Gold für einen Online Simulator

19.02.2014 Schule & Wissen

Training am PC verbessert Leistung auf dem Acker

Virtuelle Autorennen oder Flugsimulatoren für Spielekonsolen oder Smartphones kennt jeder. Jetzt gibt es auch eine Version für Mähdrescher. Allerdings nicht zum Zeitvertreib, sondern für echte Profis. Eine Fachjury hat diesen innovativen Trainingsansatz mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Dr. Hartmut Matthes, Leiter der Claas Academy, erklärt Funktion und Sinn.

Herr Dr. Matthes, was verbirgt sich hinter dem Online Simulator?

Es handelt sich um ein Programm zur Bedienung eines virtuellen Claas Lexion-Mähdreschers. Der Nutzer kann online vom PC aus trainieren und das zu jeder Zeit und von jedem Ort aus. Alle Bedienelemente werden originalgetreu auf dem Bildschirm abgebildet und mit der PC-Maus gesteuert. Hierzu nutzt der Simulator die Original-Software und Daten, die während der Ernte verschiedener Kulturen bei unterschiedlichen Bedingungen ermittelt worden sind. Was passiert, wenn der Mähdrescher zu schnell gefahren wird oder die Maschineneinstellungen bei einem Wechsel von einem Gersten- zu einem erntereifen Weizenacker beibehalten werden? Das sind zwei typische Awendungsbeispiele.

Ist das eher eine nette Spielerei oder hat der Simulator einen handfesten Nutzen?

Wir haben den Simulator vor allem zu Ausbildungszwecken und für Fahrerschulungen entwickelt. Vor folgendem Hintergrund: Die heutigen Landmaschinen – und hier vor allem Erntemaschinen und Traktoren – sind echte High-Tech-Geräte. Die Fahrer werden weitaus stärker als früher gefordert. Es gibt viel mehr Bedienungsvarianten und Einstellmöglichkeiten. Die Maschinen sind leistungsstärker, deswegen sind viele alte und kleinere Maschinen abgeschafft worden. Um das ganze Leistungsvermögen ausschöpfen zu können, sollte der Fahrer bereits vor der ersten Fahrt mit der Technik bestmöglich vertraut sein. Er kann schneller und sicherer mit der Arbeit beginnen. Das spart Zeit und Treibstoff und verringert Ernteverluste.

Von wem und wieso ist Claas dafür ausgezeichnet worden?

Eine Fachjury hat den Online Simulator anlässlich der Agritechnica 2013 in Hannover, der weltweit größten Landmaschinenausstellung, mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Nach den Statuten der Medaillenvergabe sind Neuheiten und Verbesserungen immer dann „preisverdächtig", wenn sie einen Nutzen für Ergonomie, Sicherheit, Umweltschutz oder Wirtschaftlichkeit haben. Wenn also der Fahrer das Leistungspotenzial des Mähdreschers besser und früher ausschöpfen kann, bringt das einen Nutzen für Wirtschaftlichkeit und Umwelt. In der Landtechnik gibt es derzeit nichts Vergleichbares.

Kann man mit Bildschirm und Maus überhaupt die komplexen Arbeiten simulieren?

Ja, denn es geht um das Verhalten der Maschine, das ich über die Abbildung des Bordcomputers auf dem Bildschirm sofort angezeigt bekomme. Fahrgeschwindigkeit, Motordrehzahl oder Dreschleistung und -qualität sowie Körnerverluste und einige weitere Faktoren mehr sind durch Umweltbedingungen und Maschineneinstellungen beeinflusst. Das jeweilige Ergebnis wird sofort sichtbar. Andere Dinge wie das Handling des Mähdreschers mit einem Schneidwerk oder auch Maschinenbewegungen, Geräusche und Vibrationen können nicht simuliert werden. Das ist aber auch nicht so wichtig. Allerdings prüfen wir momentan, ob ein wirklichkeitsgetreues Cockpit mit Bordcomputer, Tastatur und Fahrhebel umsetzbar ist und den Lernerfolg verbessert.

Ab wann und für welche Maschinen und Modelle ist der Simulator online?

Bis dato für den Lexion-Mähdrescher. Die Herausforderung besteht für uns jetzt darin, die entsprechende Servertechnologie bereitzustellen. Denn für jeden User läuft eine individuelle Simulation ab. Das heißt, bei 30 gleichzeitig Lernenden müssen auch 30 verschiedene Simulationen gleichzeitig gerechnet werden. Weitere Maschinen wie selbstfahrende Feldhäcksler oder Traktoren sind in Bearbeitung. Grundsätzlich sollen alle Claas-Kunden die Möglichkeit bekommen, mit "ihrer" Maschine zu üben. Bevor die User aber mit dem Online Simulator beginnen, brauchen sie Grundkenntnisse über das Funktionsprinzip der jeweiligen Maschine und möglichst auch über die Programm- und Menüstruktur des Bordrechners. Dafür bieten wir ebenfalls Selbstlernprogramme an.

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