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Umwelt & Verbraucher
06.03.2012

Die Esche ist europaweit gefährdet

Abgestorbene Blätter, die nicht aktiv abgeworfen werden können. Foto: LWF Bayern

Das Falsche Weiße Stengelbecherchen lässt die Bäume sterben

Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, hat es vielleicht schon entdeckt: Immer mehr Eschen in Wäldern, Parks und Gärten gehen ein. Der vielerorts sehr feuchte Sommer 2011 hat den Befall mit dem Pilz Falsches Weißes Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus) begünstigt, der für das so genannte Eschentriebsterben verantwortlich ist. Das Ausmaß der Schäden zeigt sich vermutlich erst in diesem Frühjahr.

Pilz tarnte sich jahrelang hinter harmloser Schwesterart

In fast ganz Europa zeigen die Gemeine und Schmalblättrige Esche (Fraxinus excelsior und angustifolia) auffällige Schäden. Bereits seit Anfang der 90er Jahre erkranken Eschen in Polen und im Baltikum. Die ersten Fälle in Deutschland wurden 2007 nachgewiesen. Aber erst 2010 konnte der auslösende Pilz identifiziert werden. Er ist äußerlich nicht von dem Weißen Stengelbecherchen (Hymenoscyphus albidus) zu unterscheiden. Diese seit langem bekannte Schwesterart zersetzt das abgefallene Eschenlaub, ist also unschädlich. Ob man es mit dem gefährlichen Falschen Weißen Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus) oder mit dem harmlosen Weißen Stengelbecherchen zu tun hat, lässt sich nur über eine Genanalyse feststellen, 

So schädigt der Pilz die Eschen

Im Sommer bildet das Falsche Weiße Stengelbecherchen, die Hauptfruchtform, das sexuelle Stadium von Chalara fraxinea, auf den am Boden liegenden vorjährigen Blattspindeln Fruchtkörper (Apothecien) aus. Deren Ascosporen werden mit dem Wind verweht. Sie infizieren die Eschenblätter, die sich braun verfärben. Die Sporen keimen in Blättern und Blattstielen und bilden Myzele aus. Über die Blattstiele dringt der Pilz in das unverholzte Mark der Triebe und Zweige ein. Dort lässt sich dann die Nebenfruchtform Chalara fraxinea nachweisen. Dringt der Pilz weiter in verholzte Bereiche, bilden sich Rindennekrosen, beige-braune bis orange-braune Wucherungen, die meist erst im Frühjahr des Folgejahres erkennbar sind. Die Nekrosen unterbrechen die Wasserversorgung, so dass Pflanzenteile oberhalb welken und absterben. Unterhalb der Nekrosen treiben Knospen aus. Das führt zu einer Verbuschung, weil der Baum versucht, seinen Blattverlust an den Triebenden auszugleichen.

Junge Bäume sterben schnell völlig ab. Bei älteren Bäumen kommt es zu einer Verlichtung und Verbuschung der Krone. Die geschwächten Bäume ziehen sekundäre Schadorganismen, wie den Hallimasch-Pilz (Armillaria sp.) oder den Eschenbastkäfer (Leperisinus varius) an. Der Absterbeprozess kann sich über lange Zeit hinziehen.   

Wie kann man die Esche schützen?

Das Eschentriebsterben wird in vielen europäischen Ländern intensiv erforscht. Noch sind viele wichtige Fragen zur Pflege erkrankter Eschenbestände offen. Eine direkte Bekämpfung etwa mit Fungiziden oder durch den Rückschnitt befallener Pflanzenteile ist angesichts des Ausmaßes der Verbreitung des Pilzes und aufgrund seines Infektionsweges nicht möglich. 

Forstexperten raten Waldbesitzern zu beobachten und abzuwarten. Es gibt Eschen, die dank ihrer genetischen Ausstattung weniger anfällig oder sogar resistent gegen die Krankheit sind. Auch können sich geschädigte Bäume mit der Zeit wieder erholen. Wer nicht zu schnell handelt, kann möglicherweise neue Erkenntnisse zum Schutz der Bäume nutzen. Einen natürlichen Anpassungsprozess ermöglicht die Verjüngung der Baumbestände mit anderen Baumarten. So kann der Forstwirt Verluste vermeiden und die nicht nur schöne, sondern auch forstwirtschaftlich bedeutende Esche langfristig erhalten.

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