Insekten fliegen auf Gelb

Ihre Lieblingsfarbe lockt Blattläuse, Trauermücken oder Kohltriebrüssler in die Gelbschalen-Falle

Viele lästige Schadinsekten haben zwei Gemeinsamkeiten: Sie sehen schlecht, und sie fliegen auf kräftige Farbtöne. Das machen sich Gärtner und Landwirte zunutze, um Zier- und Nutzpflanzen zu schützen. Ihre Farbtafeln und Gelbschalen werden vielen der unerwünschten Gäste zum Verhängnis.

Die Blütenfarbe ihrer bevorzugten Nahrungspflanzen zieht Insekten magisch an. Gelb steht beispielsweise bei Kohltriebrüsslern, Rapsglanzkäfern, Blattläusen und Trauermücken hoch im Kurs. Auch weiße Fliegen, Rhododendrenzikaden und Minierfliegen bevorzugen diesen Farbton. Blütenthripse mö gen hingegen blau. Kein Wunder, denn sie sind besonders an blau blühenden Veilchen zu finden. Apfelwespe und Himbeerkäfer werden von Weiß, Möhrenfliegen von Orange magisch angezogen. Die Geschmäcker sind eben verschieden.

Die Vorlieben der Insekten sind natürlich auch Gärtnern und Landwirten bekannt. Sie nutzen die kräftigen Farben, um das Schadinsektenaufkommen zu überprüfen und bei Bedarf ihre Pflanzen gezielt zu schützen. In Gewächshäusern, Gärten und auf Äckern setzen sie deswegen Farbtafeln oder Gelbschalen ein. Sind die meist schlecht sehenden Insekten an der Farbe ihrer Träume angelangt, folgt die große Ernüchterung. Anstelle einer leckeren Mahlzeit finden sie sich auf klebrigem Leim oder in einer Falle wieder, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

Farbtafeln im Wintergarten sinnvoll

Im Wintergarten oder im Zierpflanzengarten reichen die Fangerfolge oft bereits aus, um die Schadinsekten in Schach zu halten. Die Tafeln oder Sticker sollten möglichst früh, zum Beispiel beim Umtopfen oder Einsetzen, an den Pflanzen befestigt oder an einem Holzstäbchen in den Topf gesteckt werden. Je nach Größe reicht eine Tafel pro Quadratmeter oder je Meter Fensterbank bereits aus. Bei einem kräftigen zwei Meter hohen Philodendron ist es sinnvoll bis zu vier Tafeln in die Blätter zu hängen. Die Tafeln sind mit einem Spezialleim bestrichen, der mehrere Wochen lang zuverlässig klebt.

Erst kontrollieren, dann behandeln

Auf den großen Anbauflächen im Erwerbsgartenbau und in der Landwirtschaft reichen die Farbtafeln im Normalfall nicht aus, um die Schadinsekten in den Griff zu bekommen. Hier dienen sie vor allem als Frühwarnsystem. Sie helfen den Zeitpunkt des Auftretens und die Stärke des Insektenbefalls zu bestimmen. Je mehr Insekten an den Tafeln kleben, desto größer ist die Gefahr für den Pflanzenbestand. Übersteigt die Zahl nach einer bestimmten Zeit eine kritische Grenze, ist eine chemische Bekämpfung erforderlich. Wenn Gärtner und Bauern die Tafeln also regelmäßig kontrollieren, können sie die Schädlinge sehr gezielt ausschalten. So beispielsweise die Möhrenfliege im Möhrenanbau oder Blattläuse, die im Kartoffel- und Getreideanbau als Virusüberträger sehr gefürchtet sind.

Gelbschalen in und am Raps

Pflanzen Gärtner Kohl, Radies, Rettich oder Rucola in der Nähe von Flächen, auf denen im Vorjahr Raps angebaut wurde, empfiehlt es sich mit Gelbschalen den Insektenzuflug zu prüfen. Die „Fallensteller“ füllen dafür eine gelbe Kunststoffwanne mit Wasser und geben einige Tropfen Spülmittel dazu. Dadurch wird die Oberflächenspannung des Wassers vermindert, so dass einmal eingetauchte Insekten nicht mehr entkommen können.

Steigen die Temperaturen über 12 Grad Celsius, fliegen Kohltriebrüssler und Rapsstengelrüssler von den ehemaligen Rapsfeldern ein. Lässt der Landwirt sie gewähren, legen die Rüssler ihre Eier an den Gemüsepflanzen ab, nachdem sie einige Tage in den Kulturen gefressen haben. Den eigentlichen Schaden verursachen nicht die Käfer, sondern die aus den Eiern schlüpfenden Larven: Sie fressen im Kohlrabi in den Blattstielen, in der äußeren Knollenschicht sowie unterhalb des Vegetationspunktes und verursachen die so genannte Herzlosigkeit. Da die Larven sich in der Pflanze befinden, können sie nicht mehr mit Insektiziden erreicht werden. Deshalb ist es besser, bevor es soweit kommt, die adulten Rüssler gezielt zu bekämpfen. Dafür steht nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung, das mit der Gelbschale exakt bestimmt werden kann.

Auch der Rapsglanzkäfer fällt auf Gelbschalen herein. Dieser Schädling kann bei massenhaftem Auftreten die ganze Ernte der wertvollen Energiepflanze vernichten. Um an sein Lieblingsfutter, die Rapspollen, zu gelangen, frisst er Löcher in die Blütenknospen. Dabei schädigt er die Fruchtknoten, so dass keine Schoten mit Samen entstehen. Wenn die Bauern die ersten kleinen schwarzen Käfer in den Gelbschalen finden, ist höchste Vorsicht geboten. Jetzt müssen sie die Knospen gezielt untersuchen und ab einem bestimmten Käferaufkommen Bekämpfungsmaßnahmen einleiten.