Trauben aus dem eigenen Garten

07.09.2017 Haus & Garten

Süß und saftig im Spätsommer und Herbst

Wenn die Erdbeeren schon in der Kühltruhe sind, die Blaubeersaison ebenfalls vorbei ist, die Apfelernte dagegen in vollem Gange, dann ist auch die Zeit gekommen, seine selbst angebauten Tafeltrauben zu ernten. Wer einen grünen Daumen hat, kann mit Trauben im Garten seine Pergola oder Galerie verschönern, ein Spalier begrünen oder mit den Reben eine schmückende Girlande am Haus bilden, und hat nebenbei noch den Nutzen der süßen Herbstfrüchte.

Über die Römer kam die Weinrebe aus dem Mittelmeerraum zu uns. Ihre Früchte, die Weintrauben, kann man als Keltertrauben zu Wein verarbeiten oder als Tafeltrauben als Obst essen. Für die unterschiedlichen Zwecke gibt es unterschiedliche Rebsorten. Trauben zum Essen werden eher größer gezüchtet, sie sollen wenig Säure und wenig oder keine Kerne enthalten. Traubensorten für die Weinherstellung sind dagegen eher kleinbeerig, haben eine festere Haut, einen höheren Säuregehalt und viele Kerne.

Übrigens: Trauben reifen nach der Ernte nicht nach, sie gehören genauso wie Erdbeeren, Heidelbeeren, Zitronen oder Ananas zu den „nichtklimakterischen Früchten“.

Die richtige Erziehung für den jeweiligen Zweck

Im Prinzip können Tafeltrauben in jedem Hausgarten angebaut werden. Genügend Sonne, am besten an der Südseite, sollte allerdings gewährleistet sein. Weinreben sind wüchsige Kletterer. Ihre Triebe fixieren sie mit Sprossranken an der Oberfläche von Holz, Metallgittern oder Hauswänden. Wenn man sie nicht zurückschneidet, können sie mit einer passenden Kletterhilfe bis zu 10 Meter in die Höhe klettern. Das will aber im Hausgarten meist niemand, und so sollte man ihren Wuchs durch gezieltes Zurückschneiden im Zaum halten und die Rebe sozusagen nach Wunsch formen. Nichts anderes wird im professionellen Weinbau auch gemacht: der Fachausdruck dafür ist Reberziehung.

Den richtigen Standort und die passende Sorte auswählen

Trauben brauchen einen warmen und sonnigen Standort, um gut auszureifen. Kühle Regionen sind etwas ungünstiger für den Anbau, doch mit einem guten Kleinklima an der Südseite mit ausreichender Belüftung, regengeschützt und ohne Staunässe lassen sich früh reifende Trauben durchaus anbauen. Ein tiefgründiger mineralischer Boden, der sich im Frühjahr schnell erwärmt, ist vorteilhaft. Es empfiehlt sich der Kauf im Fachhandel, wie etwa einer Baum- oder Rebschule, hier gibt es auch gleich Anbauratschläge dazu. Wein- und Tafelreben werden als Edelreis auf speziellen Wurzelunterlagen veredelt, damit sie resistent gegen Reblausbefall sind. Weitere Kaufkriterien sind neben dem Geschmack und der Vorliebe für rote oder weiße Trauben etwa Frosthärte und Pilzresistenz. Echter oder Falscher Mehltau sowie Grauschimmel (Botrytis) können nämlich die Ernte vermiesen. Relativ pilzfeste Sorten sind beispielsweise Moldawa, Theresa, Romulus, Calastra oder Solotoi Don. Doch auch bei diesen kann Mehltau auftreten, der mit Netzschwefel, Kupferpräparaten und anderen im Haus- und Kleingarten zugelassenen Fungiziden behandelt werden kann.

Fachgerechter Schnitt verhindert Pilzbefall und bringt Ertrag

Ab Mitte April kann die Weinrebe gepflanzt werden. Containerware kann direkt ins Pflanzloch gegeben werden. Eine nicht zu stickstoffreiche Düngung, gerne mit Kompost, vermindert das Risiko von Blattkrankheiten. Hobbygärtner sollten darauf achten, Sorten mit geringem Pilzbefallsrisiko zu kaufen. Ein regelmäßiger Schnitt ist notwendig. Dabei müssen unter anderem die Geiztriebe (Triebe nach und zwischen den Haupttrieben) und ein zu dichtes Blattwerk in der Nähe der Trauben entfernt werden, damit die Weinrebe gut nach oben wächst sowie Fäulnis und Pilzkrankheiten verhindert werden. Neulinge sollten sich gegebenenfalls den Rat vom Fachmann einholen. Die Blütezeit der Rebe ist von Mitte Mai bis Mitte Juli. Die kleinen gelbgrünen Blüten sind zwittrig und bilden eine dichte Rispe, aus denen sich schließlich die Weintrauben, genaugenommen die Weinbeeren, entwickeln.

Mitesser am Mitessen hindern

Wenn die Trauben reifen, freuen sich auch viele Insekten, vor allem aber Vögel im Garten. Engmaschige Netze helfen zumindest gegen Vogelfraß. Die Reblaus spielt als Mitesser aufgrund der resistenten Wurzelunterlage keine Rolle mehr. Seit einigen Jahren ist aber die Kirschessigfliege auf dem Vormarsch und legt ihre Eier in die reifenden Weinbeeren ab. Ab Ende August, meist im September, späte Sorten sogar erst im Oktober, sind die Trauben im Garten dann reif und können gepflückt werden. Jeder Tag mehr Sonne versüßt übrigens die Wartezeit. Die Tafeltrauben können direkt „von der Hand in den Mund“ gegessen werden. Sie lassen sich aber auch mit einer Saftpresse zu leckerem Traubensaft für eine erfrischende Traubensaftschorle veredeln, in einem Kuchen unterbringen oder zu Gelee für die Wintermonate verarbeiten. Sogar die Blätter können in der Küche verwendet werden, etwa als gefüllte Weinblätter mit Reis, Hackfleisch oder Gemüse.