrierten sich auf die wahrscheinliche Zunahme der durchschnittlichen Temperaturen in den kommenden Jahren und auf die Prognose, dass sich der Weinanbau zunehmend in nördlichere Landstriche verlagern wird. Seit drei Jahren werden nun Pflanzenschutz , Düngung und Schnitt getestet, wird der Boden und seine Bearbeitung erprobt. Natürlich gerieten auch die stahlwerkstypischen Altlasten in den Blick. Immerhin werden die Flächen am Phoenix-See noch im Altlastenkataster geführt. Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft, betont: „Unseren Weinberg haben wir auf einer bodenchemisch unbelasteten Schicht gepflanzt.“

Eine sehr junge Weinbauregion ist am Start

Auf drei Flächen mit jeweils 50 Quadratmetern stehen jetzt Rebstöcke ausgerechnet der Weißwein-Sorte „Phoenix“. Das ist eine Neuzüchtung des Julius Kühn-Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof, eine Kreuzung der Sorten Bacchus und Villard Blanc. Sie ist hochresistent gegen Echten und Falschen Mehltau und wird in Hausgärten wegen ihrer Robustheit und des Geschmacks auch gern als Tafeltraube angebaut.

Steilhang, Südlage und ein naher Wasserkörper bieten beste Startbedingungen für die Neuwinzer in Dortmund. Mitte September war die Lese angesetzt, und fleißige Helfer füllten nicht gerade ihre Kiepen. Aber sie brachten immerhin so viel zusammen, dass die Trauben auf dem Weingut Mohr im pfälzischen Duttweiler gekeltert werden konnten. Im Dezember wurde die Hefe abgezogen, und inzwischen haben die Neu-Winzer den jungen Wein probert.

Erwartungsgemäß ist es ein frischer Weißwein mit feiner Frucht und einer milden, anregenden Säure. In den professionellen Vinotheken wird man freilich noch lange Ausschau nach einem Emscherwein mit der Dortmunder Lage Phoenix Ausschau halten müssen. Doch ein Anfang wurde immerhin gemacht, und an weiteren Anbauflächen fehlt es entlang der Emscher nicht, und erst recht nicht an der nahen Ruhr.

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