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Haus & Garten
07.07.2011

Bier gegen Schnecken und andere Gartenirrtümer

Hans Willi Konrad ist beim DLR in Bad Kreuznach zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Klein- und Hobbygärten und als Pflanzendoktor auch im Fernsehen und Hörfunk unterwegs. Foto: Hans Willi Konrad

Für naturnahes Gärtnern gilt: Weniger ist oft mehr

 "Bäume darf man nur im Herbst schneiden" oder "Maulwürfe lassen sich mit Ultraschall bekämpfen" –  das sind klassische Gartenirrtümer. Davon gibt es sehr viele. Pflanzendoktor Hans Willi Konrad kennt sie alle. Der Gartenbauexperte erklärt, wie man es richtig macht. 

Herr Konrad, warum ist es so schwer, mit Gartenirrtümern aufzuräumen?

Gartenerfahrungen werden häufig von Generation zu Generation weitervererbt. In diesem Wissensschatz verbirgt sich Wertvolles, aber eben auch Unsinniges oder Überholtes. Wer beispielsweise glaubt, Schnecken lassen sich mit Bierfallen bekämpfen, ist dem ersten Gartenirrtum bereits aufgesessen. Bier lockt Schnecken zwar an, aber leider nicht nur die eigenen, sondern auch die aus Nachbars Garten. Und wer will das schon? 

Besser ist es, Schnecken regelmäßig abzusammeln und eine Neuzuwanderung mit Schneckenzäunen zu erschweren. Am sichersten wirkt Schneckenkorn. Weniger ist dabei besser als mehr. Zwei bis drei Körner auf einer Fläche, die der Größe eines DIN A 4-Blattes entspricht, reichen aus. Mit einer regelmäßigen Bodenlockerung zerstört man Hohlräume, die als Tagesverstecke oder zur Eiablage genutzt werden. Barrierestreifen aus Holzasche, Gesteins- oder Sägemehl helfen nur begrenzt, meist nur bis zum nächsten Regen und für die widerstandsfähige Spanische Wegschnecke stellen sie ohnehin kaum ein Hindernis dar. Wichtig ist es dagegen, die Beete nicht zu häufig, dafür aber punktgenau zu bewässern. Die beste Zeit dafür ist der Morgen oder der Nachmittag. So bleibt der Boden nachts trocken. Das hat auch noch andere Vorteile. 

Welche Vorteile sind das?

Das Wasser muss an die Wurzeln. Ein einfacher Trick hilft. Man gräbt einfache Plastikbecher oder kleine Tontöpfe ohne Boden neben den Pflanzen ein wenig ein und führt an diesen Stellen das Wasser zu. Die Pflanzen danken es mit einem kräftigeren Wurzelwachstum, weil sie sich das Wasser aus der Tiefe holen müssen. Günstig ist es auch, den Boden häufiger, aber nur oberflächlich, etwa fünf Zentimeter tief, zu häckeln. Eine alte Gärtnerregel sagt: Dreimal Hacken erspart einmal Gießen. 

Maulwurf und Wühlmaus sind wenig gern gesehene Besucher im Garten. Wie kann man sie abzuwehren?

Der Maulwurf steht unter Naturschutz und darf nicht getötet werden. Maulwürfe nützen auch mehr als sie schaden und treten niemals in Massen auf. Sie vertilgen Gartenschädlinge wie Engerlinge oder sogar junge Wühlmäuse. An Salat oder Zierpflanzen vergreifen sie sich nicht. Wer kann, sollte sich einfach mit den Maulwurfshügeln anfreunden. Teure Ultraschallgeräte im Garten zu installieren, bringt nichts. Maulwürfe lassen sich allenfalls mit Gestank vergrämen. Holunderjauche eignet sich dazu, wenn sie ganzjährig eingesetzt wird. Aber Vorsicht: Holunderjauche stinkt. Das könnte zu Problemen mit den Gartennachbarn führen.   

Wühlmäuse dagegen können im Garten zur echten Plage werden. Eine Bekämpfung ist möglich mittels Wühlmausködern, Wühlmausgas oder Wühlmausfallen. Eine erneute Zuwanderung lässt sich eindämmen, indem man an der Gartengrenze im Boden eine feinmaschige Absperrung bis in eine Tiefe von 50 Zentimetern aufbaut. 

Stimmt es, dass man den Garten nur mit mineralischem Dünger überdüngen kann?

In deutschen Gärten wird grundsätzlich viel zu viel gedüngt. Das gilt für organische und mineralische Dünger gleichermaßen. Nur Bodenproben geben Auskunft über den tatsächlichen Nährstoffbedarf. Sie sind nicht teuer, und viele amtliche und private Labore bieten diesen Service an. Wenig Sinn hat es, Kompost oder Mist im Spätherbst auszubringen, denn dann können bis zu 50 Prozent der Nährstoffe ungenutzt verloren gehen. Besser ist es, unmittelbar nach der Aussaat oder Anpflanzung bedarfsgerecht zu düngen. 

Gibt es weitere Gartenirrtümer, denen sie immer wieder begegnen?

Unzählige! So muss beispielsweise kein Garten im Herbst umgegraben werden. Ausnahme: Gärten mit richtig schwerem Boden. Kalter Winter bringt Ungeziefer um! Wir wissen es nun schon – ein Gartenirrtum. Die Natur hat das einfach nicht vorgesehen. Lavendel vertreibt Läuse auf Rosen! Das sieht zwar hübsch aus, hilft aber nicht. Torf hat Nährstoffe! Nein, hat er nicht. Torf ist im Garten überflüssig, besser sind spezielle Garten- und Blumenerden. Gehölze dürfen nur im Herbst und Winter geschnitten werden! Auch ein Irrtum. 

Gärtnern nach dem Mond – funktioniert das?

Ich kann mir zwar vorstellen, dass es Zusammenhänge gibt zwischen Mondphasen und bestimmten Phänomenen auf der Erde. Wie stark dieser Einfluss im Garten ist, überlasse ich anderen, das ist auch Glaubenssache. Eine ordnungsgemäße Gartenbewirtschaftung kann das Mondgärtnern aber nicht ersetzen.

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