Der Brotkäfer – nicht nur ein allesfressender Vorratsschädling

Einer der wichtigsten Vorratsschädlinge – auch als Indikator für Bauschäden

Der Brotkäfer ist nicht nur ein typischer Vorratsschädling, sondern kann auch auf bauliche Schäden hinweisen. Der Käfer ernährt sich ähnlich wie seine Larven von einer breiten Palette bevorzugt trockener Nahrungsmittel wie u. a. Nudeln, Knäckebrot, von Hundekuchen sowie getrocknetem Gemüse, Obst, getrockneten Nüssen und Kräutern, aber auch von anderen organischen Materialien tierischer oder pflanzlicher Baustoffe. Die Schädlinge kommen das ganze Jahr über in der Wohnung vor. Sie leben im Verborgenen. Im Sommer laden beleuchtete Zimmer und geöffnete Fenster den frei fliegenden Käfer in die Wohnung ein. Auch später, wenn er sich darin eingerichtet hat, findet man ihn in Fensternähe. Spätestens dann sollte man sich auf die Suche nach dem ungebetenen Gast machen. Wer ihm selbst nicht auf die Spur kommt, sollte professionellen Rat einholen.

Klein, braun und zäh

Der Brotkäfer Stegobium paniceum aus der Familie der Nagekäfer Anobiidae hat sich auf stärkehaltige Nahrung spezialisiert, in die er runde Löcher nagt. Auf See war der Brotkäfer steter Gast in den Vorräten. Die Sitte, den Schiffszwieback vor dem Essen auf den Tisch zu stoßen, sollte den Käfer austreiben.

Ursprünglich stammt der anspruchslose Käfer aus den trockenen Gebieten Afrikas. Das erklärt seine Vorliebe u. a. für getrocknete Kräuter und Sämereien. Er ist dementsprechend auch häufig in Bäckereien, in Gewürzlagern und Apotheken anzutreffen. Nicht von ungefähr heißt der Brotkäfer in Amerika „drugstore beetle“, also „Apothekenkäfer“, wo er bzw. seine Larven früher großen Schaden anrichteten. Der Brotkäfer erträgt leichte Minustemperaturen über mehrere Wochen, so dass er auch bei mitteleuropäischen Temperaturen den Winter im Freien übersteht – nicht selten in Vogelnestern.

Grenzenloser Appetit

Der rotbraune, ausgewachsene Brotkäfer wird nur zwei bis drei Millimeter lang. Die Oberseite des ovalen Körpers ist mit Härchen übersät. Der Brustpanzer überdeckt den Kopf wie eine Kapuze. An der Form seiner Fühler lässt sich der Brotkäfer am besten von anderen Käferarten unterscheiden: Die letzten drei Glieder sind typischerweise verdickt.

Die Weibchen der Käfer legen etwa 100 weiße, nur 0,4 Millimeter große Eier in kleinen Häufchen auf Nahrungsmittel oder in Spalten der Umgebung. Dabei sind die Käfer nicht wählerisch: Ob Brot oder alte Buchdeckel aus Leder, Trockensträuße oder Salzteigfiguren – fast jede trockene, organische Substanz ernährt die Larven. Bitterstoffe, Alkaloide und Gerbstoffe werden problemlos vertragen. Die nach einigen Wochen schlüpfenden Larven fressen so gierig, dass sie bald hilflos unförmig werden. Die 3 Millimeter langen Larven mit 3 Beinpaaren richten sich im Futtersubstrat in eine Höhlung ein, die sie mit ihrem Sekret auskleiden. Bei loser Futtergrundlage wie zum Beispiel in Haferflocken, befestigen sie ihre Behausung häufig an den Verpackungswänden. Die erwachsenen Larven verpuppen sich in einem aus Nahrungsteil und Kot zusammengesponnenen Kokon.

Massenbefall bei gutem Futter

Vom Schlupf bis zur Verpuppung benötigt die Larve bis zu 220 Tage – bei günstigen Temperaturen und reich gedecktem Tisch schrumpft ihre Entwicklungsdauer auf einen Monat. 12 bis 18 Tage später schlüpfen die fertigen Käfer. Der gesamte Generationszyklus dauert im Schnitt 7 Monate. Bei günstigen Bedingungen verkürzt sich das Generationsintervall allerdings auf 1,5 Monate, so dass sich schon aus wenigen Käfern schnell ein Massenbefall entwickeln kann.

Vorräte schützen

Am besten werden alle Vorräte in verschließbaren Dosen oder Verpackungen aufgehoben. Befallene Lebensmittel müssen natürlich entsorgt werden. Damit sich die Schädlinge nicht weiter verbreiten können, sollten die Lebensmittel vor der Entsorgung für mindestens eine Stunde im Backofen bei 60° C oder über Nacht bei -18° C im Tiefkühlschrank gelagert werden. Alle Vorratsschränke und Regale müssen gründlich gereinigt werden; gern verstecken sich die Käfer und Larven in Ritzen, Fugen und unter Schrankpapier.

Wenn der Schädling im Gebälk sitzt

Wer dem Brotkäfer nicht selbst auf die Spur kommt, sollte professionellen Rat einholen. Schädlingsbekämpfer können auch im Bereich Holz- und Bautenschutz feststellen, ob die Käfer einen Hinweis auf eine Schadstelle im Haus sind. Bei einem Massenbefall in Zwischendecken oder an Holzbalken kann die Ursache zum Beispiel ein Befall mit Pilzen sein, die dem Käfer als Nahrung dienen. Mit der Beseitigung der Schäden durch Profis wird man den Käfer wieder los.