Autopiloten auf dem Acker für mehr Präzision in der Landwirtschaft

25.02.2010 Forschung & Technik

Neue Lenksysteme entlasten Fahrer und Umwelt

Augenmaß ist gut - ein präzises Lenksystem ist besser, wenn man auf dem Acker zentimetergenau arbeiten will. Die Systeme versprechen Vorteile für Landwirte und Umwelt. Dabei sorgt die Technik dafür, dass der Traktorfahrer mit seinen Maschinen keine noch so kleine Teilfläche seines Ackers doppelt bearbeitet oder auslässt. Präzisions-Landwirtschaft war ein Megatrend auf der Agritechnica, der weltweit bedeutendsten Landtechnikmesse im November 2009 in Hannover.

„Autopilot“ – dieser Begriff ist aus dem Flugverkehr bekannt. Ist der Autopilot eingeschaltet, kann sich der Fahrer voll auf andere Steuerungs- und Kontrollaufgaben konzentrieren. Satellitensignale und Lenkhilfen nehmen dem Landwirt die mit der Zeit ermüdende Lenkarbeit komplett ab.

Effizienter und umweltschonender

Es ist sinnvoll, den Acker möglichst genau zu bearbeiten. So wird jeder Quadratzentimeter der Flächen bei jedem Arbeitsgang nur einmal bearbeitet. Für Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen bedeutet das, keine Teilfläche wird doppelt behandelt, keine ausgelassen. So vermeidet der Landwirt Über- oder Unterdosierungen. Das ist gut für die Umwelt und fürs Portemonnaie. Auch bei der Bodenbearbeitung gibt es keine Überlappungen mehr. Das spart Diesel, Arbeitszeit und Maschinenkosten. Selbst bei der Aussaat ist das genaue Anschlussfahren an die bereits bearbeitete Fläche von Vorteil. Damit erhalten die Kulturpflanzen jeweils den optimalen Abstand zueinander. Übergroße Pflanzenlücken, in denen sich gerne Unkräuter oder Ungräser breitmachen, gehören der Vergangenheit an.

Wie von Geisterhand gesteuert

Bereits Mitte der 1990er Jahre begann die Entwicklung von so genannten Parallelfahrsystemen. Sie zeigen dem Fahrer mit Hilfe der Satellitenortung auf einem Display an, ob er seine Spur hält oder ob er etwas nach rechts oder links lenken muss. Dies ist aber nur der Anfang der Entwicklung. Lagen früher die Ungenauigkeiten bei über 30 Zentimetern, so weichen moderne Verfahren mittlerweile maximal zwei bis drei Zentimeter von der Ideallinie ab. Um die Fehlerquellen bei der Positionsbestimmung durch GPS-Signale möglichst gering zu halten, berücksichtigt der Computer auf dem Traktor die Korrektursignale einer festen Referenzstation, zum Beispiel auf dem Scheunendach des Betriebs. Hier kommt der Mensch an seine Grenzen: Bei Fahrgeschwindigkeiten über zehn Stundenkilometer auf holprigem Untergrund kann der Fahrer beim besten Willen nicht auf wenige Zentimeter genau steuern. Seit einigen Jahren können elektronische Lenkassistenten diese Aufgabe übernehmen. Hier dreht ein Elektromotor das Lenkrad oder ein Automat greift direkt in die Lenkhydraulik ein. So wird die Fahrtrichtung des Traktors permanent blitzschnell und exakt korrigiert. Das lässt dem Fahrer Freiraum für andere Aufgaben. Er kann mit Hilfe der Kontrollinstrumente genau überwachen, ob alles ordnungsgemäß funktioniert. Ins Lenkrad greift er nur noch, wenn er Hindernisse umfahren oder am Ende des Feldes wenden muss.

Bei Nacht und Nebel

Besonders nützlich sind Lenksysteme bei schwierigen Arbeitsbedingungen wie Dunkelheit und Nebel. Ohne technische Hilfe leidet die Arbeitsqualität oder die Arbeit muss aufgeschoben werden. Die teuren Maschinen machen sich auch deshalb bezahlt, weil sie praktisch jederzeit einsatzfähig sind. Die GPS-Daten ermöglichen aber weit mehr als das genaue Anschlussfahren. Stellt der Bordrechner fest, dass eine Fläche zum Beispiel bereits mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde, sperrt er die Düsen – je nach Bedarf ganz oder teilweise. Ebenso kann er die Arbeitsbreite variieren. Bei Bedarf werden nur Teilbreiten angeschaltet. Bei Arbeitsbreiten von 27 und mehr Metern, die kaum zu überblicken sind und bei Feldern, die nicht rechteckig sind, ist die Elektronik eine große Hilfe für den Fahrer.