Deutsche Flüsse sind sauber, das Trinkwasser auch!

Positive Bilanz zum Tag des Wassers: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind rar.

Mit guten Nachrichten für Umwelt und Verbraucher findet am 22. März der Tag des Wassers statt: Die deutschen Flüsse sind sauber. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind kaum noch enthalten. Auch modernste Analysenmethoden können die winzigen Spuren oft nicht mehr messen, denn sie liegen zum Teil unter der Nachweisgrenze. Die Gewässer sind in den letzten zehn Jahren immer sauberer geworden. Diese erfreuliche Entwicklung ist ein Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von Wasserwirtschaft, Industrie, Beratung und Landwirtschaft.

Da das deutsche Trinkwasser immerhin zu rund einem Drittel aus Oberflächengewässern wie Uferfiltraten gewonnen wird, ist der Tag des Wassers auch hier ein wichtiges Datum. Unser dicht besiedeltes Land nimmt das Naturgut Wasser intensiv in Anspruch. Auch die Landwirtschaft greift in die empfindlichen Kreisläufe der Natur ein. Umso erfreulicher sind die Ergebnisse der bislang noch unveröffentlichten Messreihen der Universität Gießen: Seit Anfang der 90er Jahre haben Wissenschaftler die Flüsse Rhein, Ruhr, Main, Neckar, Weser und Elbe untersucht und erstmals aussagekräftige Daten zu den Jahresfrachten dieser Gewässer ermittelt.

Signifikante Rückgänge

Die Forscher nahmen elf verschiedene Wirkstoffe unter die Lupe, die früher schon durch hohe Messwerte aufgefallen waren. Bei der Mehrzahl der Wirkstoffe konnten sie gegenüber dem Ausgangswert deutliche Rückgänge feststellen: Oft liegen die aktuellen Frachten um ein vielfaches unter dem Vergleichswert zu Beginn der Untersuchung. Allerdings können von Jahr zu Jahr erhebliche Schwankungen auftreten. Diese führen die Forscher auf den Witterungsverlauf in den einzelnen Jahren zurück. Lokaler Starkregen kann Boden und damit auch Wirkstoffe vom Acker in die Gewässer schwemmen. Langanhaltende großflächige Niederschläge hingegen bewirken steigende Flusspegelstände und „verdünnen“ die eventuell vorhandenen Frachten.

Die Untersuchungen der Universität Gießen ergaben, dass die Pflanzenschutzmittel -Wirkstofffrachten seit Mitte der 90er Jahre signifikant zurückgegangen sind, teilweise bis auf Null, d.h. bis unter die Messgrenze gesunken sind.

Umweltfreundlichere Wirkstoffe

Was hat diesen deutlichen Rückgang der Pflanzenschutzmittelfrachten herbeigeführt? Nach Meinung der Gießener Wasserexperten und des Industrieverbands Agrar wirken hier mehrere Ursachen zusammen. Eindeutig belegt sind die Rückgänge beim Pflanzenschutzmittelverbrauch. Wurden 1987 noch 3,65 Kilogramm Wirkstoffe pro Hektar, also 10 000 Quadratmeter, landwirtschaftlich genutzter Fläche ausgebracht, so waren es im Jahr 2006 noch 1,87 Kilogramm (Quelle Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Zudem sind die Wirkstoffe immer umweltverträglicher geworden. Die Herstellerfirmen unternehmen große Anstrengungen, die Wirkstoffe so zu formulieren und die Anwendung so zu gestalten, dass wenig von den Pflanzen und von der Bodenoberfläche durch Regenwasser ab- und ausgewaschen wird. Dies bewirkt, dass mit dem abfließenden Wasser weniger Substanzmenge in die Flüsse und Bäche kommt.

Sorgfältiger Umgang

Auch Landwirte haben zu der positiven Entwicklung beigetragen. Sie wenden die wertvollen Betriebsmittel sparsam, gezielt und sorgsam und nach den Regeln der Guten fachlichen Praxis an, die sich jeder Landwirt im Zuge seiner Ausbildung aneignen muss. Um etwa so genannte Punkteinträge von Pflanzenschutzmitteln in den Wasserkreislauf zu vermeiden, reinigen immer mehr Landwirte ihr Gerät auf bewachsenem Boden, da hier das Waschwasser nicht in die Kanalisation abfließen kann.

Natürlich dürfen Pflanzenschutzmittel auch bei der Anwendung nicht in Gräben oder Flüsse geweht oder gespült werden. Deshalb halten Obst-, Gemüse- und Ackerbauern Mindestabstände zu Gewässern ein. Diese Pufferzonen sind häufig mit Gras oder Hecken bewachsen. Moderne Maschinentechnik hilft zum Beispiel mit triftreduzierten Spritzdüsen, speziell für den Einsatz in Gewässernähe. Diese erzeugen relativ grobe Tropfen, die nicht so schnell vom Wind verweht werden können wie etwa feiner Sprühnebel. Den einwandfreien Zustand der Pflanzenschutzgeräte gewährleistet der Spritzen-TÜV. Ähnlich wie Autos müssen die Spritzen alle zwei Jahre vorgestellt werden, um die Plakette zu erhalten, die zur weiteren Nutzung berechtigt.

Seit 1992 Tag des Wassers

Trotz dieser insgesamt positiven Entwicklung ist Wasserschutz kein Selbstläufer und bedarf der Anstrengungen aller beteiligten Gruppierungen. Daher hat der Tag des Wassers, der erstmalig im Jahr 1992 begangen wurde, nach wie vor auch in Deutschland seine Berechtigung. Vor dem Hintergrund, dass weltweit rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, gehört der Wasserschutz zu den größten Herausforderungen der Zukunft.