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Umwelt & Verbraucher
20.10.2011

Die ganze Wahrheit über XXL-Kartoffeln

Landwirte überprüfen regelmäßig die Kartoffelqualität. Dann lässt sich der richtige Erntezeitpunkt bestimmen. Foto: Matthias Wiedenau

Überdurchschnittlich große Knollen 2011 – keine reine Freude bei Verbrauchern und Erzeugern

In deutschen Gärten und Äckern sind die Kartoffeln zur Ernte 2011 deutlich dicker als üblich. Zur Freude der Pommes frites-Freunde, aber eher zum Leidwesen der Anhänger idealer Speisekartoffelmaße. Ob XXL-Kartoffeln wachsen, hängt vor allem von der Witterung im Frühjahr und im Sommer ab. Die ackerbaulichen Fähigkeiten der Landwirte spielen für die Größe eine untergeordnete Rolle, sie sind aber die Basis für hohe Erträge und gute Qualitäten. Mit durchschnittlich 46 Tonnen pro Hektar liegt der Ernteertrag in Deutschland rund elf Prozent über dem langjährigen Mittel.

Landwirtschaft – ein Geschäft unter freiem Himmel

Kartoffeln nahe der Ein-Kilogramm-Marke, groß wie Zuckerrüben, sind in diesem Jahr keine Seltenheit. Der vorgezogene Sommer in den Frühjahrsmonaten April und Mai sowie der reichliche Regen im Juni und Juli waren dafür verantwortlich. Dicke Kartoffeln wachsen nämlich vorzugsweise dann, wenn die Stauden nach der Pflanzung im Frühjahr zum Beispiel aufgrund von Trockenheit und hohen Temperaturen nur wenige Tochterknollen entwickeln. Werden diese während der Hauptwachstumszeit im Sommer reichlich mit Wasser versorgt, werden sie immer dicker.  

Gezielter Pflanzenschutz

Eine wichtige Voraussetzung für große Erntemengen ist eine bedarfsgerechte und speziell auf die Kartoffel zugeschnittene kaliumbetonte Düngung.Kalium ist verantwortlich für das Wachstum und maßgeblich an der Bildung von Kohlehydraten wie Zucker und Stärke sowie vieler wertbestimmender Inhaltsstoffe beteiligt.Auch die Bodenbearbeitung vor dem Auspflanzen ist wichtig. Die Kartoffel mag gare und lockere Böden. So fand sie im Frühjahr vielfach ideale Startbedingungen vor. Pilzliche Krankheiten verursachten 2011 keine größeren Schäden. Die Anbauer behielten die Kraut- und Knollenfäule (Phytophtora infestans), die bedeutendste Kartoffelkrankheit, ebenso wie die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) mit den verfügbaren Fungiziden sicher im Griff. Nur die oft massenweise auftretenden Blattläuse bereiteten Kummer. Wenn sie auf den Blattunterseiten unterer Blattetagen versteckt sitzen, sind sie durch Kontaktinsektizide nicht zu treffen. Sie saugen an den Blättern und scheiden Honigtau aus. Darauf siedeln sich Schwärzepilze an, die die Pflanzen als Sekundärinfektion noch stärker schädigen. Hinzu kommt, dass Blattläuse Viren übertragen können.  

Angebot und Nachfrage regeln den Preis

Hohe Erntemengen bedeuten günstige Verbraucherpreise. Besonders für Pommes Frites-, Chips- und Flockenproduktion steht reichlich Rohstoff zur Verfügung. Die Erzeugerpreise werden deshalb sinken. Zudem können die Landwirte nicht alle Übergrößen über die üblichen Wege vermarkten. Ihnen bleibt zwar der Ausweg, sie dem Vieh zu verfüttern oder in Biogasanlagen zu vergären. Allerdings schmälert beides erheblich den Gewinn. Anders ist nach Meinung von Marktexperten die Situation bei den Speisekartoffeln. Die idealen Speisekartoffelsortierungen mit 40 bis 60 Millimetern Durchmesser sind gesucht und dürften ein ähnliches Preisniveau wie in den Vorjahren erreichen. 

Lagerkrankheiten vermeiden

Ob die Prognosen zutreffen, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Die im Herbst 2011 geernteten Kartoffeln müssen über mehrere Monate lagerfähig sein, um den Markt kontinuierlich bis zu den ersten Frühkartoffeln 2012 zu versorgen. In dieser Zeit kann noch einiges passieren. Denn mit der anhaftenden Erde gelangen pilzliche und bakterielle Fäulniserreger ins Lager. Dazu zählen unter anderem Braunfäule, Fusarium-Trockenfäule, Silberschorf oder bakterielle Nassfäulen. Größte Sorgfalt bei Ernte und Lagerhaltung beugt Schäden vor.  

Kartoffeln empfindlich wie rohe Eier

Eine intakte Kartoffelschale ist ein wirkungsvoller Schutz gegen Schaderreger. Sie darf bei der Ernte nach Möglichkeit keinen Schaden nehmen. Dafür stellen Landwirte ihre Erntemaschinen fachmännisch ein und vermeiden große Fallhöhen zum Beispiel beim Überladen vom Roder auf Transportfahrzeuge. Auch sollte man Kartoffeln, die eingelagert werden, erst dann ernten, wenn sie tatsächlich reif sind und eine feste Schale besitzen. Zum Rodezeitpunkt darf die Knollentemperatur nicht unter zehn Grad Celsius liegen, sonst sind die Knollen zu stoßempfindlich. Profis gönnen ihren Kartoffeln direkt nach der Einlagerung eine Wundheilungsphase. In dieser Zeit trocknen die Knollen vollständig ab und schließen kleinere Verletzungen (Verkorken der Schale). Dann wird die Lagertemperatur je nach Sorte auf vier bis sieben Grad Celsius gesenkt. Mit der Temperatur sinkt auch die Entwicklungsgeschwindigkeit der Schaderreger. So „artgerecht“ gelagert bleiben die Kartoffeln mehr als ein halbes Jahr lang frisch.

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