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Forschung & Technik
18.02.2005

Entwicklungsländer setzen auf Gentechnik

Chinesische Kleinfamilie sortiert geerntete Baumwolle. Quelle: AgrarService.

Staatliche Forschungsinstitute in Ländern der Dritten Welt entwickeln gentechnisch veränderte Nutzpflanzen

61 staatliche Forschungseinrichtungen in 15 Ländern* der Dritten Welt nehmen gemeinsam mit dem International Food Policy Research Institute (IFPR, Washington, DC) an einer Studie teil, die den aktuellen Stand der Forschung, genetischer Ressourcen und die Rolle staatlicher Institute bei der Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen (GV-Pflanzen) in die landwirtschaftliche Praxis analysieren soll. Über erste Ergebnisse wurde in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Nature Biotechnology berichtet.

Verbesserung der Lebensqualität

76 Prozent der insgesamt 201 erfassten Forschungsprojekte können einen direkten Einfluss auf die Wirtschaft dieser Länder und die Lebensqualität der Bevölkerung haben. Grundsätzlich können alle ertragssteigernden Eigenschaften neuer Pflanzensorten die Wirtschaft dieser Länder stärken und die Ernährung der Menschen sichern. Die Umsetzung in die Praxis ist bisher aber nur im Falle von insektenresistenter Baumwolle in China gelungen. In der Studie werden die Merkmale von GV-Nutzpflanzen herausgestellt, die abgesehen von ökonomischen noch weitere Vorteile bieten:

Resistenz gegen Schadinsekten

Allein 35 Forschungsvorhaben befassen sich mit Nutzpflanzen, die gegen Schadinsekten resistent werden sollen. Das zeigt die große Bedeutung dieser Eigenschaft in Entwicklungsländern. Resistente Nutzpflanzen ermöglichen es den Bauern, bei einem Befall mit bestimmten Insekten auf chemische Maßnahmen der Bekämpfung zu verzichten.

Resistenzen gegen Viren, Bakterien und Pilze

Im Rahmen der Studie wurden 84 Vorhaben erfasst, die eine dieser Resistenzen zum Ziel haben, um Schaderreger zu bekämpfen, gegen die es keine Pflanzenschutzmittel gibt.

Stresstoleranz gegenüber Umwelteinflüssen

Pflanzen, die Versalzung und Trockenheit weitgehend tolerieren, machen einen Anbau auch auf solchen Standorten möglich. Diese Eigenschaften werden vor dem Hintergrund der vorrückenden Wüsten immer wichtiger. Eine Fragestellung, mit der sich allein elf der 201 Forschungsvorhaben befassen.

Bessere Qualität

Die Qualität der Nutzpflanzen steht bei 15 Vorhaben im Mittelpunkt. Davon haben fünf die Erhöhung des Nährwerts, sechs eine bessere Lagerfähigkeit und vier veränderte Inhaltsstoffe wie zum Beispiel einen höheren Zuckergehalt zum Ziel.

Versorgung mit Impfstoffen

In neun der erfassten Vorhaben zielen die gentechnischen Veränderungen auf die Herstellung von Impfstoffen aus Pflanzen.

Hitliste der Fremdgene

Zu den wichtigsten Genen, die derzeit an nationalen Forschungseinrichtungen der teilnehmenden Länder auf Nutzpflanzen übertragen werden, zählen laut Studie die Cry-Gene des Bacillus thuringiensis (Bt). Diese Gene schützen die Pflanzen vor Raupenfraß. Zur zweitwichtigsten Gruppe zählen Gene, die die Pflanzen gegenüber Viren resistent machen. An dritter Stelle rangieren Gene, die die Pflanzen gegenüber bestimmten Unkrautbekämpfungsmitteln unempfindlich machen. (Herbizidtoleranz). Mehr als zwei Drittel aller Feldversuche (Tests neuer Sorten unter Praxisbedingungen) betreffen Pflanzen, deren einzupflanzende Gene eine dieser drei Wirkungen entfalten. Die meisten gentechnischen Veränderungen werden bei Getreide vorgenommen; am häufigsten sind ihrer Bedeutung entsprechend Reis und Mais betroffen. Es folgen Gemüse wie z.B. Tomaten, Früchte (Papaya) und Knollen (Kartoffeln). In mehreren Forschungseinrichtungen verschiedener Länder in Afrika und Asien spielt auch Baumwolle eine Rolle.

Asien forscht am intensivsten

Die meisten Forschungsarbeiten wurden in sieben asiatischen Ländern ermittelt. Allein in China wird an 30 verschiedenen Vorhaben gearbeitet. 21 sind es in Indien und 17 auf den Philippinen. 54 Vorhaben gibt es in Afrika, davon 20 in Südafrika und 17 in Ägypten. In Lateinamerika wird in Argentinien, Brasilien, Mexiko und Costa Rica geforscht. Mit 21 Projekten vereint Argentinien die meisten auf sich.

Hindernisse bei der Umsetzung in die Praxis

Während kommerziell entwickelte und in westlichen Ländern zugelassene GV-Pflanzen in den ärmeren Ländern bereits erfolgreich sind, finden die von den staatlichen Forschungsinstituten vor Ort entwickelten Sorten offenbar den Weg zu den lokalen Farmern bisher nicht. Und dies, obwohl gerade diese Sorten auf ihre speziellen Anforderungen zugeschnitten sind. Ein unüberwindliches Hindernis scheinen die behördlichen Zulassungen vor Ort zu sein. Das bietet den Landwirten die Möglichkeit, auf der lokalen Ebene nicht zugelassene westliche Pflanzensorten anzubauen. Dabei können Lizenzgebühren gespart und Fragen des geistigen Eigentums umgangen werden, heißt es abschließend in dem Bericht.

* Ägypten, Kenia, Südafrika, Zimbabwe, China, Indien, Indonesien, Malaysia, Pakistan, Philippinen, Thailand, Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Mexiko

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Maik Baumbach

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