Frostschäden – nicht immer zu erkennen
Frostschäden an Laub und Trieben wie bei diesem Johannisstrauch (Hypericum) zeigen sich meist recht schnell.
Frostschäden – nicht immer zu erkennen
Wurzel- und Rindenschäden können leicht mit anderen Ursachen verwechselt werden
Wenn Blätter und Triebe durch Frost geschädigt werden, ist das meist einfach zu erkennen: Sie werden schon kurz nach der Frosteinwirkung braun und sterben ab. Wenn aber die Wurzeln oder die Rinde Frostschäden erleiden, kann es lange dauern, bis die Schäden sichtbar werden.
Viele Arten beliebter Gartenpflanzen können im Winter unter Froschäden leiden. Dabei sind nicht nur die Tiefsttemperaturen von Bedeutung, sondern auch der Zustand der Pflanzen, die Luftfeuchte, die Sonneneinstrahlung und andere Faktoren. Angaben zur Frosthärte bis zu einer gewissen Temperatur sind daher nie exakt, sondern nur als grobe Faustzahl anzusehen. Besonders bei Pflanzen, die noch nicht genügend abgehärtet sind oder sich schon in Frühjahrsaktivität befinden, ist die Frosthärte deutlich geringer als bei Pflanzen, die sich nach langsamer Abhärtung in tiefer Winterruhe befinden.
Wurzelschäden
Relativ schnell zeigen sich Frostschäden an Blättern, Knospen und jungen Zweigen. Schon wenige Tage oder Wochen nach der Frosteinwirkung werden sie braun, trocken und sterben ab. Schwieriger ist dagegen zu erkennen, wenn die Wurzeln erfroren sind. Oft sterben die Pflanzen dann erst im Mai/Juni ab, also mehrere Monate nach dem Frostereignis, und vertrocknen langsam, weil ihre toten Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen können. Dabei ist tückisch, dass auch manche Pflanzen, deren Triebe recht frosthart sind, sehr empfindlich gegenüber Frost an den Wurzeln sind und schon bei Temperaturen zwischen minus 5 und minus 15 Grad Celsius erfrieren können. Beispielsweise Buchsbaum, Stechpalmen und Obstbäume haben sehr frostempfindliche Wurzeln. Da der gefrorene Boden selten Temperaturen unter minus 5 Grad Celsius erreicht, überstehen die Wurzeln ausgepflanzter Gehölze den Winter meist ohne Schaden.
Aber in Töpfen und Kübeln fallen die Temperaturen deutlich tiefer und nähern sich langsam den Temperaturen der Außenluft an. Bei Nachttemperaturen von minus 10 bis minus 15 Grad Celsius ist die Gefahr für Wurzeln in Töpfen daher relativ groß. Je größer der Topf oder Kübel ist, desto langsamer dringt die Kälte in ein und desto sicherer sind die Wurzeln.
Kübel schützen
Pflanzen in Töpfen oder Kübeln sollten, wenn möglich, im Herbst in den Boden eingesenkt werden, denn dort sind ihre Wurzeln recht sicher. Wenn das nicht möglich ist, sollten Pflanzen in Töpfen im Herbst oder zu Winterbeginn an einer möglichst windgeschützten Stelle auf den Boden oder eine gepflasterte Fläche gestellt werden und ihre Außenwände mit isolierendem Material (Noppenfolie, Jutegewebe, Reisig etc.) bedeckt werden. Je dicker die Schicht ist, desto besser schützt sie die Pflanzenwurzeln. Außerdem sollte kontrolliert werden, ob die Erde im Kübel trocken ist und bei Bedarf in frostfreien Perioden gegossen werden, da vor allem bei immergrünen Laubgehölzen neben Frost- auch Trockenschäden drohen.
Verwechslungsmöglichkeiten
Wenn Pflanzen im Mai/Juni absterben, kann das also besonders bei Pflanzen in Töpfen und Kübeln eine Folge von Frostschäden an den Wurzeln sein. Die gleichen Symptome zeigen allerdings auch Pflanzen, deren Wurzeln nicht vom Frost, sondern durch Befall von Schädlingen oder Krankheiten befallen wurden. So schädigen Maikäfer-Engerlinge häufig Eiben, Buchen und andere Pflanzen, die im Boden ausgepflanzt sind. Eher an Pflanzen in Töpfen gehen die Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers Otiorhynchus sulcatus. Und auch die Phytophthora-Wurzelfäule kann ähnliche Symptome verursachen, vor allem an Scheinzypressen, Eiben, Lavendelheide und Rhododendron. Thuja dagegen zeigen nicht selten Absterbe-Erscheinungen, wenn sie im vorangegangenen Sommer unter starker Trockenheit gelitten hatten. Im Zweifelfall kann es daher sinnvoll sein, abgestorbene Pflanzen auf genauere Symptome der Wurzelschäden zu untersuchen, um deren Ursache zu klären.
Rindenschäden
Ein weiteres Problem, das durch Fröste verursacht wird, sind Absterbe-Erscheinungen an der Rinde. Sie bildet Risse oder löst sich an Stellen, die besonders stark von der Sonne beschienen wurden, also vor allem auf der Süd- und Westseite, plattenartig ab. Die gleichen Symptome kann allerdings auch Sonneneinstrahlung im Sommer verursachen. Die beste Gegenmaßnahme ist in beiden Fällen der Schutz der Stämme vor Erwärmung durch einen weißen Anstrich, das Anbringen von Schilfmatten und Ähnlichem. Gegen Stammschäden durch Winterfröste sind beispielsweise Obstbäume sehr empfindlich, gegen Einstrahlung im Sommer Ahorn und Linde.