Echter und Falscher Mehltau – was ist das eigentlich?

17.05.2011 Schule & Wissen

Mehltau: Wann ist er echt, wann ist er falsch und wie unterscheiden sich die pilzlichen Erreger?

Echter Mehltau ist ein Sammelbegriff für Pflanzenkrankheiten, die von pilzlichen Erregern aus verschiedenen Gattungen hervorgerufen werden. Typisch für diese Krankheiten ist ein mehlartiger, weißer bis grauweißer Belag auf Knospen, Blättern, Blüten und Trieben. Der Pilzbelag ist auch auf den Blattunterseiten zu finden. Abweichend von der sonst üblichen Lebensweise pilzlicher Erreger können sich Echte Mehltaupilze auch bei sonnigem Wetter vermehren und ausbreiten. Sie werden deshalb auch als “Schönwetterpilze” bezeichnet.

Zu den Echten Mehltaupilzen gehören z. B. die Pilzgattungen Erysiphe, Microsphaera, Podosphaera, Sphaerotheca oder Uncinula. Seit kurzem gibt es mit Blumeria eine neue Gattung. Manche Erreger sind auf eine Wirtspflanzenart spezialisiert, wie der Apfelmehltau, andere können verschiedene Wirtspflanzen befallen wie Phyllactinia guttata, der an zahlreichen Arten aus unterschiedlichen Pflanzenfamilien Schäden verursachen kann. Auch kommt es vor, dass eine Wirtspflanze von verschiedenen Mehltauerregern gleichzeitig befallen wird. So treten etwa an Gurken zwei Mehltauarten oder an der Eberesche und Mehlbeere sogar drei Mehltauarten aus jeweils verschiedenen Gattungen auf. 

Falscher Mehltau

ist ein Sammelbegriff für pilzliche Erreger aus der Familie der Peronosporaceae. Zum Falschen Mehltau gehören aber nicht nur Krankheiten, die die Blätter befallen. Es gibt auch Erreger, die Pflanzen am Wurzelhals, an Wurzeln und in Trieben sowie an Ästen schädigen können. Bei einem Blattbefall zeigen sich an der Oberseite meist gelbliche bis braune Flecken. Die pilzlichen Erreger durchdringen nach der Infektion das Blattgewebe und bilden ihre Sporenträger und Sporangien an den Blattunterseiten. Diese sind dann vor allem bei feuchtwarmem Wetter als meist nur spärlicher Pilzbelag im Übergangsbereich vom kranken zum gesunden Gewebe sichtbar. Zu den Falschen Mehltaupilzen gehören Erreger aus den Gattungen Pythium, Phytophthora, Bremia, Peronospora, Plasmopara und Albugo.

Für Phythium-Arten ist es typisch, dass sie vor allem an Jungpflanzen die Wurzeln und den Wurzelhals schädigen. Dadurch welken die Pflanzen oder sie fallen sogar um. Gefährliche Krankheiten werden auch von Erregern aus der Gattung Phythophtora hervorgerufen. Am bekanntesten ist die Kraut- und Knollen(braun)fäule an Kartoffeln und Tomaten. Phytophthora-Arten können auch Gehölze, wie zum Beispiel Apfel, Walnuss, Birke, Erica, Erle, Eiche, Ahorn, Linde, Lebensbaum, Kastanie, Rhododendron und Wacholder durch Wurzel- und Stammfäulen schädigen. Verheerende Schäden werden durch Peronospora-Arten im Weinbau und am Tabak verursacht. 

Eine alte Lehrmeinung besagte, dass zur Bekämpfung Schwefelpräparate nur gegen Echte Mehltaupilze einzusetzen sind und Kupferpräparate nur gegen Falsche Mehltaupilze. Was Kupferpräparate angeht, trifft das heute nicht mehr zu, da die Verbindung Kupferoctanat sowohl gegen den Falschen als auch gegen den Echten Mehltau wirkt. Auch Azoxystrobin-Präparate wirken gegen beide Mehltaugruppen.

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