Gallen und Hexenbesen an Ziergehölzen

07.04.2011 Haus & Garten

Was tun bei seltsamen Erscheinungen an Ziergehölzen?

Eigenartige Auswüchse an Zweigen oder rundlich verdickte Knospen an Gehölzen verdienen Aufmerksamkeit. Mal ist die Wüchsigkeit beeinträchtigt, mal wachsen Zweige nur noch verkrümmt oder verkrüppelt weiter. Die Beschreibung einiger Erscheinungen, ihrer Ursachen und gärtnerischer Gegenmaßnahmen gibt Hilfe zur Selbsthilfe.

Birken mit Hexenbesen

Besonders im Herbst nach dem Laubfall werden sie in den Bäumen sichtbar: eigenartige Gebilde, die an große Vogelnester erinnern. Es sind buschähnlich verzweigte Hexenbesen , hervorgerufen von den in der Rinde und in den Knospen lebenden Pilzen der Gattung Taphrina. Sie regen die Bäume zum Austreiben zahlreicher schlafender Knospen an, die dann dichtästige, meist rundliche Büsche bilden. Für die Art Taphrina betulina ist eine zwiebelförmige Verdickung an der Basis der Hexenbesentriebe typisch. Auch die Triebspitzen seitwärts gewachsener Zweige sind nach oben gerichtet.

Auf den Unterseiten der Hexenbesenblätter wachsen im Frühsommer die Sporenlager des pilzlichen Erregers. Von hier aus kann sich die Krankheit ausbreiten. Der Pilz überwintert mit seinem Myzel in der Rinde und in den Knospen. Hohe Luftfeuchte oder feuchtes Mikroklima begünstigen den Befall. 

Gegenmaßnahmen:
Die Krankheit beeinträchtigt die Vitalität der Bäume kaum. Trotzdem sollte man die Hexenbesen beim Baumschnitt mit den Tragästen entfernen und vernichten. 

Hexenbesen an der Heckenkirsche

Die Blattlaus (Hyadaphis tataricae) saugt vorzugsweise an der Heckenkirsche (Lonicera tatarica). Ihr Schadbild: An den Triebspitzen entstehen auffällige 15 bis 20 Zentimeter lange, dicht beblätterte, buschig herabhängende, hexenbesenartige Gebilde. Sie werden aus den für das Folgejahr angelegten Knospen gebildet. Sie bestehen mal aus wenigen Trieben in annähernd normaler Stärke, mal aus zahllosen fadendünnen deformierten Trieben. Fast alle Blätter sind abnorm klein, längs gefaltet und oft gelblich und rötlich verfärbt. Gelegentlich kann auch eine gelblich verfärbte Verdickung der Blattnerven festgestellt werden. Häufig vertrocknen die Blätter an den Hexenbesen vorzeitig, verbleiben aber über Winter an den Gehölzen. Diese Gallenbildung beeinträchtigt den Schmuckwert der Sträucher. In der fortgeschrittenen Vegetationsperiode kann man die Läuse auch an normalen, unvergallten, vollreifen Blättern finden. Ihre olivgrünen Eier legen sie an Nodien * und Knospen ab, wo sie überwintern. 

Gegenmaßnahmen:
Ab Frühjahr befallene Gehölze mit Pflanzenschutzmitteln behandeln, die gegen saugende Insekten an Zierpflanzen im Freiland zugelassen sind. Wiederholt sich der Befall, ist zu überlegen, ob man sich von den Sträuchern trennen kann. 

Wirrzöpfe an Weidenzweigen

An den Triebspitzen, Seitensprossen oder Blütenkätzchen verschiedener Weidenarten (Salix) treten im Frühjahr bis faustdicke, teils traubenförmige, lockere Gebilde auf, die aus vielen kleinen verunstalteten Blättern und verkürzten besenwuchsartigen Trieben bestehen. Nach dem Blattfall sind diese, dann dunkelbraun verfärbten Wirrzöpfe, auch Klunkern oder Donnerbesen genannt, besonders auffällig. An diesen Missbildungen wurde eine große Anzahl von Gallmilbenarten als sekundäre Bewohner gefunden. Erreger der Deformationen scheint vorwiegend die Gallmilbenart Eriophyes (Phyllocoptes) triradiatus zu sein. 

Gegenmaßnahmen:
Mit Wirrzöpfen besetzte Pflanzenteile entfernen und vernichten. 

Zweiggallen an Forsythie

An den Zweigen treten stark zerklüftete, verholzte, mehrere Zentimeter große Wucherungen auf. Oft sehen sie aus wie ein Knäuel von Wurzelansätzen. Ist der Befall stark, fallen Laubaustrieb und Blütenbildung bescheiden aus. Teilweise sterben die Zweige sogar oberhalb der Befallsstellen ab. Gehölze an sehr schattigen Standorten und solche, die mangels Schnitt sehr dicht sind, zeigen verstärkt Zweiggallen. Erhöhte Infektionsgefahr besteht auch an Standorten mit hoher Luftfeuchte und bei bodennahen Trieben. Verursacher sind der Erreger Corynebacterium fascians und nach Angaben aus den USA auch Agrobacterium tumefaciens

Gegenmaßnahmen:
Mit Gallen besetzte Zweige abschneiden und vernichten. Ein Auslichtungsschnitt sorgt bei Bedarf für bessere Durchlüftung der Sträucher. 

Schlafäpfel an Rosen

Die Gallen der Rosengallwespe(Rhodites [Diplolepis]rosae) sind vereinzelt an den Trieben von Wildrosenarten zu finden. Die moosartigen Auswüchse sind grünlich, gelblich oder rötlich, meist rund und kompakt und bis zu fünf Zentimeter groß. Sie werden auch "Rosenapfel", "Rosenschwämme" oder "Schlafapfel" genannt. Letzteres, weil den Gallen in früheren Zeiten eine schlaffördernde Wirkung zugesprochen wurde. Ende April, Anfang Mai legt die etwa vier Millimeter große Gallwespe ihre Eier in junge Triebe. An diesen Stellen bildet die Pflanze zahlreiche Haare. Die Larven werden vier bis fünf Millimeter groß. Sie dringen tief in das Pflanzengewebe ein. Es entwickelt sich zur Galle mit mehreren Kammern. Dabei nimmt die äußerliche Haarbildung zu. Im Laufe des Jahres verholzt die Galle und wird braun. Die Larven überwintern in den Kammern der Gallen. Dort verpuppen sie sich im Frühjahr. Der Triebteil oberhalb einer Galle kann vertrocknen und absterben. Schlafäpfel sind auch an Blättern und Früchten zu finden. Ihre Schadwirkung ist meist unbedeutend. Sie stellen lediglich Schönheitsfehler dar. 

Gegenmaßnahmen:
Mechanische Bekämpfung durch Abschneiden.

Weitere Beiträge: