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Haus & Garten
16.10.2014

Staudengarten Hermannshof – Gestalterische Verdichtung für kleine und große Gärten

Ein Farbenmeer in Gelb und Orange, im Inneren prangen die Wildstauden. Foto: Klaus Niehörster

Der Schau- und Sichtungsgarten für Stauden und Gehölze in Weinheim an der Bergstraße

Die reine Präsentation von Gräsern, Stauden und Gehölzen ist nicht die Sache der Gestalter dieses Schau- und Sichtungsgartens. Sie arbeiten wissenschaftlich und experimentell an der Entwicklung einer zeitgemäßen Pflanzenverwendung. Ein Ziel ist dabei die Etablierung dauerhafter Pflanzungen, die wenig Pflege verlangen und trotzdem über längere Zeit attraktiv bleiben. Hier, im 2,2 Hektar großen Hermannshof, entstehen neue Trends für die Gartengestaltung auf öffentlichen und privaten Flächen. Pflanzengesellschaften, die in der Natur vorkommen, dienen als Vorbilder für die Pflanzenbilder. Aber auch alte, in Deutschland seltene Gehölze sind charakteristisch für den Hermannshof.

147 000 Besucher zieht es pro Jahr in den Hermannshof in Weinheim. Sie begeistern sich für die Pflanzungen und holen sich Anregungen für den Garten zu Hause. Der Schau- und Sichtungsgarten zeigt Pflanzengemeinschaften in den sieben Lebensbereichen Gehölz, Gehölzrand, Freiflächen, Steinanlagen, Wasserrand und Wasser sowie Beet. „Unsere Art der Pflanzenverwendung macht inzwischen Schule“, lässt Professor Cassian Schmidt nicht ohne Stolz vernehmen. Der Gartenleiter erklärt die Kernidee des Hermannshofs, die „gestalterische Verdichtung“.

Gestalterische Verdichtung auf den Einzelflächen   

Schau- und Sichtungsgarten klingt ihm zu akademisch spröde, Sichtungsgarten höre sich zu sehr nach Sortimentsvergleich an. Im Hermannshof geht es um Pflanzengemeinschaften, die für Privatgärten, aber vor allem für das öffentliche Grün von großem Interesse sind. Landschaftsbilder aus aller Welt liefern die Inspirationen. Solche Eindrücke lassen sich zwar nicht eins zu eins auf ein Parkformat zu übertragen, doch gestalterisch verdichtet entsteht amerikanische Prärie- oder asiatische Steppenatmosphäre sogar im Gartenbeet. Die Wirkung der natürlich anmutenden Vegetationsbilder ist im Hermannshof auf jeder einzelnen Fläche zu bewundern.

Multikulti im Schau- und Sichtungsgarten

Das milde Weinbauklima ermöglicht eine ungewöhnliche Pflanzenvielfalt. Über 2 500 Staudenarten und -sorten erwarten neugierige Besucher. Natürlichkeit mit einheimisch gleichzusetzen wäre für die Initiatoren des Hermannhofs zu wenig. „Weltweit schöpfen wir aus der Mitteleuropa vergleichbaren Klimazone“, sagt Cassian Schmidt und weist auf die aus Nordamerika, Ostasien und Zentralasien stammenden Gräser, Stauden, Büsche und Gehölze. Während unsere heimischen Pflanzen ihre Blüte überwiegend im Frühjahr oder Frühsommer haben, blühen die Nordamerikaner im Hoch- und Spätsommer.

Auch der Klimawandel gibt Anstöße, die bis an die Bergstraße spürbar sind. Trockenverträglichkeit ist in Zentralasien für Pflanzen überlebenswichtig. Der Gartenleiter: „Deshalb testen wir diese Pflanzengemeinschaften, die nicht gewässert werden und trotzdem robust und attraktiv sind.“

Natur pur – dank 5 000 Arbeitsstunden im Jahr

„Das passt viel besser in unsere Zeit.“ Cassian Schmidt belegt, warum der Hermannshof so gut ankommt. Er erlebt, dass viele Besucher die gesamte Anlage als natürlich und wie von selbst gewachsen ansehen. Doch da stecken jährlich bis zu 5 000 Arbeitsstunden drin. Immer gibt es etwas zu tun, aber auch zu sehen. Im Winter bleiben die trockenen Pflanzenteile weitgehend stehen, die Fruchtstände bilden dann gerade bei Eis und Schnee bizarre Blickfänge.

Standortgerechte Bepflanzung bringt den Erfolg

Beim Rundgang Mitte August stehen die meisten Stauden in voller Blüte – ein Farbenmeer in Gelb und Orange. Im inneren Bereich prangen die Wildstauden. Auf der Feuchtwiese wachsen Gräser und dekorative Schilfkolben. Die Gehölzränder sind europäischer und asiatischer Herkunft, und besonders farbenprächtig sind der Präriegarten und die nordamerikanischen Beetstauden vor dem Gärtnerhaus. Hier finden sich Hochsommerblüher wie Distel, mediterrane Artischocke und Kugeldistel.

Taschentuchbaum, Gingko, Urweltmammutbaum, orientalische Platane verstärken die exotische Anmutung. Beiläufig berichtet Cassian Schmidt von einer Delegation aus New York, die sich bei ihm über die heimischen Präriepflanzen kundig gemacht hat, um sie anschließend in öffentlichen Parks wie der „Highline“ im Westen von Manhattan anzusiedeln. „Außer uns hat niemand diese Informationen, insbesondere zur Pflege über eine so lange Zeit.“

Mit Anbautipps und Modulen auf dem richtigen Gartenweg

„Es gibt keine Gartenecke, die nicht attraktiv bepflanzbar ist“, gibt Cassian Schmidt dem Besucher mit auf den Weg. Ob es nun im Schatten ist oder auf pulvertrockenem Boden. Entsprechend wurden Staudenmodule als Mischpflanzungen entwickelt. Auf dem Hermannshof werden sie mindestens fünf Jahre getestet, bevor sie in Staudengärtnereien bestellt werden können. Die Gärtnerei vor Ort hat mit ihren Sortenvergleichen die nötigen Vorarbeiten geleistet.

Besonders vorzügliche Stauden erhalten drei Sterne. Dann können Hobby- und Profigärtner ganz sicher sein, dass sich dieses Gewächs in ganz Deutschland bewährt. Ohne Pflege gedeiht allerdings kein Garten, und so wird im Hermannshof jeder Tag für jede Pflanze präzise dokumentiert: Mulchen, Jäten, Winterrückschnitt, wo unbedingt erforderlich, sparsames Düngen und nicht zuletzt der Pflanzenschutz. Welche Pflanze alljährlich durchschnittlich wie viel Pflege pro Quadratmeter braucht, alles ist festgehalten.

Ein Besuch lohnt sich. Der Hermannshof ist seit 1983 ganzjährig, aber nicht täglich geöffnet (Öffnungszeiten beachten!), der Eintritt ist frei.

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