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Umwelt & Verbraucher
21.01.2010

Lohn der Angst: Weinjahrgang 2009 - gehaltvoll und harmonisch trotz großer Widrigkeiten

Sonnenverwöhnte Trauben für einen Spitzenjahrgang Quelle: Elisabeth Wissel

Hohe Qualität, etwas weniger Ertrag, aber zur Krönung Spitzenwerte bei der Eisweinlese

"Dieser Jahrgang wird als ganz großer in die Geschichte eingehen", prognostiziert der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber. Selbst der rare Eiswein wird ein Spitzengewächs. Der warme November lies nicht viel erwarten, aber dann: Mostgewichte von über 200 Grad Öchsle belohnten die Risikobereitschaft der Eisweinerzeuger. Die Anbausaison 2009 war gekennzeichnet durch zahlreiche Attacken von Erkrankungen wie Peronospora. Das schöne Ernteergebnis mussten die Winzer Schädlingen und Krankheiten regelrecht abringen.

Die Menge liegt bei 8,8 Millionen Hektoliter, etwa zehn bis fünfzehn Prozent unter dem gewohnten Niveau. Waren die Weine im Vorjahr „schlank und spritzig“ fallen die 2009er „gehaltvoll, moderat und harmonisch“ aus. Insbesondere Peronospora wurde im Frühjahr 2009 energisch bekämpft. Sonnenschein und Trockenheit von August bis zur Lese brachten die hohe Qualität.

Im Frühjahr 2009 begünstigte die allzu feuchte Witterung einen starken Befall mit Peronospora (falscher Mehltau). Die deutschen Anbauregionen waren unterschiedlich stark betroffen: Saale-Unstrut verlor fast zwei Drittel der Ernte, im Rheingau, an Mittelrhein und Nahe beliefen sich die Verluste auf 21 bis 32 Prozent. Die Pfalz kam mit sechs Prozent davon. Verlustfrei blieb nur die Weinregion Franken.

Extreme Witterung erhöht Befallsdruck

Wissenschaftler und Weinbauberater beobachten seit Jahren eine Zunahme von tierischen Schädlingen und Pilzkrankheiten. Sie erwarten, dass Fäulniserreger für die Trauben in Zukunft ein großes Problem werden betont Berater Oswald Walg vom Dienstleistungszentrum Rheinhessen (DLR). Der Winzer muss sich zukünftig mit dem Lesetermin mehr nach dem Gesundheitszustand der Trauben richten und weniger nach dem Stand der physiologischen Reife. Seit Beginn der Jahrtausendwende steigt der Befallsdruck durch Fäulnisbakterien, wie Pilze oder Essigbakterien. Sie wirken sich ungünstig auf das Wachstum der Beeren oder später auf deren Geschmack aus. Botrytis (Grauschimmel) tritt verstärkt auf. „Vorsorglicher Pflanzenschutz kann helfen, gesunde Trauben zu produzieren“, meint Berater Walg. Denn akute Erkrankungen sind kaum zu bekämpfen.

Esca bisher ohne Gegenmittel

Eine große Herausforderung ist die Esca-Krankheit. Dagegen existiert bisher trotz weltweiter Forschung kein zuverlässiges Mittel. Der Weißfäule-Erreger Mittelmeer-Feuerschwamm (Fomitiporia mediterranea) breitet sich kontinuierlich aus, stellt Professor Dr. Michael Fischer vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg (WBI) fest. Er ist nicht an eine Rebsorte gebunden und dringt in Wunden des Rebstocks ein. “Zwar wissen wir über Biologie und Epidemiologie des Erregers Bescheid und haben eine klare Vorstellung über Art sowie Zeitpunkt einer Bekämpfung“, so Fischer, „aber es gibt kein zugelassenes Mittel“. Eine Prognose, wann es kommt, wagt Fischer nicht. Auch ein züchterischer Ansatz sei derzeit nicht in Sicht. betont Dr. Rudolf Eibach vom Rebenzüchtungsinstitut Geilweilerhof.

Bioregulatoren unterstützen Trauben

Kulturtechnische Maßnahmen wie das Teilentblättern der Reben, damit die Trauben abtrocknen können, werden laut Walg immer wichtiger. Man kann auch „Wachstumsregulatoren“, so genannte Bioregulatoren, einsetzen. Sie sorgen für eine lockere Traubenstruktur, damit sich die Beeren nicht gegenseitig drücken und verletzen. Das macht sie für Botrytis und die Essigfäule weniger anfällig. Das DLR Rheinpfalz setzt sie seit 2002 erfolgreich ein. „Die Bioregulatoren sind ein wichtiger Aspekt im Qualitätsmanagement“ betont Dr. Matthias Petgen vom DLR Rheinpfalz und „ein wichtiger Einzelbaustein in der Fäulnisbekämpfung“. Petgen empfiehlt, Bioregulatoren, Pflanzenschutz und kulturtechnische Maßnahmen zu kombinieren.

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