Forstwirte fürchten die Einschleppung der Kiefernholznematoden

01.04.2014 Forschung & Technik

Wissenschaftler suchen Methoden um dem Quarantäneschädling zu Leibe zu rücken

Die ersten Erfolge stellen sich ein, aber die Gefahr ist keineswegs gebannt. Der Kiefernholznematode (Bursapehelenchus xylophilus) bleibt der Schrecken der Forstwirte. Erst recht, wenn es durch den Klimawandel auch in Deutschland wärmer werden sollte. Der etwa ein Millimeter lange Fadenwurm liebt im Juli und August Tagesmitteltemperaturen von mehr als 20 Grad Celsius. Dann vermehrt er sich rasant und schädigt seine Wirtsbäume bis zum Absterben. „Zur Bekämpfung ist derzeit die Fällung der befallenen Bäume und die vorsorgliche Fällung von Nachbarbäumen der einzig vernünftige Weg“, meint Dr. Thomas Schröder vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig. Der Wissenschaftler arbeitet mit Waldschutzexperten auf internationaler Ebene darauf hin, dass der gefährliche Schädling nicht weltweit weiter verschleppt wird und in den betroffenen Kiefernwäldern möglichst ausgerottet werden kann. Dummerweise, so Schröder, seien aber gerade die Kiefern sehr anfällig.

Ein „Kind der Globalisierung“

Der Kiefernholznematode ist ein „Kind der Globalisierung“. Anfang des 20. Jahrhunderts reiste er in befallenem Holz von Nordamerika nach Japan. In China, Taiwan und Südkorea macht er sich seit etwa 30 Jahren mit zerstörerischer Kraft über die Kiefernwälder her. 1999 zog es ihn, vermutlich im Verpackungsholz, nach Europa. In Portugal treibt er seitdem sein Unwesen und lässt die Wälder der Seestrandkiefer sterben. Auch Spanien registrierte Funde in vier Gebieten. Nachdem dort alle Nadelbäume im Abstand zwischen 500 und 3000 Metern gerodet wurden, gilt der Nematode an drei Fundorten praktisch als ausgerottet. Die Bäume stehen aber noch unter Beobachtung. Eine offizielle Ausrottungserklärung ist erst nach vier Jahren möglich. Der vierte Fund kam Ende 2013 ans Licht. Hier gelten nun strengste Quarantäneregeln, wie Schröder berichtet.

Kleiner Nematode mit großen Auswirkungen

Der Kiefernholznematode kommt allerdings niemals alleine. Er braucht Bockkäfer der Gattung Monochamus als Vehikel, um von einem Baum auf den anderen zu gelangen. Die Käfer schlüpfen im Holz. Die Nematoden nisten sich beispielsweise unter deren Flügeldecken ein. Beim Reifungsfraß der Käfer an gesunden Bäumen oder während der Eiablage werden die Nematoden übertragen. Der Kiefernholznematode ist zwar nur etwa einen Millimeter lang, verursacht aber gewaltige Schäden. Die befallenen Kiefern zeigen Welkeerscheinungen und können innerhalb weniger Monate absterben.

Monitoring ist das A und O

Thomas Schröder arbeitet mit Wissenschaftlern aus allen Befallsregionen daran, den Nematoden wirkungsvoll zu Leibe zu rücken. Eine vielschichtige Herausforderung. Zum einen ist der Nematode nicht mit bloßem Auge zu erkennen, sondern nur durch Laboruntersuchungen nachweisbar. Außerdem können die Welkeerscheinungen an Kiefern vielerlei Ursachen haben. „Monitoring ist daher das A und O. Wir müssen einen Befall frühzeitig entdecken“, meint Schröder.

Mit Fallen den Transportkäfer aufspüren

Deshalb beschäftigen sich die Wissenschaftler in besonderer Weise mit dem „Käfertaxi“. Dabei geht es sowohl um dessen Biologie als auch um die Entwicklung von Fallensystemen. Trichterfallen mit Lockstoff zeigen erste Erfolge. Die Fallen dienen auch dazu, herauszufinden, wie weit die Käfer fliegen. Nach bisherigen Erkenntnissen, sind es in der Regel einige hundert Meter. „Es gibt aber durchaus auch einige Pioniere, die weiter fliegen“, berichtet Schröder. Aus der Analyse des Flugverhaltens der Käfer leiten die Wissenschaftler ab, wie groß eine Kahlschlagzone rund um ein Befallsgebiet sein müsste. In Portugal zeigt es Wirkung, alle Wirtspflanzen aus einer befallenen Zone zu entfernen.

Insektizidbehandlung wird noch erforscht

Darüber hinaus forschen die Experten daran, Holz und Rinde zur Bekämpfung des Nematoden mit Heißdampfverfahren zu behandeln oder als Vorsorgebehandlung Insektizide mit Druck in die Leitungsbahnen der Bäume zu spritzen. „Je nach Pflanzenschutzmittel könnte das neben der Einwirkung auf den fressenden Käfer auch eine nematizide Wirkung  haben. Das Verfahren ist aber noch nicht praxisreif“, erklärt Schröder.

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