Klein, aber entscheidend - Düsen am Pflanzenschutzgerät

18.06.2009 Forschung & Technik

Techniker und Landwirte auf der Suche nach der besten Düsentechnik für Wirksamkeit und Umweltschutz

Um Pflanzen wirkungsvoll vor Schaderregern zu schützen, braucht man leistungsstarke Präparate. Sie müssen möglichst gleichmäßig und zielgenau auf die Pflanzen verteilt werden. Dabei spielen die Düsen an den Ausbringungsgeräten eine entscheidende Rolle. Landwirte haben die Wahl zwischen Düsentypen für jede gewünschte Anwendung. Die Düsen- oder Applikationstechnik ist ein Hightech-Arbeitsbereich, in dem die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenschutzgeräten eng zusammenarbeiten.

Ausgetüftelte Technik

„Mittels ‘Venturi- Prinzip’ wird Luft eingesaugt und in die Flüssigkeit teilweise eingemischt. Je nach Mittel entstehen dabei große abdriftfeste ’Blasentropfen’. Durch den Druckabbau in der Mischkammer und den großen Düsenauslass der Injektordüse wird der Feintropfenanteil praktisch eliminiert.“ Wer diese Beschreibung liest, könnte an Einspritzdüsen bei Sportwagen denken, aber es geht um ein Pflanzenschutzgerät, die so genannte Air-Injektordüse. Dieser Düsentyp kann relativ große Tropfen erzeugen. Sie sind entsprechend schwer und werden nicht so schnell verweht wie feine Tröpfchen. Das senkt die Abdrift um 50 bis 90 Prozent. An Feldrändern mit Blühstreifen, Hecken oder angrenzenden Gewässern sind diese Düsen gesetzlich vorgeschrieben. Die Injektordüse hat die früher dominierende Flachstrahldüse abgelöst.

Kompromiss zwischen Tropfengröße und Benetzung

Je nach Bauart stößt die Flachstrahldüse einen wesentlich höheren Anteil an Feintropfen mit einem Durchmesser von weniger als 100 Mikrometer (0,1 Millimeter) aus. Solch’ kleine Tropfen werden von der Umgebungsluft schnell abgebremst und schon von leichten Luftbewegungen wegtransportiert, so dass sie die Zielfläche unter Umständen überhaupt nicht erreichen. Deshalb sollten diese Düsen nur bis zu einer Windgeschwindigkeit von maximal drei Meter pro Sekunde eingesetzt werden. Die Schwäche der feintropfigen Düsen ist aber gleichzeitig ihre Stärke. Denn viele feine Tropfen benetzen eine Pflanze gleichmäßiger als einige große. Kontakt- Pflanzenschutzmittel müssen zum Beispiel wenige Millimeter große Unkrautpflanzen oder kleine von Pilzen befallene Blattbereiche direkt treffen, damit sie wirken können.

Landwirt hat die Qual der Wahl

Düsen der gleichen Bauart unterscheiden sich in der Flüssigkeitsmenge, die sie pro Minute ausstoßen können, und im optimalen Druckbereich. Die Faustregel sagt: Je kleiner die Düsenöffnung und je höher der anliegende Druck, desto kleiner werden die Tropfen. Eine Düse, die 0,5 Liter pro Minute ausbringt, ist anders gebaut als eine Düse, die drei Liter ausstößt. Hohe Flüssigkeitsmengen sind erforderlich, wenn dichte Kulturen wie Kartoffeln durchdrungen werden müssen. Ziel ist stets, die beste Wirkung, mit möglichst wenig Mittelaufwand zu erzielen und die Umwelt zu schonen.

Universaldüse gesucht

Trotz unterschiedlichster Anforderungen hätten Landwirte am liebsten eine Universallösung: Eine Düse für alles würde Kosten senken und das zeitaufwändige Wechseln der Düsensätze überflüssig machen. Doch die Universaldüse kann immer nur ein Kompromiss sein, der mit zum Teil erheblichen Wirkungsverlusten teuer erkauft wäre. Daher setzen viele Landwirte auf zwei oder drei verschiedene Düsentypen. Den schnellen Wechsel ermöglichen Mehrfachdüsenträger. Hier befinden sich Düsen verschiedener Typen an einem drehbaren Träger. Die Düsen, die senkrecht nach unten stehen, werden mit Spritzbrühe versorgt.