Wir leben mit Kakerlaken

09.05.2005 Haus & Garten

Wer sie konsequent bekämpft, kann einer massenhaften Vermehrung vorbeugen. Ganz loswerden können wir sie aber nicht.

Weder Eiszeit noch Naturkatastrophen konnten den Kakerlaken in 300 Millionen Jahren Erdgeschichte etwas anhaben. Als blinde Passagiere auf Überseeschiffen haben sie alle Kontinente erobert. Längst tummeln sie sich bei uns nicht mehr nur in Backstuben und Wäschereien. Mit Verpackungsmaterialien, Möbelstücken und sogar im Innenleben von Elektrogeräten versteckt, gelangen sie in unsere Wohnungen.


Sie bringen Krankheiten und Asthma

Schaben, wie die Kakerlaken in Deutschland meistens genannt werden, sind Hygieneschädlinge. Sie übertragen mit ihrem Kot und Kropfinhalt gefährliche Krankheiten wie zum Beispiel Milzbrand, Tuberkulose und Salmonellen . Der Kot kann bei empfindlichen Menschen Allergien und Asthma auslösen. Auch in der Landwirtschaft können Kakerlaken großen Schaden anrichten: Schweine, deren Ställe mit Schaben verseucht sind, fressen weniger und wachsen langsamer.


Ihr Erfolgsrezept: Genügsam und äußerst fruchtbar

Insgesamt sind heute etwa 3 500 Schabenarten erfasst, von denen nur 10 als Schädlinge in Erscheinung treten. Typisch für Schaben ist ihre versteckte Lebensweise: Sichtet man eine bei Tageslicht, ist das meistens ein Zeichen für überfüllte Verstecke. Schaben sind gut zu Fuß. Sogar die kleine deutsche Schabe legt auf der Flucht bis zu 30 Zentimeter pro Sekunde zurück. Schaben sind gen ügsam - wenn ihnen Wasser zur Verfügung steht, kommen sie bis zu 40 Tage ohne Nahrung aus. In Küchen finden sie immer genug zum Leben - schon geringe Essensreste und Wasser im Ausguss reichen. Auf der Suche nach Nahrung überwinden sie erstaunliche Hindernisse, springen und klettern glatte Wände hoch. Typisch ist die starke Vermehrung: Wenn alle Folgegenerationen mit einberechnet werden, kann es eine Amerikanische Schabe während ihres einjährigen Lebens auf mehr als 500 000 Nachkommen bringen.


Versteckt in Sofa und Mikrowelle

Bei uns führt die Deutsche Schabe oder Hausschabe Blattella germanica die Hitliste der schädlichen Schabenarten an. Mit 13 bis 16 Millimetern Körperlänge sind Hausschaben nur etwa so groß wie Fliegen. Sie sind hell- bis dunkelbraun gefärbt, die Weibchen meist dunkler. Die Eibehälter, Ootheken genannt, sind 6 bis 9 Millimeter lang, hellbraun und sichelförmig. Unter optimalen Bedingungen dauert die Entwicklung vom Ei bis zum geschlechtsreifen Insekt nur 40 Tage, in der Regel aber zwei bis drei Monate. Besonders wohl fühlen sich die Hausschaben bei Temperaturen von mehr als 20° Celsius. Sie verstecken sich hinter Waschbecken, Küchenschränken, Scheuerleisten, Türrahmen und in defekten Fugen und Mauerritzen. Auch hinter Wärmeaustauschern von Kühlschränken und in elektrischen Geräten werden die unangenehmen Gäste regelmäßig gefunden.

An trockenen, warmen Orten, gerne auch hinter Möbeln, fühlt sich die Braunbandschabe oder Möbelschabe Supella longipalpa besonders wohl, die weniger Feuchtigkeit benötigt als ihre Artgenossen.


Schrecken der Küchen

Die Orientalische Schabe oder Küchenschabe Blatta orientalis ist auf besonders warme und feuchte Orte angewiesen. Sie besiedelt daher typischerweise Bäckereien, Großküchen, Brauereien, Molkereien und Schlachthöfe, aber auch Wäschereien, Hallenbäder und Toiletten. Die Männchen werden bis zu 27, die Weibchen etwa 32 Millimeter lang. Die ersten Larvenstadien sind hellbraun, die ausgewachsenen Schaben dunkelbraun bis schwarz, die Eipakete dunkel rotbraun.


Die Cucaracha - nun auch bei uns

Die Amerikanischen Schaben Periplaneta americana werden über fünf Zentimeter lang. Ihre Fühler erreichen eine stattliche Länge von bis zu 10 Zentimetern. Sie können im Gegensatz zu vielen anderen Schabenarten gut fliegen und kommen in allen Regionen der Tropen und Subtropen häufig vor. Mittlerweile haben sie auch schon den Weg zu uns gefunden und wurden bereits im Kanalsystem mehrerer Städte in Mitteleuropa entdeckt. Von dort aus ist der Weg in beheizte Gebäude nicht weit...


Die Lust wird ihnen zum Verhängnis

Großküchen müssen regelmäßig vom Fachmann auf Schabenbefall kontrolliert werden. Dies geschieht mit Klebefallen, die mit einem schmackhaften Köder bestückt werden. Angelockte Schaben kleben fest und sind ein wichtiger Hinweis, dass Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen werden müssen.

Als schmackhafte Köder werden auch für die Schaben giftige Ködergele verwendet. Sie haben den Vorteil, dass die Wirkstoffe nicht ausdünsten und das Gel daher lange wirksam bleibt. Auch Kontaktgifte werden eingesetzt, die die Schaben bei ihrer Körperpflege aufnehmen. Jede Maßnahme ist aufwändig und muss über Wochen fortgesetzt werden, da aus den Eipaketen noch über Wochen neue Generationen heranwachsen. Zurzeit beschäftigt sich die Wissenschaft mit neuen Bekämpfungsmethoden, bei denen mit synthetisch hergestellten Sexuallockstoffen liebeshungrige Schädlinge in die Falle gelockt werden.