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Haus & Garten
21.10.2022

Keine Angst vor Laubfall an Immergrünen

Physiologisch bedingter, harmloser Nadelfall im Oktober an den zweijährigen Nadeln einer Mädchenkiefer Pinus parviflora 'Glauca'. Foto: Heinrich Beltz

Auch immergrüne Gehölze verlieren Laub im Herbst

Wenn ältere Nadeln oder Blätter im Herbst an Kiefern, Rhododendren oder anderen immergrünen Gehölzen gelb werden und abfallen, ist das ein völlig normaler Vorgang und kein Grund zur Sorge.

Im Herbst färben sich die Blätter von Ahorn, Linde und anderen Laubgehölzen bräunlich, gelblich oder rötlich und fallen ab. Diese Herbstfärbung ist eine Vorbereitung der Pflanzen auf den Winter und ein Zeichen ihrer Abhärtung. Immergrüne Gehölze, also die meisten Koniferen und auch viele Laubgehölze, behalten ihre Blätter und Nadeln auch im Herbst und Winter. Irgendwann werden aber auch diese Nadeln und Blätter so alt, dass sie von den Pflanzen abgestoßen werden. Das kann nach eineinhalb, zwei oder drei Jahren der Fall sein und hängt einerseits von der Pflanzenart, andererseits aber auch von ihrer Ernährung, ihrem Standort und der Witterung ab.

Der Laubfall kann relativ gleichmäßig übers Jahr erfolgen, sodass er kaum bemerkt wird, kann aber auch relativ schlagartig passieren, oft im September/Oktober. Dann werden die älteren Nadeln oder Blätter der Pflanzen braun oder gelb, und in vielen Fällen befürchten Gartenbesitzer, dass Schädlinge oder Pilzkrankheiten die Ursache des plötzlichen Laubfalls sind. Besonders der Erreger der Kiefernschütte gerät hier oft in Verdacht.

Ursachen

Wenn Nadeln oder Blätter alt werden, verlagert die Pflanze ihre wertvollsten Inhaltsstoffe (Assimilate, Nährstoffe) in die Rinde, bildet ein Trenngewebe am Blattstiel aus und lässt das Laub abfallen. Der grüne Farbstoff Chlorophyll, der für die Assimilation, also die Energieversorgung, zuständig ist, wird abgebaut, und ohne die grüne Farbe werden rote oder gelbe Farbstoffe (Anthocyane, Xanthophylle) im Blatt sichtbar. Später stirbt das Gewebe ab und wird trocken und braun. Dieser natürliche Vorgang ist der physiologisch bedingte Laubfall.

Wenn Blätter durch Schaderreger (Pilze, Bakterien, Insekten etc.) befallen werden, reagieren die Pflanzen manchmal ähnlich, allerdings entziehen die Schaderreger Chlorophyll und Reservestoffe, sodass die Pflanze geschwächt wird. Das ist der parasitär bedingte Laubfall. Die Erscheinungsbilder von physiologisch und parasitär bedingtem Laubfall ähneln sich manchmal stark und können miteinander verwechselt werden.

Unterschiede

Wie unterscheidet man den harmlosen, physiologisch bedingten Laubfall von dem, der parasitäre Ursachen hat? Eine einfache Faustregel ist, dass Laubfall im September/Oktober meist physiologisch bedingt und harmlos ist, selbst wenn kleine Pilzfruchtkörper (oft schwarze Punkte) erkennbar werden. Solche saprophytisch lebenden Pilze ernähren sich von totem oder absterbendem Gewebe und fügen der Pflanze keinen Schaden zu.

Parasitäre Ursachen wie der Erreger der Kiefernschütte haben ähnliche Symptome, die sich aber schon im späten Frühjahr oder Sommer zeigen. Die Blätter und Nadeln aus dem vorigen Jahr sterben also ab, bevor die neuen voll entwickelt sind. Dadurch verliert die Pflanze schon vor der lichtarmen Zeit im Herbst viel Chlorophyll und kann erheblich leiden. Gegen die pilzlichen Erreger der Kiefernschütte Lophodermium seditiosum sind junge Exemplare der heimischen Waldkiefer Pinus sylvestris besonders empfindlich; gefördert wird die Infektion durch hohe Luftfeuchte in einem verregneten Sommer. Aber auch an Zedern und anderen Nadelgehölze können unter ähnlichen Schütte-Erregern leiden. Für parasitären Nadelfall an Fichten ist häufig die Sitkalaus Elatobium abietinum verantwortlich.

Gegenmaßnahmen

Grundsätzlich ist bei pilzlichem Befall das Abfegen der abgefallenen Blätter oder Nadeln vom Boden die wichtigste Gegenmaßnahme. Dadurch wird der Infektionsdruck deutlich gesenkt. Außerdem sollte dafür gesorgt werden, dass die Pflanzen an einem optimalen, nicht zu feuchten Standort stehen und ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Dabei spielen vor allem Dünger mit Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem gut aufeinander abgestimmten Verhältnis eine wichtige Rolle. Bittersalz, Kalimagnesia oder Kalk sollten nicht gestreut werden, ohne dass vorher ein Bedarf an den darin enthaltenen Nährstoffen festgestellt wurde. Durch Nährstoffantagonismus kann es sogar zu Pflanzenschäden kommen.

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