Azubis Jacqueline und Jannek: Landwirtschaft ist ihr Ding

16.06.2017 Schule & Wissen

Liebe zum Beruf und fundierte Ausbildung entscheidend für Erfolg

Jacqueline Herzog (19) und Jannek Oldsen (20) kommen aus unterschiedlichen Welten: Sie stammt aus dem Ballungsraum Stuttgart. Ihre Eltern sind Polizisten. Er ist auf einem Bauernhof in Nordfriesland aufgewachsen. Was sie eint, ist die Liebe zur Landwirtschaft. Vor allem die vielseitige und herausfordernde Arbeit fasziniert die beiden Auszubildenden. Im Interview mit dem IVA-Magazin erzählen die Junglandwirte von ihrem Weg und ihren Plänen, wie sie ihre berufliche Zukunft in der Landwirtschaft gestalten wollen.

Jugendliche haben oft Schwierigkeiten, den richtigen Beruf zu finden oder eine berufliche Richtung einzuschlagen. Wann und wie ist Euer Berufswunsch gereift?

Jacqueline: Ursprünglich wollte ich wie meine Eltern zur Polizei. Aber seit 2006 sind wir im Urlaub regelmäßig auf einen Ferienbauernhof nach Pellworm gefahren. Dort habe ich als Stadtkind mit Begeisterung bei allen Arbeiten angepackt. Offensichtlich so erfolgreich, dass die Bauernfamilie auch schon mal selbst für ein paar Tage weggefahren ist und mir den Stall anvertraut hat, wenn ich in den Ferien da war. Nach dem Abitur habe ich mich dann entschieden, eine Ausbildung in der Landwirtschaft zu beginnen.

Jannek: Für mich kam von Anfang an kein anderer Beruf infrage. Ich bin auf einem Hof mit Ackerbau, Schweinehaltung und Biogaserzeugung groß geworden. Landwirtschaft ist genau mein Ding.

Jannek, ist es nicht selbstverständlich, dass Bauernsöhne in die Fußstapfen ihrer Väter treten?

Überhaupt nicht. Meine Eltern haben mich nie in diese Richtung gedrängt. Mein Bruder ist genau wie ich aufgewachsen, er hat aber komplett andere Interessen.

Was fasziniert Euch am meisten an der Landwirtschaft?

Jacqueline: Die Vielseitigkeit. Kein Tag ist wie der andere. Tierhaltung finde ich besonders spannend. Aber der Umgang mit Technik, der Anbau von Futterpflanzen oder Teamarbeit gehören auch dazu.

Jannek: Die Selbständigkeit. Als Landwirt bin ich selbst für den Erfolg meines Unternehmens verantwortlich. Das reizt und motiviert mich. Der Ackerbau und speziell der Kartoffelanbau stehen für mich dabei im Mittelpunkt.

Welche Stationen folgen in Eurem beruflichen Werdegang und wo seht Ihr euch in fünf Jahren?

Jacqueline: Ich werde meine Ausbildung, die die praktische Arbeit auf dem Lehrbetrieb und den Besuch der Berufsschule umfasst, in diesem Jahr abschließen und eine Weiterbildung zur Herdenmanagerin für Milchvieh anhängen. Wahrscheinlich werde ich anschließend die zweijährige Fachschule für Landwirtschaft mit dem Abschluss „Staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt“ absolvieren. Ob ich danach zum Beispiel als Angestellte auf einem Hof arbeiten oder selbstständig einen Pachtbetrieb leiten werde, wird sich dann zeigen.

Jannek: Dieses Lehrjahr verbringe ich auf einem sehr vielseitigen Betrieb mit Ackerbau, Schweine-, Hennen- und Rinderhaltung sowie Direktvermarktung. Im nächsten Jahr wechsele ich auf einen Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Kartoffelanbau. Anschließend werde ich voraussichtlich an der Fachhochschule studieren. Mein Ziel ist es, ganz viel Wissen, Eindrücke und neue Ideen zu sammeln, die ich später auf dem eigenen Betrieb anwenden kann. Nach dem Studium will ich den Hof gemeinsam mit meinem Vater führen.

Jacqueline, fühlst Du Dich in der Berufsschule als junge Frau ohne landwirtschaftlichen Hintergrund als Exotin?

Ja, schon. Aber ich werde von den Jungs total akzeptiert. Nur manchmal muss ich einstecken. Unter anderem, wenn sie sich über meine schwäbische Mundart und über meine geringe Körpergröße amüsieren. Es gibt übrigens einen Trend, dass immer mehr Frauen Landwirtschaft lernen und mittlerweile ungefähr die Hälfte der Auszubildenden gar nicht mehr direkt vom Hof kommen.

Die Landwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Was ist für Euch entscheidend, um langfristig Landwirt bleiben zu können?

Jacqueline: Eine gute Ausbildung ist die Basis für alles Weitere. Wir müssen nicht nur die Produktionstechnik beherrschen, sondern auch zum Beispiel den Umgang mit Mitarbeitern. Verantwortungsvoll und nachhaltig zu wirtschaften sollte unser Ziel sein. Ein realistisches Image ist auch extrem wichtig. Momentan wird die Landwirtschaft leider viel zu oft ungerechtfertigt angegriffen.

Jannek: Dem schließe ich mich an. Unsere Nachbarn müssen wissen, wie wir arbeiten und wie wir Nahrungsmittel erzeugen. Wir schützen unsere Pflanzen, um ihre Qualität zu sichern und um sie verkaufen zu können. Dabei darf die Umwelt nicht belastet werden. Außerdem werde ich versuchen, einen sehr wettbewerbsfähigen und nach Möglichkeit auch wachsenden Betrieb aufzubauen. Das ist für mich der Weg zu einer sicheren Existenz.

Jacqueline und Jannek, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf Eurem Weg!