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Haus & Garten
14.01.2016

Tunnelbauer im Garten nicht willkommen - Teil 2

Durch Wühlmäuse abgefressene Möhren. Foto: Klaus Margraf

Die Wühlmaus

Wühlmäuse können in den Gärten große Schäden anrichten. Sie sind nur mit aufwändigen Maßnahmen und viel Geduld zurückzudrängen bzw. zu bekämpfen. Wer nachhaltige Erfolge erzielen will, muss sich mit der Lebensweise der Tiere eingehend beschäftigen, um die geeigneten Maßnahmen und Mittel einsetzen zu können.

Lebensweise

Von den Wühlmäusen gibt es mehrere Rassen bzw. Unterarten, die in Größe und Farbe variieren und schwer voneinander zu unterscheiden sind. Die etwa 18 bis 28 cm langen Mäuse mit bräunlichem, schwarzbraunem oder schwärzlichem dichten Fell haben einen leicht behaarten 8 bis 12 cm langen Schwanz und einen großen breiten Kopf mit stumpfer Schnauze. Die Ohren sind klein und meist vom Fell verdeckt. Die Tiere vermehren sich mit etwa drei bis vier Würfen jährlich von März bis Oktober. So kann ein Weibchen pro Jahr bis zu 40 Junge werfen. Die Jungtiere verlassen nach spätestens drei Wochen den Bau und legen neue Baue an. Sie sind nach zwei Monaten wieder fortpflanzungsfähig. Die Gänge liegen in der Regel nur fünf Zentimeter unter der Erdoberfläche und gehen seltener tiefer als 30 cm. Allerdings gibt es auch einzelne Abschnitte, die bis zu einem Meter tief gehen. Die Nester sind in einer Tiefe von 30 bis 60 cm zu finden. Die Gänge sind 5 cm breit und bis zu 8 cm hoch. In den Gängen sind alle Wurzeln weggefressen. Außer durch oberflächlich verlaufene Gänge wird man auf die Besiedlung einer Fläche mit Wühlmäusen durch kleine flache Erdhaufen aufmerksam, die seitlich aus den Gängen herausgeschoben werden. Zunächst ist es wichtig, die Gänge zu suchen und festzustellen, ob sie bewohnt sind. Wenn sie nicht so dicht an der Oberfläche verlaufen, dass man sie schon an der aufgebrochenen, leicht angehobenen Erde erkennen kann, wird mit einem spitzen Suchstab in kurzen Abständen in die Erde gestochen. Ist ein Gang gefunden, muss kontrolliert werden, ob er auch belaufen wird. Hierzu wird er auf einer Länge von etwa 20 bis 30 cm geöffnet. Da Wühlmäuse sehr empfindlich auf einfallendes Licht und Zugluft reagieren, werden sie den „verletzten“ Gang nach kurzer Zeit fest, oft sogar 10 bis 20 cm weit, verschließen. Bei Maulwürfen dauert es länger, bis sie den Gang nur locker zuschieben.

Gegenmaßnahmen

Zur direkten Bekämpfung eignen sich am besten die handelsüblichen Wühlmausfallen. Für das Aufstellen der Falle muss der belaufene Gang erneut geöffnet werden. Günstig ist es, die Gangwände im Bereich der Öffnung wieder etwas festzuklopfen. Die Falle wird nun, am besten beködert mit einem Stück Möhre, Sellerie oder Apfel, gespannt fast völlig in den Gang hineingeschoben. Die Gangöffnung wird dann lichtdicht z. B. mit umgedrehten Rasensoden, einem Brett oder einem Stück Dachpappe überdeckt und mit Erde verschlossen. Da die Tiere einen feinen Geruchssinn haben, ist es erforderlich, beim Öffnen der Gänge und Hantieren mit den Fallen Handschuhe anzuziehen. Dies ist auch aus hygienischen Gründen erforderlich, da Wühlmäuse die Nagetierpest (Tularämie) auf Menschen übertragen können. Es hat sich gezeigt, dass alte Fallen fängiger sind als fabrikneue, deshalb ist es ratsam, diese vor dem ersten Gebrauch mit Erde abzureiben. Die Fallen müssen nach spätestens einem Tag kontrolliert werden. Ist die Falle mit Erde zugewühlt, muss sie erneut ggf. an einer neuen Stelle des Ganges aufgestellt werden. Ist der Gang unter der Falle neu gegraben, wird er von einem Maulwurf bewohnt. Da dieser unter Naturschutz steht, sind dann hier die Fangaktivitäten einzustellen.

