Schädlingsbekämpfung im eigenen Haus

22.07.2010 Haus & Garten

Schädling oder nur Lästling? Davon hängt es ab, ob man selbst bekämpft oder dies einem Profi anvertraut.

Die wichtigsten Schädlinge im häuslichen Bereich sind erstens Ratten, zweitens Schaben. Sie können gefährliche Krankheiten übertragen, Lebensmittelvorräte zerstören und erhebliche Materialschäden verursachen. Wie man solche Mitbewohner im eigenen Heim wieder los wird, darüber sprach Profil mit Rainer Gsell, Bundesvorsitzender des Deutschen Schädlingsbekämpferverbands e.V. (DSV).

Welche typischen Hausschädlinge bekommt auch ein Laie in den Griff?

Grundsätzlich muss man bei der Schädlingsbekämpfung im häuslichen Bereich zwischen echten Schädlingen und solchen „Tierchen“ unterscheiden, die eigentlich nur lästig sind.
Schädlinge sind solche, die als Überträger von Krankheiten die menschliche Gesundheit gefährden können, sich über Lebensmittel hermachen und verschiedenste Materialien anknabbern. Ihre Bekämpfung gehört in die Hände eines Profis, weil langes Herumexperimentieren riskant ist und Misserfolge nicht abgewartet werden sollten. Gegen Lästlinge gibt es wirksame Mittel im Handel, die auch an Laien abgegeben werden. Typische Lästlinge sind zum Beispiel Motten oder Silberfischchen.

Welche Schädlinge kommen bei uns am häufigsten vor?

An erster Stelle stehen Ratten, an zweiter Schaben. Ratten übertragen mehrere gefährliche Krankheiten, zerstören aber auch beispielsweise Elektrokabel. Dadurch können in älteren Gebäuden Brände ausgelöst werden. Schaben oder Kakerlaken sind ebenfalls ernst zu nehmende Hygieneschädlinge, die Milzbrand, Tuberkulose und Salmonellen übertragen können. Bekommt man eine Schabe, gibt es in der Regel bereits Hunderte dieses nachtaktiven Schädlings. Die Bekämpfung ist langwierig und setzt spezielle Kenntnisse zum Lebenszyklus und zum Verhalten der Plagegeister voraus. Bekämpfungsversuche durch den Laien sind daher zum Scheitern verurteilt.

Was ist beim Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmitteln zu beachten?

Wir unterscheiden zwischen frei im Handel erhältlichen Mitteln, die jedermann kaufen kann, und solchen, die nur an den Profi, den Schädlingsbekämpfer, abgegeben werden dürfen. Das ist vergleichbar mit rezeptfreien Arzneimitteln, die man in der Apotheke kaufen kann, und rezeptgebundenen Mitteln, die verschrieben werden müssen. Bei den im Handel erhältlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln müssen allerdings vom Laien unbedingt die Gebrauchsanweisungen oder ggfs. technische Merkblätter befolgt werden – genauso, wie Beipackzettel von Medikamenten.

Sind die Wirkstoffe in Bioziden für den Menschen giftig?

Mittel gegen Warmblüter wie Ratten und Mäuse sind auch für den Menschen giftig. Insektizide können, aber müssen nicht giftig sein. Grundsätzlich dürfen keine Mittel in den Handel gelangen, die bei richtiger Anwendung ein Gesundheitsrisiko für den Menschen oder für andere Tiere darstellen. Fraßköder für die Bekämpfung von Mäusen, die versehentlich in die Hand von Kindern gelangen könnten, sind zum Beispiel mit Bitterstoffen versetzt, so dass sie sofort ausgespuckt würden. Die Wirkstoffe in Fraßködern sind so „verpackt“, dass sie nicht ausdünsten. Anders sieht es bei Aerosolen aus, die versprüht werden. Bei falscher Anwendung können sie eingeatmet werden. Wird die Gebrauchsanweisung jedoch eingehalten, besteht kein Risiko, weil die für den Innenbereich zugelassenen Wirkstoffe schnell abgebaut werden und keine gesundheitsgefährdenden Rückstände hinterlassen.

Wie ist die Schädlingsbekämpfung mit Naturstoffen zu bewerten?

Naturstoffe sind nicht per se harmloser als chemische Mittel, deren Wirkungsweisen sehr genau untersucht werden. Ein Beispiel für einen gefährliches Naturprodukt ist Nikotin, das in selbst hergestelltem Tabaksud enthalten ist. Der Tabaksud wird gegen Pflanzenläuse empfohlen, ist aber auch für den Menschen hochgiftig. Leider wird das bei der Anwendung solcher vermeintlich harmloser Hausmittelchen oft vergessen.

Wie wird der Verbraucherschutz bei der Schädlingsbekämpfung gewährleistet?

Die gesetzlichen Anforderungen an Schädlingsbekämpfungsmittel sind in der Biozid-Produkte-Richtlinie festgelegt. Nach ihr müssen alle Mittel zugelassen sein und teilweise sogar strengere Anforderungen erfüllen als sie für den Pflanzenschutz gelten. Das Vorsorgeprinzip geht in diesem Bereich so weit, dass manches Hausputzmittel bedenklicher ist als das, was unter die Biozid-Richtlinie fällt. Das hat leider auch die Konsequenz, dass teure Zulassungsverfahren für bewährte Mittel aus Kostengründen nicht mehr angestrebt werden. Zum Beispiel gibt es keine Zulassung mehr für das preiswerte wie harmlose Kokosöl, mit dem in der Vergangenheit Insekten wie Pflanzenläuse, Motten und Silberfische im Hausbereich erfolgreich bekämpft werden konnten.