Kanada zeigt dem Asiatischen Laubholzbockkäfer die Rote Karte

24.09.2013 Schule & Wissen

Der unliebsame Einwanderer gilt dort dank entschlossener Bekämpfung als ausgerottet. Der Preis: Rund 30 000 Laubbäume mussten fallen

Kanada feiert einen großen Erfolg in der Bekämpfung eines invasiven Schädlings. Nach Angaben des kanadischen Landwirtschaftsministeriums ist es dort gelungen, den Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) wieder auszurotten. Der bis zu 3,5 Zentimeter große Käfer schädigt Laubbäume so stark, dass sie meist absterben. Die wirtschaftlichen Schäden sind schwerwiegend.

Ein Jahrzehnt lang stellten die Kanadier dem Einwanderer nach. Der Käfer, der seit den 70er-Jahren in China zu den gefährlichsten Schädlingen an der Pappel gezählt wird, fiel im Jahr 2003 erstmals in Laubbäumen in Toronto und Vaughan in der Provinz Ontario auf. Forst- und Pflanzenschutzexperten fanden seine Spuren unter anderem in Birken, Ahornbäumen, Pappeln, Weiden und Ulmen. 

30 000 Bäume wurden gefällt

Angesichts der Gefährlichkeit des Asiatischen Laubholzbockkäfers griffen die Behörden entschlossen durch. Im Umkreis von 200 bis 400 Metern rund um die Fundstellen fällten sie alle befallenen und vorsorglich alle gefährdeten Bäume. Um die Ausbreitung des Käfers zu verhindern, mussten rund 30 000 Laubbäume geopfert werden. Der Handel mit Holz, Holzschnitzeln, Rinde oder Jungpflanzen wurde besonders streng reglementiert. Die Maßnahmen zeigten Wirkung. Der Käfer tauchte 2007 zum letzten Mal auf. 2013 erklärte ihn das kanadische Landwirtschaftsministerium für ausgerottet. 

Einfuhr über Holzverpackungen

Der Asiatische Laubholzbockkäfer breitet sich vermutlich über Holzverpackungen aus China, Korea und Taiwan rund um den Globus aus. Er könnte aber auch über lebende Pflanzen wie Bonsais in fremde Länder gelangen. In Europa sorgt er unter anderem in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich für Aufsehen. Dort, wo man ihn findet, kommt in der Regel die Kettensäge zum Einsatz. Die Wurzeln werden aus dem Boden geholt. Anschließend wird alles verbrannt. Ergänzend setzen die Experten im Umfeld der Fundstelle oft vorsorglich Pflanzenschutzmittel ein, die den Käfer während des Reifungsfraßes ausschalten sollen. Die Schwierigkeit: Der schwarze Käfer mit den auffälligen weißen Punkten und den langen Antennen frisst nur an dünnen Kronenästen, wo er nur schwer zu finden ist. Auch den Larven ist kaum beizukommen. Sie stillen ihren großen Appetit mit Vorliebe unter der intakten Rinde im gesunden Holz der Laubbäume. 

Weibchen legen bis zu 200 Eier ab

Der Entwicklungszyklus beträgt in Europa in der Regel zwei Jahre. In Asien ist er bisweilen kürzer: Die Weibchen legen 30 bis 200 Eier einzeln in selbst gegrabene Trichter unter der Rinde ab. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven. In ihren elf verschiedenen Entwicklungsstadien ernähren sie sich von absterbendem und gesundem Holz. Sie bohren dabei bis zu 30 Zentimeter lange Gänge in die Stämme oder Äste. Das kann Ast- oder Stammbruch zur Folge haben. Das Sägemehl schieben sie aus dem Trichter heraus. Die Larven verpuppen sich im zweiten Frühjahr ihres Entwicklungszyklus. Von Juni bis September schlüpfen die Käfer. Nach dem Reifungsfraß und der Kopulation legen die Weibchen die Eier ab. Dabei müssen sie sich sputen. Ein ausgewachsenes Weibchen lebt bis zu 66 Tage, ein Männchen nur bis zu 50 Tage.