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Umwelt & Verbraucher
20.05.2015

Pflanzenschutz als Dienstleistung

Überbetrieblicher Pflanzenschutz ist ein Baustein der modernen Landwirtschaft, sagt Lohnunternehmer Hans Dieter Levihn. Foto: Angelika Sontheimer

Interview mit Lohnunternehmer Hans Dieter Levihn

Pflanzenschutz gehört zu den besonders anspruchsvollen Dienstleistungen in Lohnunternehmen. Er erfordert Fachwissen über Schädlinge, Schad- und Krankheitsbilder, über die zugelassenen Pflanzenschutzmittel sowie hohe Flexibilität und Schlagkraft, um Behandlungen zum besten Zeitpunkt durchführen zu können. In einer Umfrage der Zeitschrift „Lohnunternehmen“ gaben 58 von 100 Befragten an, dass sie die Landwirte bei der Auswahl anstehender Pflanzenschutzmaßnahmen beraten. 82 Prozent übernehmen auch den Einkauf der Pflanzenschutzmittel. Das IVA Magazin Profil Online will es genauer wissen.

Überbetrieblicher Pflanzenschutz wird immer öfter durch Lohnunternehmer erledigt. Profil Online sprach mit Hans Dieter Levihn, Lohnunternehmer im hessischen Gründau und Präsident des Landesverbandes der Lohnunternehmer in Hessen welche Möglichkeiten der Pflanzenschutz als Dienstleistung bietet.

Herr Levihn, bitte stellen Sie sich kurz vor

Unser Lohnunternehmen liegt am Rande der Wetterau im Ronneburger Hügelland und wird von den Ausläufern von Vogelsberg und Spessart begrenzt. Wir bieten vornehmlich Erntearbeiten an, aber auch Pflanzenschutz und Düngung bis zur Komplettbewirtschaftung.

Welche Pflanzenschutzmaßnahmen bieten Sie an?

Wir erledigen den Pflanzenschutz für die Landwirte je nach Auftragslage auf 500 bis 800 Hektar. Die Hauptkulturen sind Getreide und Raps, aber auch Rüben und die Pflege von Grünland. Wir verwenden nur abdriftmindernde Injektordüsen, damit auch wirklich nur die Pflanzenteile getroffen werden, die behandelt werden müssen und nichts zum Nachbarn verweht wird. Wir Lohnunternehmer sind ja sozusagen Vorzeige-Landwirte und müssen deshalb auch mit gutem Beispiel vorangehen. Deswegen setzen wir für die Rapsblütenspritzung seit 2015 besonders bienenschonende Düsen, sogenannte Dropleg-Düsen ein, eine in meinen Augen sinnvolle und notwendige Maßnahme, um den Rapsanbau nachhaltig und umweltverträglich zu gestalten.

Wie beurteilen Sie die wachsende Professionalisierung in der Landwirtschaft?

Wenn wir beim Pflanzenschutz bleiben, so fallen mir vor allem die Aufzeichnungspflichten ein. Mit der Änderung der Pflanzenschutzmittel-Anwendungsverordnung ist die Dokumentation vom Landwirt auf den Lohnunternehmer übergegangen. Vom Lohnunternehmer wird ein hohes Maß an Fachwissen und Kompetenz erwartet. Bei uns bekommt der Kunde mit der Rechnung immer ein Anwendungsprotokoll, in dem die Behandlungsflächen, die Behandlungszeiten, die ausgebrachten Mittel, die einzuhaltenden Abstandsauflagen und die zur Einsatzzeit herrschenden Wetterbedingungen aufgeführt sind.

Nach meiner Auffassung geht in nächster Zeit kein Weg mehr an elektronischen Steuergeräten mit GPS-Empfängern vorbei. Ich halte Tablets, die ich einfach von einer Maschine auf die andere umsetzen und auch mit ins Büro nehmen kann, für die praktikabelste Lösung. Auch die GPS-gesteuerte Geräteführung wird bei Lohnunternehmen zunehmen. Was mir bei der Entwicklung wirklich Sorgen macht, sind die rasant steigenden Anschaffungskosten für die Technik und die Anforderungen an die Fahrer, die damit umgehen können müssen.

Wie beurteilen Sie die drohenden Verluste von Pflanzenschutzwirkstoffen?

Wir bekommen meiner Meinung nach immer mehr „Wohlstandsverbote“ von Pflanzenschutzmitteln, die sachlich nicht zu begründen sind, aber aus der öffentlichen Meinung in die Politik getragen werden und dann zum Verlust der Zulassungen bewährter Problemlösungen führen. Zum Beispiel die Gruppe der Neonicotinoide, die als Beizmittel zielgenau auf das Samenkorn aufgebracht wurden und die jungen Pflanzen von Anfang an vor Schädlingen geschützt haben. Nach dem Verbot bleibt den Anbauern nur noch, junge auflaufende Saat mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. Weil die Pflanzen in diesem Stadium noch nicht den Boden bedecken, gelangt der größte Teil der Mittel ungenutzt auf den blanken Boden ‑ für mich fachlich nicht nachvollziehbar.

Die Forschung sucht nach anderen Verfahren, die sich in der Zukunft sicher einen Markt erobern werden. Wenn zum Beispiel die elektronische Pflanzenerkennung ausgebaut wird, kann ich mir auch selbstfahrende Maschinen für die Unkrautregulierung oder die Selektion erkrankter Pflanzen, die dann gezielt mit einem Mittel behandelt werden, vorstellen.

Was ist Ihnen beim Thema Pflanzenschutz noch wichtig?

Ich denke, dass in den zurückliegenden Jahren im Pflanzenschutz und in der Anwendungstechnik viel erreicht wurde. Die Fortschritte bei den Mitteln und in der Technik werden aber weitergehen und neue Gedanken und Verfahren werden Einzug in unsere Produktionsverfahren halten. Mir liegt dabei vor allem das Image des Pflanzenschutzes am Herzen. Die Bedeutung einer gesund erhaltenen Pflanze für die Ernährung der Weltbevölkerung ist in unserer Wohlstandsgesellschaft in Vergessenheit geraten. Über Jahrhunderte haben die Ernten das Leben der Menschen bestimmt. War die Ernte gering, oder durchs Wetter verdorben, litt die Bevölkerung Hunger und wurde von Krankheiten geplagt. Wir sollten versuchen, die Menschen ein Stück weit auf unserem Weg in die moderne Produktion von Nahrungsmitteln mitzunehmen. Mit einfachen Worten: den Weg beschreiben um das Verständnis füreinander zu fördern.

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