Pflanzenernährung nach "guter fachlicher Praxis" – Die richtige Anwendung von Düngemitteln

Für Pflanzenschutz - und Düngemittel gilt: Sie müssen sachgerecht angewendet werden, sprich: nach „guter fachlicher Praxis“. Dann können Düngemittel ihre Wirkung entfalten ohne Risiken für Anwender und Umwelt. Zahlreiche Gesetze und Vorschriften regeln  den sachgerechten Einsatz von Düngemitteln. Wichtig für Anwender ist dabei vor allem die Düngeverordnung.

Jeder Düngemaßnahme sollte eine genaue Düngebedarfsermittlung vorausgehen. Nährstoffbedarf der Pflanze und Nährstoffsituation im Boden liefern wichtige Informationen für den gezielten, nachhaltigen Einsatz von Düngemitteln. Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) hat die folgenden Leitlinien für Düngemittel-Anwender zusammengestellt. Sie betreffen die Bedarfsermittlung für Düngemittel, Düngeplanung und -Dokumentation sowie Hinweise zum Gewässerschutz .

1. Am Pflanzenbedarf orientieren

Bei der Anwendung von Düngemitteln müssen sich Ausbringungszeitpunkt und -Menge am Bedarf der Pflanzen orientieren. Das gilt generell für alle Nährstoffe. Je nach Bodenversorgung und Fruchtfolge lässt sich dann der Düngemitteleinsatz planen.

Die Bodenanalyse  gibt Auskunft über den Nährstoffzustand eines Bodens. Wie die ermittelten Nährstoffgehalte im Hinblick auf die Versorgung der Pflanzen zu beurteilen sind, wird in Feldversuchen festgestellt. Aus den Ergebnissen lassen sich Richtwerte ableiten und Gehaltsstufen für Düngemittel definieren.

Für eine optimierte Düngung müssen jedoch noch weitere Aspekte berücksichtigt werden: der zu erreichende Ertrag sowie alle, die Nährstoffaufnahme beeinflussenden Faktoren des Standorts und der Bewirtschaftung.

2. Nährstoffverluste minimieren

In den Wintermonaten, also in Zeiten der Vegetationsruhe und hoher Niederschläge wird nicht gedüngt. Außerdem sollen Bodenpartikel nicht durch Abschwemmung mit dem Oberflächenwasser in die Gewässer gelangen, um Nährstoffverluste zu begrenzen. Hier ist der Anwender gefordert, sich an die Grundsätze der „guten fachlichen Praxis“ zu halten.

Dazu gehört auch die Beachtung einer Reihe spezieller Vorschriften. Die Düngeverordnung sieht für Mineraldünger und andere Düngemittel Sperrzeiten von November bis Januar vor.

3. Nährstoffeinsatz von Düngemitteln bilanzieren

Landwirtschaftliche Betriebe sind verpflichtet, die Anwendung von Düngemitteln schriftlich zu dokumentieren. Sie müssen Nährstoff-Zu- und -Abfuhren für Stickstoff und Phosphat festhalten und regelmäßig einen Nährstoffvergleich, das heißt, eine Flächen- oder Schlagbilanz, erstellen. Diese bezieht sich ausschließlich auf die Betriebsfläche des Landwirts.

Die Nährstoffvergleiche dienen der Eigenkontrolle des Landwirts und müssen einer Plausibilitätskontrolle durch die zuständige Behörde standhalten.

Organische Dünger und Mineraldünger

Organisch düngen bedeutet, die im Betrieb anfallenden organischen Abfälle wie Stallmist, Jauche oder Gülle zu verwenden. So werden die Nährstoffe in einem Kreislauf gehalten. Diese Wirtschaftsdünger können allerdings nur zu bestimmten Zeiten sinnvoll eingesetzt werden. In der Zwischenzeit muss man sie möglichst verlustarm lagern. Auch schadstoffarmer Schlamm aus Kläranlagen wird auf geeigneten Böden als organischer Dünger eingesetzt.

