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Umwelt & Verbraucher
04.06.2009

Gefühlte und tatsächliche Risiken trennen Welten

Gemüse und Obst können in Deutschland bedenkenlos verzehrt werden. Quelle: Rewe

Bundesinstitutionen wollen bei der Verbraucherinformation kooperieren

„In Deutschland kennen wir keine Fälle, bei denen Verbraucher durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf Lebensmitteln wie Obst und Gemüse gesundheitlich beeinträchtigt wurden“. Das erklärte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Prof. Dr. Andreas Hensel, vor kurzem in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ (WamS). Berichte über Höchstgehaltsüberschreitungen haben viele Verbraucher verunsichert. Künftig will das BfR* gemeinsam mit dem aid-Infodienst* für mehr objektive und sachbezogene Information auf diesem Gebiet sorgen. Das haben die beiden Institutionen in einem Kooperationsvertrag vereinbart.

Verunsicherte Verbraucher

Gefährden Pflanzenschutzmittel unsere Gesundheit? Diese Frage stellen sich Millionen Verbraucher in Deutschland. Besonders dann, wenn die Medien wieder einmal über Grenzwertüberschreitungen in Lebensmitteln berichten. Die Materie ist für Laien nur schwer durchschaubar. Deshalb lösen Meldungen dieser Art Sorge und Verunsicherung aus. „Wir möchten diesen gefühlten Risiken künftig objektive Informationen über die tatsächliche Dimension von Risiken entgegensetzen“, sagte BfR-Präsident Professor Andreas Hensel anlässlich der Unterzeichnung der Kooperations-Vereinbarung mit dem aid. Durch schnelleren Informationsaustausch zwischen Wissenschaft und Verbrauchern wollen die beiden Institutionen der Verunsicherung vorbeugen.

Die Risikobewertung bei Rückständen von Pflanzenschutzmitteln sei häufig geprägt von negativer oder plakativer Berichterstattung, erklärte Hensel. Oftmals würden Gesundheitsgefahren behauptet, die keiner objektiven Betrachtung standhielten. Die Position seines Hauses in dieser Frage hatte Hensel im WamS-Interview eindeutig formuliert: „Ein Stoff ist nicht per se gefährlich, die Frage ist, wie viel man davon aufnimmt. Das heißt, frei nach Paracelsus: die Dosis macht das Gift.“

Deshalb wird bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln exakt ermittelt, welche Mengen höchstens auf Lebensmitteln zurückbleiben können. Gleichzeitig wird geprüft, ob sich diese Rückstände auf die menschliche Gesundheit auswirken. Das wird unter anderem in Studien mit Tieren untersucht. Nur wenn alle Bedenken ausgeräumt werden können, empfiehlt das BfR die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels. Hensel ergänzt: „Außerdem gibt es epidemiologische Studien, in denen untersucht wird, ob es beim Menschen langfristig zu Schäden kommt. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass bei den in Deutschland zugelassenen Mitteln solche Wirkungen nicht zu erwarten sind.“

Große Sicherheitsmargen

Mehrere hunderttausend Proben von Lebensmitteln und Wasser werden Jahr für Jahr auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. Dass alles in Ordnung ist, ist nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall, wie das BfR und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) immer wieder bestätigen: Weder ist die Gesundheit von Verbrauchern gefährdet, noch wird die Umwelt unvertretbar belastet. Das gilt auch für den geringen Anteil von Proben, bei denen die zulässigen Rückstandshöchstgehalte überschritten werden. „Unser System beinhaltet Sicherheitsfaktoren, durch die die im Tierversuch festgestellte Dosis ohne Wirkung noch dividiert wird, um die täglich duldbare Aufnahmemenge von Rückständen eines Pflanzenschutzmittels zu ermitteln. Etwa um den Faktor 100 oder 1 000“, so der BfR-Präsident.

Zum Vergleich: Wenn ein Auto 120 Kilometer pro Stunde fährt, liegt der empfohlene Sicherheitsabstand bei 60 Metern. Gälte hier wie für Pflanzenschutz-Wirkstoffe der Sicherheitsfaktor 100, müsste der Fahrer sechs Kilometer (!) Abstand zum vorausfahrenden Auto halten. Übrigens: Bei Rückstandsanalysen bleiben Obst und Gemüse ungeschält und ungewaschen - auch Bananen oder Orangen, die in der Regel geschält werden. Schon aus hygienischen Gründen empfiehlt es sich aber, die Früchte gründlich zu waschen. Dabei werden neben Schmutz und Keimen auch eventuelle Rückstände entfernt oder minimiert.

Zoonosen sind das echte Risiko

Die eigentlichen Lebensmittelrisiken sehen Mediziner weniger in Spuren von Chemikalien als in Pilzgiften (Mykotoxinen) oder Zoonosen. Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können. Dass das ein ernst zu nehmendes Problem ist, bestätigt auch der BfR-Präsident: „Wir haben steigende Fallzahlen beim Erreger Campylobacter, der Darmentzündungen verursacht, und bei Viren in Lebensmitteln, gleichbleibende bis fallende bei Salmonellen. Wir schätzen, dass es in Deutschland pro Jahr etwa eine Million Menschen trifft. Hier sind auch Todesfälle zu beklagen.“

* Aid: Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten E. V.

* BfR: Bundesinstitut für Risikobewertung

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