Vorratsschädlinge haben gute Zukunftsaussichten

Die Schädlinge haben sich über Millionen Jahre für den Wettstreit mit den Menschen gerüstet

Wie sind die Perspektiven für Vorratsschädlinge? – Blendend! „Ihnen steht eine nicht immer leichte, aber doch sichere Zukunft bevor“, schreibt Prof. Dr. Christoph Reichmuth, ehemals Leiter des Instituts für Vorratsschutz des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Berlin im Journal für Kulturpflanzen. Sein Beitrag beschreibt die Rivalität zwischen Menschen und Schädlingen um die kostbaren Vorräte.

Ungebetene Gäste mit langer Geschichte 

Brotkäfer, Dörrobstmotte, Käsemilbe – den etwa 100 verschiedenen Vorratsschädlingen begegnen Wissenschaftler oft mit Staunen und Respekt. Denn viele der Insekten blicken auf eine 100 Millionen Jahre lange Geschichte zurück. Erst vor etwa 10 000 Jahren begannen die Menschen ihre Ernten zu lagern. Seitdem sind die Tiere unerwünschte Gäste in den Vorratslagern, und seitdem versuchen die Menschen mit unterschiedlichsten Methoden ihre Ernten vor ihnen zu schützen. Sie schließen die Vorräte ein, locken und fangen die Tiere mit Fallen und Ködern, sie setzen Chemikalien, Atmosphären, Hitze, Kälte, Strahlen sowie biologische Gegenspieler ein. 

Großer Erfahrungsschatz hilft Schädlingen beim Überleben

Auch bevor der Mensch auf den Plan trat, hatten die Vorratsschädlinge kein leichtes Leben: Vulkanausbrüche veränderten die Zusammensetzung der Atmosphäre, Klima und Temperaturen waren einem ständigen Wandel unterworfen. Auch biologische Gegenspieler und chemische Stoffe, die Pflanzen zur Abwehr freisetzen, gehörten schon immer zu den täglichen Lebensrisiken der Tiere. Auch Schädlinge wachsen mit den Anforderungen: So fand eine ständige Auslese der am besten angepassten Individuen statt. Bei dem Wettstreit um die menschlichen Lagerstellen kommt den Tieren also ein über Jahrmillionen erworbenes genetisches Potenzial zugute. Es erlaubt ihnen, flexibel auf die menschlichen Abwehrversuche zu reagieren. 

Nahrungseldorado durch internationalen Handel

Durch den weltweiten Handel mit landwirtschaftlichen Gütern erreichen auch die Vorratsschädlinge neue Lebensräume. Oft fehlen dort ihre biologischen Feinde, und sie stoßen auf Nahrung im Überfluss –optimale Voraussetzungen für die Vermehrung. So mancher Schädling hat sich in den vergangenen Jahren an der amtlichen Warenbeschau beim Import vorbeigemogelt. Auch Klimaveränderungen ermöglichen es Schadtieren, sich in Regionen anzusiedeln, in denen sie früher nicht überleben konnten. 

Aktuelle Bekämpfungsmöglichkeiten

Da diese Schädlinge nicht nur die Vorräte fressen, sondern als Hygieneschädlinge auch die menschliche Gesundheit gefährden, ist Vorratsschutz ein uraltes, aber stets aktuelles Thema. Heute müssen sich die Schadinsekten im deutschen Vorratsschutz mit Kieselgur, Deltamethrin, Pirimiphosmethyl und einigen Wirkstoffen aus Pflanzen herumplagen. Außerdem spielen Gase, wie Stickstoff und Kohlendioxid heute eine wichtige Rolle für einen erfolgreichen Vorratsschutz. Dank der Anpassungsfähigkeit der Nahrungskonkurrenten wird der Wettstreit um die Vorratslager aber weitergehen. Der Artikel „Aussichten für Vorratsschädlinge“ ist im Journal für Kulturpflanzen, Heft Nr 65 (3), Seite 85 bis 93, 2013 erschienen.

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