Rot, rund und lecker

Erdbeeranbau auf dem Obsthof Schemmel

Jetzt geht sie wieder den dem Ende entgegen, die Erdbeerzeit. Die leckeren roten Früchte haben uns von Mai bis in den August Freude bereitet und so manches Gericht verfeinert. Georg Schemmel vom Obstbaubetrieb Schemmel in Bad Salzuflen in Ostwestfalen-Lippe hat sich auf die späten Erdbeeren spezialisiert und blickt auf seine Erdbeersaison zurück. Wir haben mit ihm über die anspruchsvolle Kulturführung der Erdbeeren gesprochen.

Georg Schemmel ist Obstbaumeister und bewirtschaftet einen landwirtschaftlichen Betrieb, der 1956 auf Obstanbau umgestellt wurde. Nach und nach hat der heute 51-jährige Vater zweier Töchter den professionellen Obst- und Beerenanbau ausgebaut. Im Unternehmen arbeiten neben sieben Festangestellten bis zu 750 Saisonarbeiter während des Sommers.

Herr Schemmel, was sind Ihre derzeitigen Hauptkulturen?

Wir haben alle Arten von Obst getestet, was uns am besten liegt und was wir am besten vermarkten können. Heute sind die Hauptkulturen Spargel, Erdbeeren und Johannisbeeren. Wir bewirtschaften inzwischen 215 Hektar, davon sind 176 Hektar mit Sonderkulturen bebaut. Auf dem Rest der Flächen werden Ackerbaukulturen angebaut, unter anderem Raps zur Bodenverbesserung oder Getreide, um den Unkrautdruck zu verringern.

Wie vermarkten Sie die Erdbeeren?

Wir verkaufen die Ware über zwei Schienen, zu 20 Prozent in der Direktvermarktung und im „Shop in Shop“, der Großteil wird über den Großhandel und Handelsketten vermarktet.

Welche Sorten setzen Sie ein?

Wir pflanzen nur bewährte robuste Sorten. Wir bauen Sorten wie Elianny, Rumba, Elsanta, Elegance oder Malwina an, gleichzeitig aber auch etliche Testsorten für die Zukunft. Bei Spargel setzen wir auf wohlschmeckende Sorten, da unser Spargel nur direkt vermarktet wird. Bei Johannisbeeren führen wir die Sorten Yonkher van Tets, Rolan und Rovada. Wichtig sind im Erdbeeranbau frische, ausgeruhte Böden von höchster Qualität. Sie müssen frostsicher sowie wind- und erosionsgeschützt sein.

Welche Aufgabe hat der Pflanzenschutz?

Wir wollen ansprechende Früchte, die den Transportweg zum Handel unbeschadet überstehen. Sie sollen gut schmecken und gesund sein. Der Pflanzenschutz  nimmt die wichtigste Stellung in der Produktion ein, da wir an die deutschen Lebensmittelketten liefern. Unsere Abnehmer legen teilweise Höchstgrenzen in den Rückstandswerten fest, die nur 30 Prozent der gesetzlichen Rückstandswerte betragen.

Kann der Erdbeeranbauer auch vorbeugend gegen Krankheiten etwas machen?

Ich spreche jetzt für unseren Betrieb mit Freilandanbau. Im Freiland dürfen die Böden für einen erfolgreichen Erdbeeranbau keine Staunässe haben und müssen eine gute Krümelstruktur und Fruchtbarkeit aufweisen. Wir halten eine weite Fruchtfolge ein, Erdbeeren nach Erdbeeren gehen im mehrjährigen Anbau schlecht. Gegen Verticillium, eine pilzliche Welkekrankheit, gibt es zum Beispiel keine Pflanzenschutzmittel . Vorbeugend helfen hier nur gesunde Böden, die auf Verticillium getestet sind. Kartoffeln können die Krankheit übertragen und dürfen deshalb nicht vor den Erdbeeren angepflanzt werden. Und natürlich ist es extrem wichtig, von welchem Vermehrer die jungen Erdbeerpflanzen kommen. Hier entscheidet sich bereits der Erfolg oder Misserfolg des Erdbeeranbaues.

Welche Krankheiten gibt es denn bei den Erdbeeren?

Einer der wichtigsten Krankheitserreger bei den Erdbeeren ist der Phytophthora-Pilz. Bei dieser Krankheit kann die gesamte Pflanze absterben. Im Winter 2014/2015 gab es viele Probleme mit Phytophthora durch das über Monate nasse und kalte Wetter. Ein weiterer Schaderreger im Erdbeeranbau ist der Botrytis-Pilz. Jeder kennt sicherlich den grauen Schimmelbelag, der die Erdbeeren ungenießbar macht. Um die Erdbeeren davor zu schützen, müssen wir vor und in der Blüte mehrere Behandlungen vornehmen.

Pflanzenschutzmaßnahmen sind also unumgänglich, damit die Erdbeeren gesund bleiben?

Ohne Pflanzenschutz wäre eine Beerenproduktion meiner Meinung nach in unseren Breiten unmöglich ‑ oder es müssten 50 Prozent Ausfall einkalkuliert werden. Man muss den Pflanzenschutz natürlich differenziert betrachten: der Anthraknose-Pilz zum Beispiel ist nicht bei allen Sorten ein Problem, hier gibt es enorme Sortenunterschiede. Und auch die Herkunft des Pflanzenmaterials ist wichtig, da ist die Hygiene oberstes Prinzip. Wir setzen Pflanzenschutzmittel nur bei anthraknoseempfindlichen Sorten ein und spritzen sie mit einer Kupferlösung.

Es gibt aber auch Krankheiten und Schädlinge, bei denen wir keinen Befall tolerieren können. Weißfleckenkrankheit, Blattläuse und vor allem die Erdbeermilbe müssen auf die Nullgrenze durch den Pflanzenschutz reduziert werden. Selbstverständlich bonitieren wir die Pflanzen vorher und setzen die Pflanzenschutzmittel erst ein, wenn die Schadschwelle überschritten ist. Eine saubere Arbeitsweise mit Einhaltung der Wartezeiten ist dabei oberstes Gebot, denn Handel und Verbraucher erwarten rückstandsfreies Obst.

Wie beurteilen Sie denn die derzeitige Situation beim chemischen Pflanzenschutz bei Erdbeeren?

Der Pflanzenschutz ist unverzichtbar und muss effizient sein. Nach meiner Erfahrung habe ich mit manchen biologischen Pflanzenschutzmitteln keine vollständige Wirkung und begebe mich in ein hohes Risiko. Da die Erdbeerkultur aber eine hochsensible Frucht ist, müssen die Risiken ausgeschlossen werden. Wirkungsgrade von 50 bis 80 Prozent reichen da nicht aus. Im Erdbeeranbau gibt es im Moment keine großen Lücken im Pflanzenschutz, höchstens vielleicht bei den Fungiziden. Hier beobachten wir in einigen Landesteilen Resistenzen. Wir können fast alle Krankheiten bekämpfen und bodenbürtige Krankheiten wie Phytophthora zurückdrängen. Mein Appell an die Gesetzgeber: Ich wünsche mir einfach weniger Ideologie in der Agrarpolitik.

Herr Schemmel, vielen Dank für das Gespräch.

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