© Dr. Gary Weiand
12.05.2026

Olivenanbau am Kaiserstuhl

Wetterextreme sind der begrenzende Faktor

Dr. Gary Weiand baut seit einigen Jahren Oliven am sonnenverwöhnten Kaiserstuhl in Südbaden an. Ursprünglich sollten die knorrigen Bäume seine Rebanlage verschönern. Dann aber reizte es den ehemaligen Chirurgen, Öl aus den Früchten zu pressen. Dass sein Projekt jedoch kein Selbstläufer ist, zeigen die ersten Ernten. Das IVA-Magazin sprach darüber mit Dr. Weiand.

Herr Dr. Weiand, wieso haben Sie den Schritt vom OP zum Landleben gewagt?

Alles hat seine Zeit. Ich wollte nochmal etwas Neues machen und in Kontakt mit der Natur sein, etwas gestalten. Da bin ich als Südbadener natürlich schnell beim Weinbau gelandet. Von dort bis zu den Oliven ist es ja dann auch nur noch ein kleiner Schritt. Die höchste Hürde war sicher, es einfach zu machen. Aber die hatte ich ja bereits mit meinen Reben genommen. Zuerst einmal ging es bei den Oliven allerdings um die Schönheitsanmutung in meiner Rebanlage. Ich wollte einfach ein paar alte Olivenbäume kaufen und gut platziert in die Landschaft stellen. Aber da war dann doch Platz für mehr. Deshalb habe ich mich informiert, unter welchen Bedingungen ein Olivenhain zur Ölgewinnung Sinn machen könnte.

Welche Informationen waren für Sie wichtig?

Um Olivenöl zu gewinnen, braucht man einen mehrstufigen Extraktor. Im Gegensatz zu den bei uns für Samenöle üblichen Pressen ist der gesamte Prozess sehr aufwändig. Ich habe also erstmal geschaut, ob es so etwas auch in klein gibt. Anschließend bin ich erst in die Thematik Olivenöl eingetaucht, sonst hätte es ja keinen Sinn gemacht. Ohne Internet wäre da nichts gegangen – von der Sortenwahl über Kultivierungsmethoden bis Lesezeitpunkt muss man spezifische Kenntnisse erwerben. Auch in Bezug auf Bodenbeschaffenheit, Lage und Stammreserven hatte ich meinerseits alle Zweifel ausgeräumt, dass es nicht funktionieren könnte. Es war also kein Experiment.

Reichen denn unsere klimatischen Bedingungen für eine Pflanze aus, die am Mittelmeer beheimatet ist?

Grundsätzlich passen die Eckdaten. Wichtig ist intensive Sonneneinstrahlung in den Monaten September und Oktober. Nach der Ausreifung der Kerne beginnt die Olive in dieser Zeit damit, Fruchtfleisch und Öl anzureichern. Da wird es meiner Erfahrung nach bei uns leider schnell eng.

Wie waren die Reaktionen in Ihrem Umfeld, als die 78 aus Spanien eingeführten Bäume gepflanzt waren?

Selbst meine Freunde meinten, ich hätte die bekannte „Schraube locker“. Wenn ich heute in meinem Hain stehe und mich umsehe, denke ich das selbst aber auch manchmal…

Gibt es außer Ihnen weitere Olivenanbauer in Deutschland?

Ja sicher. Diese sind jedoch nicht so eingestiegen wie ich. Meine Bäume sind alle 80- bis 100-jährig und bringen sehr viel Widerstandskraft mit. Das ist einer der Gründe, weshalb ich mich für diese Variante entschieden habe. Aber es gibt einige Leute, die mit großem Einsatz kleine Plantagen mit jungen Bäumen hegen. Man wird mit der Zeit sehen, ob und wie sich das entwickelt.

Ihr Ziel ist der minimal-invasive Anbau. Können Sie das Prinzip kurz erläutern?

Es geht mir um eine Kulturführung, bei der die schonende Pflege meiner Reben und Olivenbäume nicht mit einer Schädigung, sondern einer Förderung der umgebenden Natur, dem lokalen Ökosystem einhergeht. Das beginnt bei Corten-Drahtanlagen, die zwar teurer als konventionelle Zinkanlagen sind, dafür aber kein Zink in den Boden eintragen und sich optisch besser in die Landschaft integrieren, und endet beim Verzicht auf Kupfer als Spritzmittel.

Wie sind die ersten Ernten ausgefallen?

Die erste Lese war 2024, die ergab knapp 30 Liter Öl aus circa 350 Kilogramm Oliven. 2025 hat sich eine Extraktion gar nicht gelohnt, es gab 25 Kilogramm Tafeloliven. Sehr zufrieden wäre ich, wenn ich mit den 78 Bäumen auf 1500 Kilogramm Oliven käme und 150 Liter Öl extrahieren könnte.

Woran hat es gelegen, dass Sie das Ziel bislang noch nicht erreichen konnten?

Der September und der Oktober 2024 waren einfach zu nass und zu kalt. Was ich nicht vorhersehen konnte, ist die Empfindlichkeit der Blätter des immergrünen Baums gegenüber extremen Temperaturwechseln. Diese treten immer häufiger auf. Sie können zu massivem Blatt- und Energieverlust führen können, sodass der Baum im Folgejahr, wie 2025 geschehen, keinen wesentlichen Ertrag liefert. Ich sehe bislang auch keine Anpassungsphänomene bei den Bäumen.

Welche Lehren ziehen Sie daraus und wie geht es mit Ihrem Anbau weiter?

Die Lehre ist für mich, dass der Olivenanbau selbst im Kaiserstuhl kein Selbstläufer ist. Und natürlich einmal mehr, dass das Klima der Souverän ist, nicht wir. Das lässt sich nicht ändern. Meiner persönlichen Wahrnehmung und Meinung nach ist das System in unserem Klima insgesamt zu instabil, um ein verlässliches Einkommen zu generieren. Weil die Erträge zurzeit noch sehr übersichtlich sind, ist das Öl „Family and Friends“ vorbehalten. Aber da ist definitiv noch viel mehr im Rahmen des Möglichen – sobald sich das Wetter einmal als gnädig erweist.

Herr Dr. Weiand, viel Erfolg für die kommenden Ernten und vielen Dank für das Gespräch.

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