In Deutschland gibt es derzeit 58 Unternehmen, die eigene Züchtungsprogramme durchführen. Diese haben sich zumeist auf eine oder mehrere Kulturarten wie Zuckerrüben, Gemüse, Kartoffeln, Öl- und Eiweißpflanzen, Mais, Getreide, Futter- und/oder Zierpflanzen spezialisiert. Vom Umsatz dieser Unternehmen fließen etwa 16 % in die Erforschung und Entwicklung neuer Sorten (Quelle: Bundesverband deutscher Pflanzenzüchter, BDP, 29.01.2026). Das ist laut der Ratingagentur Moody’s vergleichbar mit der IT-Branche (14 %) oder der Pharmabranche (19 %) (Stand: 09/2024).
Pflanzenzüchtung als Beitrag zur Nachhaltigkeit
Mit diesem hohen Investment trägt die Pflanzenzüchtung maßgeblich zu einer Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und somit zur Nachhaltigkeit bei. Dadurch kann auf gleicher Fläche mehr Ertrag gewonnen werden. Während um die Jahrhundertwende (1898-1902) der jährliche Ernteertrag bei Weizen etwa 1,85 t/ha betrug, können heute (Stand: 2022) durchschnittlich rund 7,58 t/ha Weizen geerntet werden (Quelle: Situationsbericht Deutscher Bauernverband 2025/2026, Statistische Bibliothek).
Genomeditierte Pflanzen auf dem Weltmarkt
Die EU-Kommission hat erst 2023 einen Gesetzesentwurf (Verordnung 2023/0226) zur angepassten Regulierung von mit der Genschere CRISPR/Cas veränderten Pflanzen vorgelegt, welcher sich noch (Stand: April 2026) in finaler Abstimmung zwischen EU-Kommission, -Parlament und -Rat befindet. Dagegen haben einige Länder außerhalb Europas bereits klare regulatorische Rahmenbedingungen für genomeditierte Pflanzen geschaffen (vgl. Abbildung 1).
Staaten wie die USA, Kanada und Brasilien regulieren genomeditierte Pflanzen wie konventionell gezüchtete Pflanzen. Staaten wie Indien und Australien nehmen genomeditierte Pflanzen von der strengen GVO-Regulierung (genetisch veränderte Organismen) aus, sofern keine Fremd-DNA festgestellt werden kann. In Europa, Südafrika und Neuseeland erfolgt die Zulassung genomeditierter Pflanzen weiterhin nach den Vorgaben der GVO-Regulierung, was mit umfangreichen Datenerhebungen sowie hohen Zeitaufwänden und Kosten einhergeht.

Abbildung 1: Status bestehender Regulierungen und derzeitiger Regulierungsvorschläge der Genomeditierung bei Pflanzen weltweit. Die Grafik wurde modifiziert nach Hartung et al. (2024) und zeigt die Anwendungen der Grünen Gentechnik in der Landwirtschaft weltweit (Quelle: Genius die Kommunikatoren.2025. Verschläft die EU die CRISPR-Revolution?).
Beispiele genomeditierter Pflanzen
Da bisher der Anbau von genomeditierten Pflanzen über die EU-Gentechnik-Richtlinie reguliert wird und dadurch mit großem Aufwand verbunden ist, werden in Europa derzeit keine genomeditierten Pflanzen im gewerblichen Anbau genutzt. Einige Staaten haben jedoch Versuchsanbau, sogenannte Freisetzung, beantragt. Beispielsweise führen Belgien, Tschechien, Dänemark, Italien, Niederlade, Spanien und Schweden Freilandversuche durch (2024, 2025). Dabei handelt es sich um Algen, Apfel, Gerste, Kresse, Kartoffel, Mais, Orange, Reis, Unterlagen für Steinobst, Soja, Tabak, Tomate und Weinrebe (https://ec.europa.eu/).
Auch in England wurden bereits einige genomeditierte Pflanzen (äquivalent zu NGT1, New Genomic techniques Category 1) freigesetzt, die dort als „Qualifying Higher Plants“ (QHPs) bezeichnet werden (https://www.gov.uk).
International befinden sich bereits einige genomeditierte Pflanzen im gewerblichen Anbau oder stehen kurz vor ihrer Markteinführung:
- Senf mit weniger Bitterstoffen (Quelle)
- Salat mit längerer Haltbarkeit (Lagerfähigkeit) (Quelle)
- Tomaten mit vermehrter Produktion von Gamma-Aminobuttersäure (Quelle)
- Zitronenpflanzen mit erhöhter Widerstandskraft gegenüber dem Citruskrebs verursachenden Bakterium Xanthomonas citri (Quelle)
- Sojabohnen-Öl mit optimierter Fettsäuren-zusammensetzung (Quelle)
- Risottoreis (RIS8imo), der resistent ist gegen den Reisbranderreger Magnaporte oryzae (Quelle)
- Sojabohne mit reduzierter Produktion von Trans-Fettsäuren, wodurch potenziell das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert werden kann (Quelle)
- Glutenarme Weizenlinien (Quelle)
- Kartoffeln mit höherer Widerstandsfähigkeit gegenüber der Pflanzenkrankheit Kraut- und Knollenfäule (verursacht durch Phytophtora infestans, Quelle)
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