Mehltau gefährdet Apfelernte 2007

27.03.2007 Haus & Garten

Ausgefallener Winter begünstigt Mehltau und verursacht hohen Krankheitsdruck

Der nahezu frostfreie Winter wird für Hobby- und Erwerbsgärtner einige Spätfolgen und unangenehme Überraschungen bereithalten. Das Pflanzenschutzamt Berlin rechnet unter anderem mit starkem Mehltaubefall an Äpfeln und Stachelbeeren. Wer jetzt die richtigen Maßnahmen ergreift, kann dennoch einen Teil der Ernte sichern und die Weichen für 2008 richtig stellen.

Sporen in den Startlöchern

Der Mehltau sitzt bereits in den Startlöchern. Nach Beobachtungen des Berliner Pflanzenschutzdienstes hat der Pilz die „kalte“ Jahreszeit nahezu schadlos in Blüten- und Blattknospen überstanden. In Normaljahren sorgen Frostperioden dafür, dass die erkrankten Knospen vorzeitig absterben. Mit ihnen stirbt der Mehltaupilz, der zum Überleben auf intaktes Pflanzengewebe angewiesen ist. Sobald sich die Knospen in diesem Frühjahr öffnen, befallen große Mengen freiwerdender Sporen umliegendes Pflanzengewebe.

Weißlicher Belag auf Blättern und Trieben

Infizierte Knospen sind an ihrer schlanken bzw. spitzen Form mit abgespreizten Schuppen zu erkennen. Sie befinden sich häufig an den Zweigspitzen und treiben verspätet aus. Gesunde Knospen sind hingegen rund und voll. Kann sich der Mehltau im Frühjahr ungestört entwickeln, befällt er nach und nach alle Pflanzenteile: Blüten, Blätter, Triebe und Früchte. Der Pilz ist gut zu erkennen, da er Blätter ober- oder beidseitig und auch Triebe mit einem weißlichen Belag überzieht. Die Blätter wachsen steil nach oben und bleiben klein und schmal. Sie rollen sich von den Blatträndern her ein, werden hart und brüchig und fallen später ab. Infizierte Früchte zeigen eine netz- oder gitterartige Berostung an der Oberfläche. Bei sehr starkem Befall drohen Totalverluste. Wer nichts dagegen tut, gefährdet auch die Ernte des folgenden Jahres. Der Pilz wächst nämlich von den befallenen Blättern stielabwärts und dringt bereits im Sommer in die neuen Knospen ein. Diese dienen ihm als Winterquartier und bilden den Ausgangspunkt für den Befall im Frühjahr 2008.

Strategie 2007: Zuerst reagieren ...

Wer im Rahmen des Winterschnitts die infizierten Knospen noch nicht entfernt hat, der sollte spätestens kurz vor dem Austrieb kontrollieren und befallene Triebe bis ins gesunde Holz zurückschneiden. Da an vielen Bäumen ein Großteil der Knospen betroffen ist oder mittlerweile bereits ausgetrieben sind, empfehlen Experten schon zum Mausohrstadium, wenn an den Knospen die ersten zarten Blattspitzen zu sehen sind, zugelassene Mehltaumittel zu spritzen. In der Folgezeit werden mehrere Behandlungen fällig, um den Pilz in Schach zu halten. Je schöner das Wetter – der Mehltau liebt sonnige Tage mit Taubildung in den Nächten - und je anfälliger die Sorte, desto häufiger sind sie erforderlich. Informationen zu geeigneten Präparaten und Spritzfolgen erteilen die zuständigen Pflanzenschutzdienste.

… dann vorbeugen

Doch mit der Bekämpfung der Symptome ist es nicht getan. Bereits in 2007 sollte der Obstfreund vorsorgen. Die wichtigste Maßnahme ist der Obstbaumschnitt. Er hilft sowohl im Sommer als auch im Winter, den Infektionsdruck im darauf folgenden Frühjahr zu senken. Das Material kann bedenkenlos kompostiert werden, weil der Pilz ja nur am lebenden Gewebe überdauern kann. Wer neue Bäume pflanzt, sollte über geeignete Sorten nachdenken. Zu den widerstandsfähigen Sorten zählen z.B. Gloster, Boskoop, Alkmene und Berlepsch sowie die „Re“-Sorten Reka, Relinka, Retina und Rewena. Mittel bis stark anfällig sind hingegen z.B. Jonagold, Elstar, Jonathan, Cox Orange und Rubinette. Da sich der Pilz besonders gut unter taunassen Bedingungen entwickeln kann, spielt auch die Luftzirkulation am und im Baum eine Rolle. Ausreichende Pflanzabstände zu Nachbarbäumen oder Gebäuden und nicht zu dichte Kronen beschleunigen das Abtrocknen.

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