Intensive Landwirtschaft und Klimaschutz – kein Widerspruch

Die globale Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Bis zum Jahr 2050 gilt es, rund neun Milliarden Menschen zu ernähren. Nach Schätzung der Vereinten Nationen müssen die Landwirte bis Mitte des Jahrhunderts ihre Produktion um 70 Prozent steigern. Gleichzeitig ist eine nachhaltige Landwirtschaft dem Klimaschutz verpflichtet. Lebensmittel müssen so klimaschonend wie möglich produziert werden. Dies kann die Landwirtschaft nur leisten, wenn sie alle Möglichkeiten nutzt, möglichst hohe Erträge auf möglichst wenig Fläche zu erwirtschaften. Technik, Züchtung, landwirtschaftliches Know-how und die ertragssteigernden Faktoren Pflanzenschutz und Düngung gehören ebenso dazu wie die neuesten Erkenntnisse der Agrarforschung. Wenn es gelingt, auf den vorhandenen Nutzflächen genügend Ertrag zu erzielen, werden andernorts wichtige Naturräume, wie Wälder, Moore und Grasland erhalten. Diese sind für den Klimaschuzt wichtig, denn sie binden Treibhausgase.

Emissionen der Landwirtschaft in falschem Licht: Auf den Ertrag kommt es an

Was ist die beste Lösung für nachhaltigen Klimaschutz?  Sonnenenergie, vegane Ernährung oder die Einstellung des Flugverkehrs, wie oft zu hören ist? Gerne wird auch eine Landwirtschaft ohne Agrochemie gefordert, um die Ziele des Klimaschutzes zu erreichen. Doch wie stichhaltig ist diese Forderung? Gewinnt das Klima wirklich, wenn in aller Welt nur noch Ökolandbau betrieben wird? Das Argument klingt verführerisch. Denn lohnt der Aufwand der industriellen Produktion chemischer Pflanzenschutzmittel ? Ist nicht gerade die Herstellung synthetischer Stickstoffdünger sehr energieintensiv?

Auf den ersten Blick schon: Vergleicht man die Emissionen eines ökologisch bewirtschafteten Hektars Ackerland mit denen eines konventionell bebauten, steht der ökologische Landbau zunächst besser da. Doch eine Betrachtung, die sich nur auf die bewirtschaftete Fläche konzentriert, greift zu kurz. Sie blendet aus, dass die Ernteerträge der konventionellen Landwirtschaft annähernd doppelt so hoch sind wie die des Ökolandbaus. Schaut man also nicht nur auf die bewirtschaftete Fläche, sondern auf die Emissionen pro Getreideeinheit, wendet sich im Ackerbau das Bild. Bei einem Vergleich der Gesamtemissionen einer Fruchtfolge weisen ökologisch bewirtschaftete Ackerbaubetriebe im Vergleich zu konventionellen Betrieben deutlich höhere Treibhausgasemissionen auf. Moderne intensive Landwirtschaft und Klimaschutz gehen daher Hand in Hand.

Pflanzenschutz und Düngung wichtig für den Klimaschutz

Klimaschutz durch intelligente LandnutzungDie nach wie vor wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft ist es, die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln weltweit zu decken. Das kann nur auf zwei Wegen erfolgen: Entweder wird die Produktion auf bestehenden Anbauflächen gesteigert oder neue Flächen müssen unter den Pflug genommen werden. Aus Klimaschutzgesichtspunkten ist die extensive Option – mehr Land für die Landwirtschaft – nicht nachhaltig. Auch nach Schätzungen eines Bio-Interessenverbandes der müsste allein in Deutschland 69 Prozent mehr Fläche landwirtschaftlich genutzt werden, wenn die gleiche Menge Lebensmittel ausschließlich nach den Regeln des Ökolandbaus produziert würde. Anders ausgedrückt: Durch integrierte landwirtschaftliche Produktion werden Ökosysteme wie Wälder, Moore oder Grasland geschützt und bewahren damit ihre Funktion als Kohlendioxidspeicher.

Jährlich sparen Pflanzenschutz und Düngung 1,6 Milliarden Tonnen Treibhausgase ein. Denn so viel Treibhausgas bindet das Land, das weltweit zusätzlich bewirtschaftet werden müsste, um die gleiche Menge Lebensmittel ohne Pflanzenschutz und Düngung zu produzieren.

Auch der Weltklimarat IPCC nennt höhere Erträge und veränderte Landnutzung im Pflanzenbau bei den Einsparpotenzialen für den Klimaschutz an vorderster Stelle. Indem sie den Ertrag steigern, ohne zusätzliche Fläche zu verbrauchen, helfen Pflanzenschutz- und Düngemittel, den Treibhausgasausstoß pro Getreideeinheit zu senken. Sie sind wichtige Hilfsmittel beim Klimaschutz.