Buchsbaumsterben: Eine unheilbare Krankheit bedroht Buchsbäume

06.05.2008 Haus & Garten

Der Schadpilz Cylindrocladium buxicola breitet sich weiter aus. Fungizide können die Pflanzen schützen.

Seit 2004 hat sich das Buchsbaumsterben in Deutschland rasant ausgebreitet. Ursache ist ein pilzlicher Erreger. Innerhalb kürzester Zeit verlieren die befallenen Pflanzen ihre Blätter und sterben von den Trieben her ab. Betroffen sind Baumschulen, öffentliche und private Gärten und vor allem Friedhöfe. Infizierte Pflanzen gelten als unheilbar. Regelmäßige Fungizid-Behandlungen beugen jedoch wirksam vor.

Mit dunklen Flecken fängt es an…

Dunkelbraune Flecken auf Blättern und Trieben sind die ersten Symptome der Buchsbaumkrankheit, die vom Schadpilz Cylindrocladium buxicola verursacht wird. Gelegentlich können die Flecken auch hell- oder orangebraun sein; zum Rand sind sie deutlich dunkler gefärbt. Nicht selten wird die Krankheit mit dem Buchsbaumkrebs verwechselt. Der Buchsbaumkrebs wird von einem anderen Schadpilz, Volutella buxi, verursacht. Typisch für Cylindrocladium buxicola sind jedoch die streifigen, schwarzen Flecken an den Trieben. Wenn dann auch noch der Blattfall einsetzt, kann man sich recht sicher sein, dass es sich um das Buchsbaumsterben handelt. Charakteristisch ist auch der dramatische Verlauf: Zuweilen vergehen von der Infektion der Pflanze bis zum Verlust aller Blätter nur zwei Wochen.

Nässe und Wärme begünstigen die Infektion

Der Erreger befällt alle Arten der Gattung Buxus sowie die gärtnerisch weniger bedeutsame Sarcococca, die so genannte Duftende Fleischbeere. Pachysandra (Dickmännchen), ebenfalls eine Buxaceae, wird nicht infiziert. Die Sporen des Schadpilzes gelangen mit Wasserspritzern, Gartengeräten oder sogar mit der Kleidung und den Händen der Gärtner auf die Blätter. Um in die Pflanze eindringen zu können, benötigt der Schaderreger Feuchtigkeit. Sind die Blätter mindestens fünf Stunden lang nass, keimen die Sporen aus und die Pilzhyphe wächst in das gesunde Pflanzengewebe hinein. Wärme wirkt dabei wie ein Wachstumsmotor: Bei optimalen Bedingungen, das sind Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius, breitet sich der Erreger so schnell aus, dass die ersten Blätter bereits eine Woche nach der Infektion abfallen. Danach sterben die Triebe und zum Teil auch die ganzen Pflanzen ab. Auch ein erneutes Austreiben ist möglich. Allerdings bleibt unklar, ob diese Pflanzen nicht doch Träger des Erregers bleiben und somit andere Buchsbäume gefährden.

2004 erstmalig in Deutschland nachgewiesen

Das Buchsbaumsterben kommt wahrscheinlich aus England. Dort ist es seit 1994 bekannt. Von der Insel gelangte der Schadpilz nach Belgien und Frankreich und schließlich 2004 nach Nordwestdeutschland. „Der erste Nachweis von Cylindrocladium buxicola gelang an Pflanzen aus einer Baumschule in der Nähe von Oldenburg“, erinnert sich Dr. Thomas Brand, Pflanzenschutzexperte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, „mittlerweile hat die Krankheit ein verheerendes Ausmaß angenommen. In ganz Deutschland sind Buxuspflanzungen betroffen.“

Unheilbare Krankheit

Betroffen sind Baumschulen, private und öffentliche Grünanlagen, Parks und Friedhöfe. Auf Friedhöfen hat sich die Krankheit besonders rasch ausgebreitet. Zum einen werden die Pflanzen hier nicht täglich beobachtet. Oft wird der Befall erst dann entdeckt, wenn die Pflanze abgestorben ist. Zum anderen sind Pflanzenschutzmaßnahmen auf vielen Friedhöfen verboten. Sie helfen beim Buchsbaumsterben allerdings nur vorbeugend, weiß Dr. Brand: „Erkrankte Pflanzen mit Blattfall und Triebflecken zu behandeln, ist nutzlos.“ Für private Gärten empfiehlt der Experte Fungizide mit einem breiten Wirkungsspektrum.

Tipps für den Garten

Buchsbaum ist en vogue. War er früher hauptsächlich in Bauerngärten zu finden, sind heute edle Formschnittgehölze gefragt. Gartenbesitzer können dem Buchsbaumsterben mit folgenden Maßnahmen vorbeugen:
Keine verdächtigen Pflanzen kaufen! Beim Kauf von Buchsbäumen auf fleckige Blätter und dunkle Streifen an den Trieben achten.
Besonders anfällig ist die weit verbreitete Buchsbaumsorte Suffruticosa. Weniger anfällig ist beispielsweise Arborescens. Da jedoch alle Buxus-Arten befallen werden können, ist die Sortenwahl kein hundertprozentiger Schutz.
Buchsbaum möglichst an windoffenen, sonnigen Stellen pflanzen, damit die Blätter schnell abtrocknen können. Beim Gießen nicht die Blätter benetzen.
Treten die verräterischen Flecken bei Buxus im Garten auf, hilft es möglicherweise, die erkrankten Pflanzenteile herauszuschneiden. Ungewiss bleibt, ob die Krankheit tatsächlich mit einem Rückschnitt gestoppt werden kann.
Fungizide können dem Buchsbaumsterben wirkungsvoll vorbeugen, allerdings nur, wenn sie regelmäßig eingesetzt werden.
Erkrankte Pflanzen mit dem abgefallenen Laub und der obersten Erdschicht vernichten; am besten in den Restmüll geben.
Gartengeräte, Schuhe, und Hände nach Kontakt mit kranken Pflanzen reinigen und desinfizieren*. Die Sporen von Cylindrocladium buxicola bleiben jahrelang infektiös.

* Desinfektion der Hände mit Mitteln aus der Apotheke oder Drogerie; Geräte mit heißem Wasser (mindestens 30 Minuten lang bei 70 Grad Celcius ) oder mit Alkohol (Spiritus) desinfizieren.