Gesucht – der Holzapfel

Holzapfel? Was ist damit gemeint? Etwa die roten Holzäpfel am Weihnachtsbaum? Weit gefehlt! Der Holzapfel ist der wilde Verwandte der wohl bekannten – mal süßen mal eher sauren – Früchte. Hart wie Holz, klein, grün bis gelbgrün, kaum so groß wie eine Walnuss, sehr, sehr sauer und in Deutschland extrem selten – das ist Malus silvestris, der europäische Wildapfel und Baum des Jahres 2013. Ein Baum, der es – darüber sind sich die Fachleute einig – bisher nie wirklich zu einem wirtschaftlichen Nutzen brachte und deshalb auch kaum gepflegt wurde. Er gehört eher zu den vergessenen Arten. Warum dann also „Baum des Jahres 2013“?

Wertvolles Erbgut

Sein Wert liegt im Inneren seiner Zellen, in seinem Erbgut. Denn der genetisch reine Wildapfel kann sich hervorragend an klimatische Gegebenheiten wie Trockenheit, nährstoffarme Böden oder Spätfröste anpassen. Auch seine geringe Anfälligkeit gegen die üblichen Apfelkrankheiten macht ihn für Obstbaumzüchter interessant. Fachleute können sich vorstellen, dass er als Spender für Resistenzgene gegen Apfelmehltau in Betracht kommt. Oder sogar gegen den berüchtigten Apfelschorf – eine der gefährlichsten Pilzkrankheiten in Mitteleuropa. Zwar erkrankt auch der wilde Vetter an Apfelschorf – allerdings schädigt er nur die Blätter, die Früchte bleiben unangetastet.

Seltene Reinform

Aber – diese wertvolle Genreserve ist bedroht. In Reinform kommt der Holzapfel kaum noch vor. Wenn überhaupt; ist er an lichtdurchfluteten Waldrändern oder in Auwäldern zu finden. Dort jedoch kommt es nicht selten zur Bestäubung durch Pollen unseres Kulturapfels, Malus domesticus, der übrigens höchst wahrscheinlich vom mittelasiatischenMalus sieversii abstammt und nicht vom heimischen Wildapfel. Da die genetische Vermischung des Wildapfels mit den bei uns angebauten Kultursorten bereits seit Jahrhunderten stattfindet, ist es nicht leicht, genetisch reine Wildäpfel zu finden. Schließlich gibt es heutzutage über 1 000 verschiedene Apfelsorten – entstanden durch Jahrtausende lange Kreuzungen und Auslese. Da verwilderte Gartenapfelbäume schon bald wieder Merkmale der Wildarten annehmen, ist es nur schwer möglich, verwilderte Kulturapfelbäume vom Wildapfel zu unterscheiden.

Erkennungsmerkmal: Haarige Blätter

Erkennen kann man den Wildapfelbaum – neben den sehr kleinen Früchten und den meist krummen und dünnen Stämmchen – auch an seinen Blättern. Denn diese sind an der Unterseite kahl oder nur ganz leicht behaart, im Gegensatz zu den verschiedenen Kultursorten, deren Blattunterseiten meist dicht bis filzig behaart sind. Ob es ein reiner Wildapfelbaum ist, lässt sich allerdings nur mit Hilfe einer genetischen Untersuchung genau feststellen. 

Überleben in menschlicher Obhut

Überleben kann der wilde Verwandte unserer Äpfel nur mit menschlicher Hilfe. Dazu gehören der Freischnitt vorhandener Wildapfelbäume, die Neupflanzung sowie die Vermehrung durch Pfropfung. Es gibt bereits Wildapfelplantagen, in denen der Baum – geschützt gegen Fremdbestäubung durch insektensichere Netze – wachsen und seine für uns wertvollen Genreserven erhalten kann. 

Der "Baum des Jahres" wird seit 1989 vom gleichnamigen Kuratorium der „Baum des Jahres - Stiftung“ ausgerufen.
>>> Hier finden Sie die Vorgänger des  "Baum des Jahres"

Steckbrief Malus Silvestris

Vorkommen: fast in ganz Europ, bis auf Regionen im nördlichen Skandinavien und Teilen Spaniens und Griechenlands
Name: Wildapfel (Malus sylvestris), auch Holzapfel, Wilder Apfelbaum oder Johannisapfelbaum
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Alter: bis 100 Jahre
Höhe: bis 10 Meter
Durchmesser: Stamm bis 45 Zetimeter
Rinde: Rotbraun bis graubraun; stärker rissig
Blätter: Breit-elliptisch bis eiförmig; Oberseite kahl, matt dunkelgrün, Unterseite: hellgrün, kahl. Blattrand fein gesägt oder gekerbt.
Blüte: April und Mai, zuerst rosa leuchtende, später weiße Blüten (zwittrig)
Früchte: September bis Oktober kugelige Äpfel mit kurzem Stil, 2 bis 3,5 Zentimeter dick