Gesundheit der deutschen Wälder 2011

Kurzgefasst: Ergebnisse der Waldzustandserhebungen der Länder

2011 war das Internationale Jahr der Wälder. Ob als „Grüne Lunge“, Erholungsraum oder Holzlieferant, die vielfältigen Leistungen des Waldes standen im Fokus. Doch sind die Wälder auch gesund? Seit 1984 überprüfen die Landesforstverwaltungen der Bundesländer jährlich die Wälder. Systematische Stichproben und gezielte Untersuchungen ergaben für 2011, dass sich der Waldzustand im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert hat. Ursachen sind vor allem extreme Witterung und Befall durch verschiedene Schädlinge.

Vitalitätskennzeichen Kronenverlichtung verschlechtert

Jeden Sommer suchen forstwirtschaftliche Sachverständige in den Bundesländern feste Stichprobenbäume auf und ermitteln deren Vitalität anhand des Kronenzustands (Verlichtung). Wichtige Kriterien dabei sind der prozentuale Verlust sowie Verfärbungen von Nadeln oder Blättern. Zur besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse wird europaweit ein Schadstufensystem von Null bis vier verwendet. Deutliche Kronenverlichtungen (Schadstufe zwei bis vier) wurden 2011 bei 28 Prozent der Bäume festgestellt. Das entspricht einem Anstieg um fünf Prozent gegenüber 2010. 35 Prozent aller Bäume zeigten leichte Schäden an der Baumkrone (Schadstufe eins). Vier Prozent weniger als im Vorjahr in dieser Kategorie. 37 Prozent der Bäume waren gesund.

Die Verschlechterung des Kronenzustandes betrifft vor allem die Buche. Die üppige Bildung von Früchten, den Bucheckern, dient der Fortpflanzung, bremst aber Holzzuwachs und Blattbildung. Sie ist ein natürlicher Prozess. Über 90 Prozent der Buchen im fortpflanzungsfähigen Alter trugen 2011 Bucheckern. Auch viele andere Baumarten trugen im letzten Jahr reichlich Früchte oder Samen. Diese vielseitige Beteiligung an Blüte und Fruchtbildung ermöglicht zahlreiche Neukombination des Erbguts was wiederum für die Anpassungsfähigkeit künftiger Waldgenerationen an Klimaveränderungen von großer Bedeutung ist. Zum schlechten Belaubungszustand der Buche führten neben dem starken Fruchtanhang und den Witterungsextremen mancherorts auch der Fraß des Buchenspringrüsslers (Rhynchaenus fagi), und der Buchenblatt-Baumlaus (Phyllaphis fagi).

 Extremer Witterungsverlauf und seine Folgen

Anfang 2011 war der Winter enorm frostig. Extreme Schneefälleverursachten große Schäden durch Schneebruch und –druck. Die Schadhölzer mussten schnell aus den Wäldern entfernt werden. Der zeitige Frühling präsentierte sich warm, sonnenscheinreich und sehr trocken. Dies veranlasste die Bäume, schon sehr früh, Anfang April, Laub auszutreiben und vor allem Neupflanzungen erlitten Trockenschäden. Schädlinge konnten sich bei dieser Witterung prächtig entwickeln, so dass Insektizidanwendungen aus der Luft nötig wurden. Diese richteten sich vor allem gegen Kiefer- und Fichtenschädlinge sowie die Eichenfraßgesellschaft. Anfang Mai rief Spätfrost Schäden bis hin zu Absterbeerscheinungen an Laub- und Nadelhölzern hervor. Der insgesamt warme und sehr nasse Sommer beendete die lange Trockenperiode und verhinderte zwar größere Dürreschäden in den Wäldern. Dafür fielen sintflutartige Regenfälle besonders im Norden und Osten Deutschlands. Die Überflutungen größerer Waldflächen hatten ebenfalls Absterbeerscheinungen zur Folge. 

Bedeutendste Störenfriede an Nadelbäumen

Schmetterlinge, deren Raupen vornehmlich an Kiefern fressen, schädigten die Wälder in einigen Bundesländern: Der Kiefernspinner(Dendrolimus pini) vermehrte sich vor allem in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg rasch. Die Forleule (Panolis flammea) nahm hauptsächlich in Sachsen-Anhalt erneut zu.

Seit 2010 kann von einer beginnenden Massenvermehrung der Nonne (Lymantria monacha), eines schwarz-weiß gemusterten Falters, in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen ausgegangen werden. Eine Raupe der Nonne verzehrt etwa 1 000 Fichtennadeln. Die europäischen Arten der Buschhornblattwespen (Dipropniae), deren Larven ebenfalls Nadeln fressen, haben sich ebenfalls stark vermehrt und Schäden in Sachsen und Niedersachsen verursacht.

Das Diplodia-Triebsterben der Kiefer, das durch den Schlauchpilz Sphaeropsis sapinea hervorgerufen wird, breitete sich weiter aus und trat besonders in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen verstärkt auf. Der Pilz lebt in den Nadeln und Trieben. Er schwächt die Kiefern bis zum Absterben. Auch an anderen Nadelbäumen wurde er bereits nachgewiesen.

Der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) ist in Brandenburg und Niedersachsen weit verbreitet. Außerdem traten Fraßschäden der Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) auf. Besonders in Rheinland-Pfalz, Thüringen und Sachsen erreichte ihr Befall ein hohes Niveau.

 Die wichtigsten Forstschädlinge an Laubbäumen

Auch 2011 trat die Eichenfraßgesellschaft, verschiedene auf Eichen spezialisierte Schmetterlinge, in kritischem Umfang auf: Eichenwickler (Tortix viridana), Großer und Kleiner Frostspanner (Erannis defoliaria, Operophtera brumata) und Laubholzeulen (Orthosia spp.), sowie der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) gehören dazu. Ihr Fraß schädigte die Eichen bundesweit. Viele Bäume zeigten Absterbeerscheinungen, nachdem sie bereits über drei Jahre dem Kahlfraß getrotzt hatten. Die extreme Witterung und der Befall mit Eichenmehltau (Erysiphe alphitoides) ließen die Nährstoffreserven vieler Eichen schwinden.

Der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) verursachte bedenkliche Schäden an Buchen und Eichen in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Das Eschentriebsterben (Hymenoscyphus pseudoalbidus) nahm zunehmend kritische Ausmaße an: Erhebungen bestätigten eine landesweite Verbreitung etwa in Sachsen, Thüringen, Brandenburg Bayern und Hessen. In ganz Deutschland sind keine Anzeichen zu finden, dass sich die Krankheit abschwächt.

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