Eine weitere mechanische Maßnahme zur Abwehr von Wühlmäusen ist das Setzen der gefährdeten Pflanzen in Drahtkörbe. Der selbst herzustellende Korb sollte aus einem verzinkten Drahtgeflecht mit einer Maschenweite von 10 bis maximal 16 mm bestehen. Die Körbe müssen so groß sein, dass die Wurzelballen ausreichend Platz haben, aber völlig vom Draht umschlossen sind. Bei Obstbäumen wird das Drahtgeflecht noch einige Zentimeter aus dem Boden ragend dicht am Stamm angelegt.

Eine Möglichkeit zur dauerhaften Abwehr ist das Aufstellen sogenannter Migrationsbarrieren um gefährdete Bereiche. Hierzu wird ein ähnlicher Knotengeflechtzaun wie zum Herstellen der Drahtkörbe verwendet. Der Zaun wird mindestens 20 cm, besser 50 cm tief in den Boden gesetzt, und von den aus dem Boden herausreichenden 30 cm werden 10 cm nach außen rechtwinkelig umgebogen, damit die Wühlmäuse die Barriere nicht überklettern können. Der Zaun kann an kurzen Holzpfosten befestigt werden. Günstig ist es, außerhalb des Zaunes einen etwa einen Meter breiten Streifen von hohem Pflanzenwuchs zu befreien, damit die Tiere keine Deckung vor natürlichen Feinden, wie Mauswiesel, Iltis, Steinmarder, Füchse oder Greifvögel haben.

Zur chemischen Bekämpfung sind Köderpräparate verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Wirkstoffen im Handel. Das Anwenden von Köderpräparaten ist eher in den Wintermonaten sinnvoll, wenn das natürliche frische Nahrungsangebot geringer ist. In der Vegetationszeit werden die Köderpräparate kaum angenommen. Gaserzeugende Präparate verschiedener Hersteller werden zur Vergrämung oder Bekämpfung der Tiere eingesetzt. Die Köder- oder Gasmittel werden in den Gang gegeben, der dann wie beim Fallenfang wieder zu verschließen ist. Die chemischen Maßnahmen und der Fallenfang führen längerfristig nur dann zum Erfolg, wenn sie in einer Gemeinschaftsaktion mit den Nachbarn durchgeführt werden, da die Gangsysteme oft grundstücksübergreifend sind. Außerdem ist nach einiger Zeit mit der Zuwanderung von Jungmäusen aus „wühlmausfreundlichen“ Biotopen, wie Wiesen, Waldränder oder Brachflächen zu rechnen, die sich neue Reviere erschließen.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass sich Untersuchungen der damaligen Biologischen Bundesanstalt (jetzt JKI) zufolge die Wühlmäuse durch Schallwellen- oder Vibrationsgeräte nicht aus den Gängen vertreiben ließen und dass diese auch keinen Einfluss auf Neuansiedlungen hatten. Auch diverse Hausmittel, wie das Setzen vertreibender Pflanzen, Einbringen von Tierhaaren, Buttermilch, altem Fisch, Thujazweigen, Flaschen ohne Boden und vieles andere mehr sind nicht geeignet und meist wirkungslos, um die Tiere zu vertreiben.

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