Allerdings schwankt der Nährstoffgehalt organischer Dünger erheblich. Das erschwert die Düngeplanung. Durch die langsame Freisetzung der Nährstoffe – auch in Zeiten ohne Pflanzenwachstum – und das gasförmige Entweichen von Ammoniak kann die Umwelt belastet werden. Wenn der Lagerraum knapp wird, wird der organische Dünger auch zu ungünstigen Zeiten ausgebracht. Das kann zu Überdüngung führen. Der Einsatz organischer Dünger reichert im Boden und in der Pflanze oft zusätzlich Schwermetalle und andere Schadstoffe an.

Mineraldünger enthalten die gleichen Pflanzennährstoffe, die auch in der Natur vorkommen, also keine neu synthetisierten Moleküle. Mineraldünger halten den Boden nachhaltig fruchtbar und gesund. Sie enthalten gleichbleibende Mengen an Nährstoffen, dadurch können sie gezielt und verlustarm eingesetzt werden. Über- und Unterdüngungen lassen sich dadurch vermeiden. Mineraldünger tragen dazu bei, die Kosten der Nahrungsmittelerzeugung niedrig zu halten, denn erhöhter Ertrag pro Fläche bedeutet sinkende Kosten für die erzeugte Nahrungseinheit.

Die Produktion von Mineraldüngern ist energieaufwändig. Trotzdem ist die Energiebilanz positiv: Weil die Pflanze Sonnenenergie bindet, steht am Ende ein Energiegewinn. Mineraldüngung hält Böden dauerhaft  fruchtbar und laugt sie nicht aus, wie gelegentlich unterstellt wird. Mineralische Dünger verbessern außerdem den Gehalt der Ernteprodukte an wertgebenden Inhaltsstoffen wie Phosphor, Kalium, Magnesium und Calcium. Damit tragen sie zur Versorgung der Menschen mit diesen lebenswichtigen Mineralstoffen bei.

Magnesium: Als zentraler Baustein des Chlorophylls (Blattgrün) ermöglicht Magnesium die Photosynthese und Stoffbildung von Pflanzen. Als Bodendünger in Form von Magnesiumkarbonat und Magnesiumsulfat verbessert es die Qualität von Feldfrüchten nachweislich. Meist wird Magnesium als Begleitnährstoff zu anderen Mineraldüngern (Kalium, Kalk) verabreicht.

Kalk: Als Bodendünger reguliert Kalk den Basenhaushalt des Bodens, indem er Säuren neutralisiert. Er verbessert die Lebensbedingungen für Mikroorganismen im Boden und für die Kulturpflanzen, stabilisiert die Bodenstruktur und sorgt so für einen geregelten Wasser-, Luft- und Wärmehaushalt. Unter anderem enthält Kalkdünger mit Calcium und Magnesium zwei wichtige Nährstoffe für die Pflanzen und für den Menschen.

Phosphor: Phosphor brauchen die Pflanzen für ihre Photosynthese sowie bei Energieübertragungs- und Steuerungsprozessen im Stoffwechsel. Im Boden überwiegend als mineralisches Phosphat vorhanden, nehmen die Pflanzen es als Phosphat-Ion auf. An ihrer Wurzel lebende Bodenpilze (Mykorrhiza) bilden Enzyme , die die Löslichkeit der Bodenphosphate verbessern.

Kalium: Als unersetzbarer Bestandteil aller Lebensformen kommt Kalium in jeder menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zelle sowie in Mikroorganismen vor. In der Pflanze steuert es viele Stoffwechselvorgänge, reguliert den Wasserhaushalt und hilft, das oft knappe Wasser effizient auszunutzen. Resultat ist ein festes Zellgewebe und bessere Widerstandskraft gegen Schädlinge und pilzliche Erkrankungen. Im Boden in mineralischer Form vorliegend wird es als Kaliumchlorid oder Kaliumsulfat verwendet.