Antonia Küter: ein Gesicht der modernen Landwirtschaft

23.03.2017 Schule & Wissen

Authentische Information statt Fake News

Die 22-jährige Landwirtschaftsstudentin Antonia Küter ist eine von etwa 200 AgrarScouts. AgrarScouts sind Landwirte, agrarwissenschaftliche Studenten, Berater oder Mitarbeiter von Unternehmen der Agrar-Branche. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern will Antonia den Dialog zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern stärken. Denn es geistern zu viele falsche Meldungen und Vorstellungen durch die Öffentlichkeit. „Mit uns statt über uns reden“ lautet ihre Devise.

Antonia, wie bist Du ein AgrarScout geworden?

Ich habe über Facebook von den AgrarScouts erfahren und gleich mitgemacht. Im Herbst 2015 suchte das Forum Moderne Landwirtschaft (FML) erstmalig Menschen aus der Landwirtschaft, die Besuchern der Internationalen Grünen Woche 2016 in Berlin Rede und Antwort stehen wollten. Wir AgrarScouts waren dann im ErlebnisBauernhof in Halle 3.2 aktiv. Dort gab es Maschinen, Tiere, Pflanzen und die Verarbeitungsketten vom Hof bis zu fertigen Produkten zu erkunden und dem Messepublikum zu erklären. Das hat mir viel Spaß gemacht, und so war ich 2017 wieder mit dabei.

Welche Motivation steckt hinter Deinem ehrenamtlichen Engagement?

Das Gespräch mit den Verbrauchern steht für mich im Vordergrund. Ich will über die Leistungen und die Verantwortung unserer heutigen modernen Landwirtschaft sprechen und auch Probleme offen diskutieren. In der Öffentlichkeit wird nämlich leider zu oft ein falsches Bild gezeichnet. Nur die wenigsten Menschen kennen die Realität auf den Höfen. Dabei geht es mir nicht darum, Andersdenkende zu irgendetwas zu überreden oder sie zu bekehren. Vielmehr möchte ich Besucher dazu motivieren, Landwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und zu bewerten. Meine Familie bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit Direktvermarktung in der Nähe von Eberswalde. Ich kann also aus erster Hand informieren.

Wie sind die Begegnungen mit den Besuchern verlaufen?

Interessierte Besucher des ErlebnisBauernhofs habe ich bewusst angesprochen und gefragt, ob sie sich Landwirtschaft so vorstellen würden, und anschließend gesagt, dass ich selbst auf einem Hof lebe. So entwickelten sich oft spannende Gespräche, in denen ich viel über die Denkweise, Nöte und Sorgen meiner Gesprächspartner erfuhr und ich ihnen einen ungeschminkten Einblick in die Praxis geben konnte. Es waren zum Teil kritische Gespräche, aber alle sind auf sachlicher Ebene verlaufen.

Hast Du auch Schüler über den Hof geführt?

Richtig, mit einer 3. Klasse bin ich in diesem Jahr quer über den Messebauernhof gelaufen. Für die Kids war das eine tolle Erfahrung. Besonders die großen Landmaschinen und die Tiere hatten es ihnen angetan. Die krabbelnden Schädlinge am IVA-Stand waren auch sehr spannend für die Kleinen. Wir haben gemeinsam darüber gesprochen, wieso Landwirte ihre Pflanzen vor Insekten und Unkräutern schützen müssen. Am Futtermittel-Stand konnten sie ihr Wissen testen und versuchen, verschiedene Getreidesorten zu erkennen. Die jungen Schüler waren mit Begeisterung bei der Sache. Und die begleitenden Lehrer haben sich über die fachkundige Betreuung gefreut.

Welches Fazit ziehst Du aus Deiner AgrarScout-Tätigkeit?

Es waren für mich sehr lehrreiche Erlebnisse. Ich habe in den Gesprächen festgestellt, dass Landwirte und Nicht-Landwirte viel zu wenig voneinander wissen. So kamen typische Fragen der Messebesucher wie „Wann gibt eine Kuh Milch?“ für mich zunächst etwas überraschend. Nach zahlreichen Diskussionen kann ich meine Mitbürger jetzt ebenfalls besser verstehen. Deswegen setze ich mich weiter dafür ein, die Distanz zwischen Menschen in der Stadt und auf dem Land zu verringern. Ich fange damit in meinem Freundes- und Bekanntenkreis an. In unserer Regionalzeitung, der Märkischen Oderzeitung, konnte ich einen Bericht über meine Tätigkeit auf dem ErlebnisBauernhof platzieren. Bei Gelegenheit will ich wieder als AgrarScout auf einer Messe tätig werden. Eigentlich kann ich jedem Landwirt nur empfehlen, sich in diesem Projekt zu engagieren.

Wo können Wissenshungrige mit AgrarScouts ins Gespräch kommen?

Die AgrarScouts sind auf den ErlebnisBauernhof-Veranstaltungen des Forums Moderne Landwirtschaft aktiv. Spätestens zur Internationalen Grünen Woche im Januar 2018 in Berlin sind wir wieder im Einsatz.

Vielen Dank, Antonia.