Foto: Heinrich Beltz
29.01.2026

Bonsai-Kiefern richtig pflegen

Nadelverlust und Verkahlen verhindern

Nicht selten leiden Bonsai-Kiefern unter Nadelverbräunungen, vor allem an den unteren Astpartien, die manchmal sogar absterben.

In den vergangenen Jahren sind Bonsai-ähnliche Kiefern in Mode gekommen und stehen in vielen Gärten. Genau genommen ist die Bezeichnung "Bonsai" für ausgepflanzte Exemplare zwar falsch, da der japanische Begriff auf Deutsch so viel wie "Baum in Schale" bedeutet und nur verhältnismäßig kleine, nach strengen Vorbildern geschnittene Pflanzen in Töpfen oder Schalen als Bonsai so genannt werden. Größere, malerisch geformte, in den Boden ausgepflanzte Gehölze im Garten werden in Japan nicht als Bonsai, sondern als Niwaki bezeichnet. Da sich aber in Deutschland die Begriffe "Groß-Bonsai", "Garten-Bonsai" oder für Kiefern der Begriff "Bonsai-Kiefern" wegen der ähnlichen Form eingebürgert haben, bleiben wir dabei.

Die Anzucht von Bonsai-Kiefern (meist aus Waldkiefern Pinus sylvestris, Drehkiefern Pinus contorta oder Bergkiefern Pinus mugo) in Baumschulen ist extrem arbeitsintensiv, denn allein die zu so genannten "Tellern" geformten Zweigpartien brauchen für ihre Entwicklung mindestens drei bis fünf Jahre, in denen sie von Hand geschnitten werden müssen. Daher kosten Bonsai-Kiefern, wenn sie verkauft werden, je nach Größe und Alter einige hundert oder sogar einige tausend Euro. Umso schlimmer ist es, wenn sie nach mehreren Jahren unansehnlich werden, vor allem, weil sie im unteren Pflanzenbereich Nadeln verlieren und vielleicht sogar ganze Astpartien verkahlen. Die absterbenden, verbräunenden Nadeln werden zwar von Pilzen befallen, die sind aber nicht die Ursache des Absterbens, sondern erst die geschwächten Nadeln werden sekundär befallen. Da dieser Befall über einen langen Zeitraum stattfindet, ist der Einsatz von Fungiziden normalerweise wirkungslos und nicht zu empfehlen.

Dieses Nadelsterben und Verkahlen hat mehrere Gründe, denen folgendermaßen vorgebeugt werden kann:

Standort

Am wichtigsten ist, dass Bonsai-Kiefern an einem vollsonnigen Standort stehen. Je mehr Schatten sie bekommen, desto eher neigen sie zum Nadelsterben. Unterpflanzungen mit niedrigen Stauden vertragen sie recht gut, allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die Flächen für die Schnittmaßnahmen regelmäßig betreten werden müssen. Außerdem brauchen die Pflanzen ausreichend Wasser und Nährstoffe. Allerdings sind Bonsai-Kiefern in dieser Hinsicht nicht übermäßig anspruchsvoll und leiden nur an extremen Standorten unter Nährstoff- oder Wassermangel.

Schnitt

Kiefern können nur in einem engen Zeitraum von Ende Mai bis Anfang Juli geschnitten werden, da sie sonst an den Schnittstellen keine neuen Knospen bilden. In dieser Zeit werden also die neu gebildeten, weichen Triebe, die als "Kerzen" bezeichnet werden, je nach Bedarf auf ein Drittel ihrer Länge oder wenige Millimeter Kürze geschnitten. Am besten werden sie gebrochen oder mit einer Handschere einzeln eingekürzt, da mit einer Heckenschere die neuen Nadeln beschädigt würden und die Schnittstellen später verbräunen.

Die Nadeln der Kiefern sind zwar immergrün, fallen aber nach zwei bis drei Jahren ab. Sehr wichtig ist und zu wenig beachtet wird, dass diese abgestorbenen Nadeln, die meist hängen bleiben und sich an der Basis der Triebe sammeln, regelmäßig entfernt werden, da sich sonst Nester für Pilzinfektionen bilden. Der beste Zeitpunkt dafür ist September. In Japan werden bei solchen Kiefern schon die noch grünen, etwas über ein Jahr alten Nadeln abgezupft.

Kopflast vermeiden

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass bei Kiefern wie bei vielen anderen Gehölzen die oberen Zweigpartien stärker wachsen als die unteren und durch Hormonausschüttungen dazu neigen, diese zu schwächen. Die oberen "Teller" der Zweigpartien dürfen daher und wegen der möglichen Beschattung der unteren Triebe nicht größer werden als die unteren, sondern müssen in ihrem Wachstum auch seitlich begrenzt werden. Wenn gewünscht ist, dass die "Teller" breiter werden, muss erwogen werden, einzelne von ihnen samt den Ästen zu entfernen, um Licht zu schaffen. Das ist aber oft nicht ganz einfach, ohne den harmonischen Habitus der Pflanzen zu stören.

Im Winter sollten die "Teller" von größeren Schneelasten frei gefegt werden, die die Zweigpartien auseinander drücken und dadurch für Lücken sorgen können. Außerdem kann die Balance der Triebe durch die Schneelast dauerhaft gestört werden, da Triebe, die durch das Gewicht nach unten gebogen werden, sich nach dem Schmelzen des Schnees nicht wieder ganz in ihre Ausgangsposition zurückbewegen.