Smart geschützt

02.06.2020 Forschung & Technik

Von EU gefördertes Kooperationsprojekt macht Gemüse-Produzenten über Wissensplattform innovative Verfahren zugänglich

Pflanzenschutz ist heute weit mehr als das großflächige Spritzen von Chemikalien. Seit vielen Jahren hat sich dahinter ein innovatives Forschungsfeld eröffnet, in dem Verfahren zur punktgenauen Ausbringung von Produkten, zur Nutzung von Antagonisten, zum perfekten Timing von Behandlungen und anderes mehr untersucht werden.

Auch das ist Pflanzenschutz heute: Drohnen werfen Gegenspieler von Schadinsekten auf betroffene Flächen ab. Spezialkameras erkennen Schädlingsbefall anhand von Farbspektren in Fotos. Fallensysteme identifizieren gefangene Insekten und melden online ihre „Beute“. Prognose-Modelle sagen mittels Wetterdaten die Wahrscheinlichkeit von Pilzinfektionen voraus. Alle diese Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes dienen dem Ziel, den Einsatz chemischer Mittel unter anderem durch technische oder biologische Verfahren auf ein Minimum zu reduzieren und damit noch umweltfreundlicher zu wirtschaften.

Schnellerer Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis

Doch von der Entwicklung bis zur flächendeckenden Anwendung ist es ein weiter Weg. Das EU-Projekt SMARTPROTECT, an dem unter belgischer Leitung 16 europäische Partner, darunter das Julius Kühn-Institut (JKI), beteiligt sind, will diesen Weg verkürzen. Ziel des Projekts ist, den Wissensfluss zwischen Forschung, Behörden, Beratung und Produzenten zu beschleunigen und alle Beteiligten EU-weit besser zu vernetzen. Über eine Datenbank im Internet sollen neue Methoden für den integrierten Pflanzenschutz in der Gemüseproduktion gesammelt und besser nutzbar gemacht werden.

JKI bewertet praxistaugliche Verfahren

Um das Wissen schnell in die Praxis zu bekommen, muss es gut zu finden, verständlich aufbereitet und leicht recherchierbar sein, ist Dr. Elias Böckmann vom JKI in Braunschweig überzeugt. Seine Arbeitsgruppe ist für die Bewertung innovativer Techniken zuständig: "Wir tragen alle verfügbaren Informationen zusammen und bewerten auf dieser Grundlage Kosten, Probleme und Mehrwert neuer Systeme". Berücksichtigt werden Verfahren, die bereits verfügbar oder zumindest kurz vor der Markteinführung sind. Damit wird sichergestellt, dass die Datenbank für Betriebsleiter und Berater in den Pflanzenschutzdiensten eine echte Hilfe bei der praktischen Arbeit ist. "Wir wollen zum Beispiel zeigen, welche Anwendungen gegen Schadinsekten in Gewächshäusern am besten geeignet sind, aufgeschlüsselt nach Betriebsform und -größe", erklärt Böckmann.

Projektzeitraum drei Jahre

Auf Feldtagen und anderen Informationsveranstaltungen sollen die Verfahren mittels Webportal den Gemüse-Produzenten bekannt gemacht werden. Nach Ablauf der auf drei Jahre angelegten Forschungsperiode soll es dauerhaft verfügbar bleiben.

Das Projekt SMARTPROTECT ist Ende Januar 2020 gestartet und läuft bis Dezember 2022. Im Rahmen des EU-Forschungsförderprogramms Horizon 2020 wird es mit knapp 2 Millionen Euro gefördert. Das JKI ist mit seinem Fachinstitut für Pflanzenschutz im Gartenbau und Forst vertreten und federführend für das Arbeitspaket "Benchmarking von innovativen Pflanzenschutz-Techniken und -Methoden" verantwortlich.

Quelle: JKI