Landwirtschaft im "Land der Fülle"

16.02.2012 Schule & Wissen

China: Wiederaufbau dank moderner Landwirtschaft leichter

Sichuan im Südwesten Chinas ist bekannt als “Land der Fülle”. Die Provinz umfasst mehr als 485 000 Quadratkilometer und ist eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen. Viele verschiedene Pflanzen werden hier angebaut – hauptsächlich Reis, aber auch Weizen, Raps und zahlreiche Gemüsesorten. Im Mai 2008 hatte ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,8 diese Region zerstört und mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass das Erbeben Schäden in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar verursacht hat – Ackerland und landwirtschaftliche Maschinen wurden zerstört, der Viehbestand getötet. Der Gemüsebauer Wang Hengming und seine Familie haben die Naturkatastrophe überlebt und verfügten dank ihrer modernen Anbaumethoden über ausreichend Mittel, ihr Haus schnell wieder aufzubauen.

Wang Hengming spricht leise, wenn er von dem verheerenden Erdbeben erzählt, das seine Heimat zerstört hat. Der 42-jährige Gemüsebauer aus der Provinz Sichuan und seine Familie gehören zu den Glücklichen, die diese Naturkatastrophe überlebt haben – unter schweren wirtschaftlichen Verlusten. 

Wang Hengming und seine Familie leben in Xinglong in der Nähe der Großstadt Guanghan. Bereits acht Monate nach dem Erdbeben hatten sie ein neues Haus, das sie gemeinsam mit seinen Eltern sowie dem Sohn bewohnen. Der Sohn ist im Teenager-Alter und geht in der Großstadt zur Schule. Nebenan leben Wangs Bruder und dessen Frau. 

Am Ende der ordentlichen aufgereihten neuen Häuser erkennt man Felder mit Blumenkohl – die erste große Ente seit dem Erdbeben. Auch wenn das Ackerland keinen unmittelbaren Schaden genommen hat, so wurde es doch vernachlässigt, da jeder sich auf den Wiederaufbau konzentrierte. Auch viele Gewächshäuser waren völlig zerstört. 

„Jetzt ist unsere Landwirtschaft dank besserer Methoden ertragreicher”

Zwar wird im Dorf immer noch viel wieder aufgebaut, aber für Wang und seine Familie ist das Leben schon fast wieder normal. Wobei „normal” heißt, dass sie viele Stunden am Tag auf den Feldern arbeiten – bis zu zehn Stunden in der Hauptsaison. Zusätzlich zum Blumenkohl bauen sie Gurken, Auberginen und Chinakohl an. 

Eine wichtige tägliche Aufgabe ist es für Wang, nach einer ganzen Reihe von Schädlingen und Krankheiten Ausschau zu halten, die seine Pflanzen befallen könnten, zum Beispiel die Pilzerkrankungen Phytophthora, dunkler Mehltau und Grauschimmel. Nachdem er 1999 einen Großteil seiner im Gewächshaus gezogenen Auberginen durch die Pilzkrankheit Verticillium-Welke verloren hat, kontrolliert er seine Anbauflächen sehr genau auf mögliche Schaderreger. Und er nimmt nach wie vor an Trainingsprogrammen teil, die von der Stadtverwaltung und speziellen Außenstellen des Landwirtschaftsministeriums gemeinsam mit CropLife Asia angeboten werden, um seine Kenntnisse in Pflanzenbau zu erweitern. 

Wang ist davon überzeugt, dass er heute nicht mehr erschrecken würde, wenn dieselbe Krankheit seine Auberginen befiele. Dank neuer Technologien, die er anzuwenden versteht, wären seine Pflanzen gut geschützt. Inzwischen beherrscht er die Methoden zum Schutz seiner Kulturpflanzen und zur Behandlung der meisten Krankheiten. 

Die modernen Methoden und das landwirtschaftliche Know-how machen sich für Wang und seine Familie bezahlt. Seine Frau und er arbeiten auf dem Feld und ernten Gemüse, seit sie Teenager sind. Laut Wangs Frau – die er scherzhaft seinen Finanzminister nennt – ist das jährliche Einkommen, das auf den Ernten der Nutzpflanzen beruht, auf 20.000 Yuan gestiegen – das sind etwa 3.000 US-Dollar. 

Das gestiegene Einkommen hat nicht nur dazu beigetragen, dass sie ihr Haus so schnell nach dem Erdbeben wieder aufbauen konnten. Es stellt auch sicher, dass sie weiterhin in Dünge- und Pflanzenschutzmittel investieren können, um ihre Pflanzen gesund und widerstandfähig zu erhalten. Außer diesen Grundbedürfnissen haben sie zudem jetzt mehr als die Hälfte ihres Einkommens für tägliche Ausgaben zur Verfügung, einschließlich für die Schule ihres Sohnes. 

„Dank besserer Methoden ist auch unsere Landwirtschaft ergiebiger“ sagt Wang Hengming.

Kurz notiert:  

Sichuan, auch Sechuan oder Sezuan genannt, ist eine südwestchinesische Provinz mit der Hauptstadt Chengdu. Gelegen östlich des tibetischen Hochplateaus am Oberlauf des Jangtsekiang bedeutet Sichuan „Vier Flüsse“, weil der Jangtsekiang auf diesem Gebiet vier Zuflüsse aufnimmt. Da die Provinz am Rand der Überschiebungszone der indischen Platte gegen die eurasische Platte liegt, ist sie erdbebengefährdet. Trotz der kontinentalen Lage herrscht in Sichuan subtropisches Klima, und die geschützte Lage im Tal beschert der Ebene 350 frostfreie Tage im Jahr und damit die Möglichkeit für ganzjährige Landwirtschaft. In Sichuan wird vorwiegend Reis angebaut, aber auch Mais, Süßkartoffeln, Weizen, Raps und Soja sowie Obst und Zitrusfrüchte. Außerdem wird in Sichuan Tee von internationalem Rang produziert, der ausschließlich für den Export bestimmt ist.

Hinweis: Dieser Beitrag ist die Übersetzung einer Reportage von CropLife International