Mais „explodiert“ im Hochsommer

Subtropenpflanze bringt auch im gemäßigten Klima enorme Leistungen – Biomethanertrag von einem Hektar reicht für 67 000 Autokilometer

Wachsen im Zeitraffertempo – das gibt es nicht nur im Trickfilm, sondern auch auf deutschen Äckern. Wer will, kann bei hochsommerlichem Wetter dem Mais beim Wachsen zusehen. 15 Zentimeter pro Tag sind ohne weiteres möglich. Die Pflanze, die Kolumbus von Mittelamerika nach Europa gebracht hat, ist äußerst vielseitig nutzbar und schont außerdem unsere Umwelt.

Mais braucht Wärme

Von 30 auf 300 Zentimeter in nur zwei Monaten – das schafft von unseren Ackerkulturen nur der Mais. Dabei beginnt der Mais zunächst eher zögerlich mit dem Wachstum. Landwirte beginnen mit der Aussaat, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet und mindestens acht bis zehn Grad Celsius warm ist, also ab Mitte April bis Mitte Mai. In den ersten anderthalb Monaten bildet er gerade einmal vier bis sechs Blätter und wird 30 Zentimeter groß. Wenn aber die Temperaturen steigen, legt auch das Pflanzenwachstum kräftig zu. Das ist genetisch bedingt, denn ursprünglich ist die Pflanze in den Subtropen zuhause.

Das C4-Prinzip macht den kleinen Unterschied

Nicht nur die Wuchshöhe unterscheidet Mais von unseren übrigen Ackerkulturen, auch die Biochemie in den Pflanzenzellen ist eine andere. Mais gehört nämlich ebenso wie Zuckerrohr oder Hirse zu den so genannten C4-Pflanzen . Diese können gerade in warmen Klimaten das Kohlendioxid aus der Luft effizienter zum Aufbau eigener Substanz nutzen als C3-Pflanzen wie Weizen, Kartoffel oder Raps. Deswegen läuft Mais erst ab 30 Grad Celsius zur Höchstform auf, während bei den C3-Kollegen die Wachstumskurve spätestens ab 25 Grad nach unten zeigt. Zudem bringt das C4-Prinzip einen weiteren Vorteil: Während Weizen, Kartoffel, Raps und Co. 450 bis 950 Liter Wasser benötigen, um ein Kilo Trockenmasse aufzubauen, reichen dem Mais schon 230 bis 250 Liter.

Klima- und umweltfreundlich

Durch sein enormes Massenwachstum bindet der Mais große Kohlendioxid-Mengen und gibt im Gegenzug den lebensnotwendigen Sauerstoff ab. Ein Hektar Mais liefert den jährlichen Sauerstoffbedarf von 50 bis 60 Menschen. Wird aus Mais Biomethan gewonnen, so fällt die Bilanz ebenso positiv aus. Der Gasertrag von einem Hektar lässt einen PKW nach Berechnungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe über 67 000 Kilometer weit fahren. Wird das Biogas hingegen verstromt, so reicht der Ertrag, um fünf Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Mais ist eine Kultur, die umweltfreundlich angebaut werden kann. Profis machen es vor – mit bedarfsgerechter Düngung, gezieltem Pflanzenschutz , einer abwechslungsreichen Fruchtfolge und vorbeugendem Erosionsschutz sind die Auswirkungen auf Boden, Wasser und Luft genau wie bei anderen Kulturen sehr gut zu kontrollieren.

Beim Pflanzenschutz ist der Mais sogar recht sparsam – meist reicht neben der Beizung des Saatguts gegen Schadinsekten eine Behandlung gegen Unkräuter und Ungräser. Nur wenn die Kultur über Jahre hinweg immer wieder auf dem gleichen Acker angebaut wird, können Probleme auftreten. Schwer bekämpfbare Unkräuter und Ungräser wie Hirsen vermehren sich und verursachen Ertragseinbußen. Auch der gefürchtete Maiswurzelbohrer profitiert von engen Maisfruchtfolgen. Seine Larven bohren sich in die Wurzel ein und schwächen die Standfestigkeit der Pflanzen erheblich. Sie fallen um, bevor sie geerntet werden können.

Von Mittelamerika in die ganze Welt

Mais wird nachweislich bereits seit über 2 000 Jahren in Mittel- und Südamerika angebaut. Kolumbus brachte ihn nach Europa, wo er zunächst in den Mittelmeerländern als Grundnahrungsmittel und als Tierfutter genutzt wurde.
Nach Süddeutschland kam er erst vor rund hundert Jahren. Auch in Norddeutschland wird er seit Jahrzehnten erfolgreich angebaut. Spezielle Sorten, die weniger Wärme benötigen, machen es möglich. Die größten Maisproduzenten weltweit sind die USA, China und Brasilien. Im Jahr 2007 bauten die deutschen Landwirte auf gut 1,8 Millionen Hektar Mais an, das sind rund elf Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Verwertung als Körnermais ist in den letzten Jahren leicht gestiegen. Dabei wird nur der Kolben mit einem Mähdrescher geerntet und in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel als Maisstärke verwertet. Deutlich mehr Fläche beansprucht der Silomais. Hier wird die ganze Pflanze mit einem Häcksler zerkleinert und als Futter für Rinder oder für Biogasanlagen genutzt.

Cornflakes und Polenta Schweinefleisch und Milch, und nicht zuletzt Energie aus Biogas – Mais ist die Grundlage für viele Produkte.

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